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Umland Springe Nachrichten Zwei neue Hausärzte könnten sich niederlassen
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19:15 29.06.2018
Die Notfallambulanz im früheren Krankenhausgebäude schließt Ende des Jahres. Quelle: Mischer
Springe

In Springe könnten sich ab sofort rein rechnerisch noch zwei Hausärzte niederlassen – das hat die Kassenärztliche Vereinigung jetzt ausgerechnet.

Die Kassenärztliche Vereinigung ist für niedergelassene Ärzte in Praxen zuständig – also für die ambulante und nicht die stationäre Medizin. „Man muss sich in Springe also vor Augen halten, ob es überhaupt einen adäquaten Ersatz für eine stationäre Versorgung geben kann“, sagt Sprecher Detlef Haffke. Laut Bedarfsplan dürfte die Vereinigung nicht wahllos Ärzte für Springe genehmigen.

Anders als in vielen anderen Kommunen wird bei der Vereinigung der Mittelbereich Springe als eigener Betrachtungsraum in Sachen Allgemeinmedizin gewertet. „Das ist sehr untypisch.“ Daraus ergibt sich: Ein Hausarzt betreut 1581 Patienten in Springe – 18,5 Hausärzte sind derzeit tätig. Der Versorgungsgrad liegt damit bei 101,7 Prozent, optimal sind 100 Prozent. Aber: Springe ist damit nicht überversorgt. Erst ab 110 Prozent sei die Stadt gesperrt, neue Ärzte einzustellen. Heißt: Rein rechnerisch könnten sich noch zwei Ärzte niederlassen, die sich zum Beispiel für ein Gesundheitshaus entscheiden könnten.

Bei den Fachärzten in speziellen Branchen ist die Lage allerdings anders: Dafür wird die gesamte Region Hannover betrachtet. In den Fachbereichen liegt die Versorgung zum Teil sogar weit über 110 Prozent.

Damit ist Springe für Neu-Niederlassungen von Spezialärzten gesperrt, auch wenn es vor Ort zum Beispiel keinen Hautarzt gibt. Anders ist das, wenn jemand seine Praxis aufgibt und einen Nachfolger findet, auch wenn das in ländlichen Regionen immer schwerer wird. Heißt also unter dem Strich: In einem Gesundheitshaus könnten sich keine neuen Fachärzte ansiedeln. Ein möglicher Investor müsste also ausloten, ob niedergelassene Ärzte bereit sind, umzuziehen. Zum Vergleich: Anfang 2017 praktizierten in Springe noch 20 Hausärzte – damit lag die Quote bei 110,6 Prozent.

In Niedersachsen werden rund 20 Prozent der Ärzte in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen. „Die Zahl ist relativ hoch und ein echtes Problem, wenn das nicht kompensiert wird“, sagt Haffke. Die Kräfte also in einem Haus zu bündeln sei aus seiner Sicht sinnvoll. Im Gesundheitsbereich werden zunehmend Kooperationen angestrebt, weiß Haffke. „Und das ist hoch akzeptiert.“ Schließlich würden sich immer mehr Ärzte in Gemeinschaftspraxen zusammenschließen. Zudem erkennt Haffke einen Trend, dass für viele Ärzte eine Anstellung, etwa in einem medizinischen Versorgungszentrum, attraktiv werde und sich immer weniger für eine eigene Praxisgründung entschieden.

Von Saskia Helmbrecht