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Umland Springe Nachrichten Jüdische Grabstätten erzählen Geschichten
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19:48 27.09.2018
Dr. Peter Schulze (l.) und Dr. Hans- Christian Rohde beschäftigen sich mit jüdischen Grabstätten in Hannover und Springe. Quelle: Saskia Helmbrecht
Springe

Weil ein Friedhof immer mit Sterben und Tod in Verbindung gebracht wird, ist er nicht unbedingt ein Ort der Freude. Aber: Auf den Friedhöfen spiegelt sich Geschichte wider, und sie erinnern Hinterbliebene an Menschen – sie sind keine Museen, sondern ein Spiegel jüdischen Lebens.

Genau das ist es, was den Historiker Dr. Peter Schulze aus Hannover antreibt, sich mit den jüdischen Grabstätten auseinanderzusetzen. Am Sonntag wird seine Ausstellung im Museum auf dem Burghof eröffnet. In zahlreichen Detailaufnahmen hat Schulze die Inschriften der Gräber festgehalten. Das Besondere: Es sind nicht nur traditionelle Schriften, etwa mit dem Segenswunsch, sondern auch moderne Typografien zu sehen. „Es ist eine Linie, aber immer aus der jeweiligen Zeit“, erklärt Schulze. Aus jedem Stein könne er zahlreiche Informationen über das Leben der Juden herausziehen, „leicht zu deuten ist das aber nicht".

Spiegel jüdischen Lebens

Für ihn selbst seien die Friedhöfe Quellen – und müssten daher als wichtige und zum Teil letzte Lebenszeugen begriffen werden, ist der Historiker überzeugt. „Aber man kann auch einfach nur mit offenen Augen durch die Ausstellung gehen und schauen, ob einem das Bild interessant vorkommt.“

Unterstützt wird Schulze bei seiner Ausstellung vom Lüderser Fotografen Manfred Eckert und dem Springer Pädagogen und Heimatforscher Dr. Hans-Christian Rohde. Eckert hat sich auf den Weg gemacht und die jüdischen Begräbnisstätten in Springe fotografiert.

Rohde selbst hat 1999 für die Hallermunter Schriften ein Buch zu der Geschichte der Juden in Springe geschrieben und veröffentlicht. „26 Grabsteine sind im gesamten Stadtgebiet noch erhalten, 21 davon stehen in Gestorf“, weiß Rohde. Zahlreiche Details zieren die Gräber, etwa Mohnfrüchte. „Die sind ein Symbol für Schlaf.“ Auf der westlichen Seite des Grabes ist eine Eiche zu sehen. „Das deutsche Symbol, das zeigt, dass man sich als Deutscher mit jüdischer Religion gefühlt hat“, so Rohde.

Statt Blumen wurden Steine aufs Grab gelegt

Statt Blumen legt man übrigens Steine auf das Grab – die Israeliten, die in der Wüste lebten, bestatteten damals die Toten mit einem kleinen Steinhaufen auf dem Grab. Die Steine würden verhindern, dass die Leichen von wilden Tieren ausgegraben wurden.

Die Ausstellung wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet. Am 7. Oktober hält Rohde einen Vortrag über die Begräbnisse in Springe. Am 28. Oktober ist Rabbiner Dr. Gábor Langyel zu Gast und spricht über Trauer und Bestattung im Judentum.

Von Saskia Helmbrecht