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Umland Springe Nachrichten Mehr Einbrüche in Springe 2017, weniger in 2018?
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01:42 09.03.2018
Nur die Zahl der Sachbeschädigungen ist zurückgegangen.  Quelle: Stock Adobe.com
Springe

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Springe hat deutlich zugenommen: 85 Fälle musste die Polizei vergangenes Jahr bearbeiten. Zum Vergleich: 2016 waren es gerade einmal 44. Ende März konnten die Beamten dann drei Männer festnehmen, denen 17 Taten nachgewiesen werden konnten. „Wir haben alles versucht, sind vermehrt Streife gefahren und hatten mehrere verdeckte Maßnahmen“, berichtete Kripo-Chef Hartmut Retzlaff. Gemeinsam mit dem Kommissariatschef Christian Krone hat er die Kriminalstatistik für 2017 vorgestellt. „Natürlich stört uns die Zahl. Für die Polizei insgesamt von der Streife bis zum Ermittlungsdienst ist das daher ein Schwerpunkt.“

Beide gehen aber davon aus, dass die Einbruchszahlen in diesem Jahr zurückgehen werden: „Seit Mitte Januar bis heute hat es keinen einzigen Einbruch in Springe gegeben.“ Dabei schlagen Täter sonst vermehrt in der dunklen Jahreszeit zu. Im Vorjahr gab es zur selben Zeit bereits 40 Einbrüche.

Dabei gehen die Täter meist auf dieselbe Weise vor: Oft werden Fenster und Terrassentüren aufgehebelt. „Davor kann man sich gut schützen.“ Eher selten werden Wohnungstüren aufgebohrt oder Fenster eingeworfen.

Professionelle Banden unterwegs

Ungewöhnlich sei der Einbruch im Juni in die dm-Filiale gewesen. Da soll eine professionelle Bande ihr Unwesen getrieben haben und sich auf diese Art Einbrüche spezialisiert haben. „Das passiert einmal in zehn Jahren in Springe.“

Aber auch mit neuen Betrugsmaschen werden die Beamten konfrontiert. Neuster Trick: Am Telefon geben sich Täter als Polizisten aus. Aber auch beim Enkeltrick versuchen die Betrüger, den Senioren das Geld aus der Tasche zu ziehen. Beim EC-Karten-Betrug versuchen die Täter sogar, Daten, die auf der Karte hinterlegt sind, abzugreifen. Auch auf Ebay-Kleinanzeigen komme es vermehrt zu Betrugsfällen. In Zahlen sieht das so aus: Die Delikte sind von 347 auf 408 Fälle in Springe und Pattensen gestiegen. Allein der Betrug im Internet, bei denen persönliche Daten abgefangen werden, stieg von 110 auf 175 Straftaten. Die Opfer würden die Taten häufiger anzeigen. „Schon bei geringen Schadenssummen wie etwa 20 Euro kommen die Geschädigten zur Polizei, wenn die Ware nicht geliefert wird“, hat Retzlaff beobachtet. Dennoch sei die Dunkelziffer hoch, vermutet Retzlaff.

Daten-Klau aufzuklären ist schwierig – vieles läuft über das Darknet

Das Problem: Den Daten-Klau aufzuklären, sei schwer. Täter, die Accounts hacken, seien kaum zu festzustellen. „Da werden IP-Adressen über das Ausland bezogen – die Ermittlungen im Darknet sind sehr aufwendig.“

Und trotzdem: Die Aufklärungsquote aller Straftaten liegt in Springe deutlich über dem Landesdurchschnitt mit 66,35 Prozent. Bei den Diebstahlsdelikten, also auch den Einbrüchen und Auto-Aufbrüchen, konnte jede dritte Tat aufgeklärt werden, berichtete Retzlaff. Spektakulär sei die Festnahme eines 32-Jährigen in Springe im Mai gewesen, der nach einem Auto-Aufbruch auf frischer Tat ertappt wurde – und dem zahlreiche Taten in der gesamten Region nachgewiesen werden konnten.

Kaum Körperverletzungen registriert

Schwerwiegende Taten gab es dafür keine im Bereich der Körperverletzung. Die Zahl ist aber von 123 auf 148 in Springe gestiegen. Insgesamt gab es 1249 Straftaten in Springe – und nur vier Widerstandsdelikte gegen die Polizisten. Immer wieder würden die Beamten respektlos behandelt werden. Erst im Februar hatten Bekannte und Verwandte der Unfallbeteiligten an der St.-Andreas-Straße die Rettungskräfte massiv angepöbelt, die Beamten mussten Verstärkung rufen, um die Heranwachsenden in Schach halten zu können. „Das Verhalten einiger ist schon eine erhebliche Belastung“, räumt Krone ein und lobt die sieben jungen und neuen Kollegen des Kommissariats. „Ich habe großen Respekt vor ihnen, wie sie damit umgehen.“ Einiges passiere auch „unterhalb strafrechlicher Relevanz“.

88 Verfahren bei der Betäubungskriminalität müssten die Polizisten bearbeiten. „Harte Drogen spielen in Springe keine Rolle.“ Auch bei der Straßenkriminalität gibt es in Springe keine Brennpunkte. „Und wir haben keine Flüchtlingskriminalität.“

Von Saskia Helmbrecht