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Pastoren sind Weihnachten stets auf Achse

Springe Pastoren sind Weihnachten stets auf Achse

Ein Gottesdienst nach dem anderen – und das in mehreren Dörfern und Kirchen: Zu Weihnachten sind Pastoren Geschäftsreisende. Aber sie lieben es.

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Für viele Menschen ist der Kirchgang zu Weihnachten ein schöner Beginn der Weihnachtszeit – für Pastoren ist er berufliche Pflicht.

Quelle: Foto: Archiv

Wülfinghausen/Holtensen/Springe. So mancher Geistliche wird spätestens an Heiligabend zum wahren Geschäftsreisenden in Sachen Weihnachten. Anselm Stuckenberg ist einer von ihnen. Der Klosterdorf-Pastor reist von Dorf zu Dorf – von einer proppenvollen Kirche zur nächsten. „Wir kennen das gar nicht anders“, sagt er dazu. Immerhin sei seine Frau ebenfalls Pastorin und der Mission, die Frohe Botschaft zu Weihnachten zu verkünden, genauso verpflichtet wie er.

Jeder Ort ist für sich besonders

Als ihre Kinder noch klein waren, kamen sie eben mit. Der Effekt, einem Schauspieler gleich, nach etlichen Weihnachtsgottesdiensten an Präsenz zu verlieren, bleibe trotzdem aus. „Jede Gemeinde ist auf ihre Art besonders und die Leute sind froh und dankbar für diese Weihnachtsgottesdienste“, sagt Stuckenberg. Er freue sich schon darauf, wie die Kinder in Holtensen beim Krippenspiel zur Hochform auflaufen und auf die Christvesper in Gestorf mit anschließender Musik unter der Eiche auf dem Kirchplatz.

Die Pastoren haben aber so ihre ganz eigenen Kniffe, um Weihnachten auch für sich selbst immer wieder neu zu (er-)finden. „Ich lege alles in diesen Heiligabend und beschäftige mich Wochen im Voraus mit dieser Predigt“, sagt Pastorin Bettina Bartke von der St.-Petrus-Gemeinde in Springe. Paradoxerweise hilft eine lieb gewonnene Gewohnheit ihr dabei: „Ich bin Eltern und Kindern so dankbar dafür, dass sie das Krippenspiel möglich machen. Denn mit dem Schauspiel erleben die Kinder Weihnachten unglaublich intensiv“, freut sie sich.

„Die Geschichten, die wir als Kirche zu erzählen haben, stärken uns, geben Resilienz. Darum lohnt es sich, sie immer wieder aufs Neue vorzutragen“, ist sie überzeugt. Und greift damit einen weiteren Aspekt auf: Die vielen Menschen, die nur zu besonderen Feiertagen in die Kirche kommen. „Ich bin froh, wenn sie wenigstens dann da sind“, sagt sie und ist überzeugt, dass die vielen „passiven Mitglieder“ auch sonst nicht ganz so fern sind. „Die wissen, dass wir da sind und nehmen es gerne mit, dass wir für sie mitbeten“, sagt sie. Im Übrigen lebe die Kirche ja auch von ihren Beiträgen.

Mit Gedanken an das Krippenspiel lenkt auch sie selbst ihre Aufmerksamkeit mal auf die Hirten, mal auf andere Protagonisten. „Dieses Jahr geht es einfach darum, die Stille zu genießen; einfach nur zu sein, ohne irgendetwas leisten zu müssen“, versetzt sie sich in den „holden Knaben im lockigen Haar“, der in der stillen, heiligen Nacht in der Krippe liegend gemütlich schläft. Ein kleines Baby, das zu diesem Zeitpunkt eher gestillt wird als selbst Wunder zu vollbringen.

Ganz so gemütlich dürften die Weihnachtsfeste im Hause Bartke nur streckenweise verlaufen sein. „Bescherung in einer Stunde, das haben wir immer wieder hingekriegt“, blickt sie zurück und lacht. Jetzt kämen die Kinder immer noch mit, während sie im Dienst ist. „Ich hätte auch Entzugserscheinungen, wenn ich Weihnachten weniger in der Kirche wäre“, sagt sie. In ein Loch falle sie regelmäßig nach den Feiertagen. „Da kommt dann eine Leere auf, aus der heraus ich mir wieder neue Ziele setze“, sagt sie.

Ein besonderer Geist

Pastor Klaus Fröhlich von der St.-Andreas-Gemeinde in Springe ist derweil seh froh, das Weihnachtsfest gemeinsam mit vielen Kollegen zu stemmen. Ihm ist das Fest nicht nur von Berufs wegen heilig: „Ich lasse mich jedes Malwieder anstecken von diesem besonderen Geist“, sagt er. Mit Lästereien über „U-Boot-Christen“, die nur zu diesen Gelegenheiten auftauchen, kann auch er nichts anfangen. „Ich liebe Weihnachten und falle abends nach der Christmette und einem Glas Wein dann immer redlich müde ins Bett.

Von Katharina Weißling

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