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Nachrichten Tierische Unterstützung fürs Wisentgehege aus der Landespolitik
Umland Springe Nachrichten Tierische Unterstützung fürs Wisentgehege aus der Landespolitik
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19:37 04.07.2018
Das Wisent am Eingang des Wisentgeheges: Laut Landesrechnungshof verschlingt der Park zu viele Steuergelder. SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin LIebelt findet das übertrieben.
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Die Forderungen hatten zu Aufruhr geführt: Unter dem Motto „Wisentlich zoo teuer“ hatte der Landesrechnungshof das Wisentgehege ins Visier genommen. Die Zuschüsse aus Steuergeldern seien mit rund 600 000 Euro im Jahr zu hoch, ein Gegensteuern nicht erkennbar, ein neuer Träger müsse her. Forstamtsdirektor Christian Boele-Keimer wünschte sich nach dem Bericht ein Bekenntnis der Politik zum Wisentgehege. Wir haben nachgehakt: Steht ihr zum Wisentgehege, liebe Landtagsfraktionen?

Für „etwas überzogen“ hält die heimische Landtagsabgeordnete Kerstin Liebelt (SPD) die Kritik des Rechnungshofs. Das Wisentgehege habe „auf dem freien Markt und ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand praktisch keine Überlebenschance“. Liebelt betont die Themen Artenschutz und Umweltbildung, mit denen auch Boele-Keimer die Aufgaben der Einrichtung unterstrichen hatte. Sie stehe bereits mit Wisentgehege-Leiter Thomas Hennig in Kontakt und will sich bei einem offiziellen Besuch genauer informieren.

CDU-Fraktionssprecher Marco Zacharias macht die Große Koalition im Landtag zu einer Großen Koalition für das Wisentgehege. Die Zuschüsse des Landes seien „angemessen und vertretbar“, urteilt Zacharias. Es sei „natürlich Aufgabe des Landesrechnungshofes, auf bestehende Defizite im Landeshaushalt hinzuweisen und Vorschläge zu unterbreiten, wie diesen begegnet werden kann“, sagt der Politiker. Soll heißen: Die machen doch auch nur ihren Job.

Die Politik aber, die setze Prioritäten – und genauso eine ist für ihn das Wisentgehege. Wie Liebelt verweist auch er auf „wenig Chancen“, die die Einrichtung womöglich auf dem freien Markt habe. Und auf den „Fortbestand von etwa 100 Wildarten in Niedersachsen“, um den man sich in Springe kümmere.

Seltene Einigkeit im Landtag

Dass sich im Landtag alle einig sind, Regierung und Opposition, ist zumindest öffentlich eher die Ausnahme als die Regel. Das Wisentgehege hat in diesem Fall aber durchaus eine einende Wirkung. So bescheinigt etwa die FDP-Abgeordnete Sylvia Bruns dem Tierpark, „seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit“ zu leisten – und folgert daraus: „Jeder dort investierte Euro ist gut angelegt, zumal es auch einem nicht unerheblichen Bildungsauftrag nachkommt.“ Der Kritik des Landesrechnungshofes könne sie sich „nicht anschließen“, betonte Bruns.

Eine Spur kritischer gehen die Grünen an die Sache heran. Zwar gibt es auch von ihnen viel Lob für das Wisentgehege und dessen rund 150 000 Besucher im Jahr, die Bildungs- und Zuchtarbeit. Trotzdem, so die agrarpolitische Sprecherin Miriam Staudte, erwarte man von CDU und SPD „weitere Effizienzsteigerungen und die Reduzierung des Zuschussbedarfs“. Staudte erinnert, man habe unter Rot-Grün den Zuschussbedarf zwischenzeitlich von 658 000 Euro (Jahr 2013) auf rund 400 000 Euro in den Jahren 2015 und 2016 senken können – „ohne Einschränkungen des Leistungsspektrums oder Kündigungen“. Gespart habe man im Bereich des Forstamts Saupark auch durch die Abschaffung der „kostenträchtigen Staatsjagden des Landes in Springe“.

Werde beim Wisentgehege der Zuschuss weiter gesenkt, dürfe dies nicht zulasten der Attraktivität für die Besucher, der Leistungen für den Erhalt des Wisents und des Bildungsauftrags gehen.

AfD will vollständige Streichung

„Wir erkennen den Beitrag des Wisentgeheges zu Artenschutz, Umweltbildung, Erholung und Wissenschaft“, sagt Peer Lilienthal, finanzpolitischer Sprecher der AfD. Trotzdem sei aus seiner Sicht eine zeitlich befristete Förderung maximal zur Gründung vertretbar. „Diese Phase hat das Wisentgehege längst verlassen.“ Das Land subventioniere jede Eintrittskarte mit mehr als 4 Euro – drehe man an dieser Schraube, werde das „einen Besucherrückgang nach sich ziehen“. Stattdessen sei also nun die Leitung des Geheges in der Pflicht. Statt wahllos Ausgaben zu streichen, brauche es ein Konzept, „das mittelfristig einen vollständigen Verzicht auf Zuschüsse ausweist“, so Lilienthal auf Anfrage.

Landesrechnungshof will neuen Träger

Nicht zum ersten Mal hat der Landesrechnungshof, eine vom Land unabhängige Kontrollbehörde, in diesem Jahr das Wisentgehege und dessen Finanzen unter die Lupe genommen. Die Kritik der Prüfer: das schwankende Minus von zuletzt rund 600 000 Euro im Jahr, das aus Steuergeldern ausgeglichen werden muss. Auch die Ausrichtung als Zoo passt dem Rechnungshof nicht. So konkurriere man teils mit landeseigenen, teils mit externen Anbietern. Da alle Versuche, das Defizit zu senken, gescheitert seien, müsse nun ein neuer Träger her. Die Landesforsten verweisen auf zwischenzeitliche Verbesserung der Zahlen, man sei auf einem guten Weg. Und man habe in den vergangenen Jahren mit dem Geld viel verändert, umgebaut, neue Räume und Angebote geschaffen. „Diese Investitionen tragen Früchte“, sagte Forstamtsdirektor Christian Boele-Keimer.

Von Christian Zett

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