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Umland Springe Nachrichten Springer setzen auf Pappe und Mehrweg
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00:31 01.06.2018
Schick: Kornelia Isleif-Larrabee mit Coffee-To-Go-Becher. Kunden, die sie nutzen, schonen die Umwelt und erhalten Rabatt.  Quelle: foto: Mischer
Springe

Um der Kunststoffflut in den Weltmeeren Herr zu werden, plant die EU strengere Regeln in Sachen Einweg-Plastik: Becher, Geschirr und andere Gebrauchsartikel sollen verboten werden. Auch heimische Naturschützer schlagen Alarm – und bitten die Händler darum, die umweltschädlichen Behälter bereits jetzt aus dem Sortiment zu nehmen. Andere gehen mit gutem Beispiel voran.

Oft fehlt der Hnweis auf den Bestandteil Kunststoff

„Jeder ist überall betroffen“, mahnt Rudolf Krause von der Springer Gruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Genau das sei aber vielen gar nicht bekannt. „Das liegt daran, dass auf vielen Produkten gar nicht auf Kunststoffe hingewiesen wird“, mahnt Krause. In den meisten Zahncremes etwa steckten Bestandteile aus Mikroplastik, die sich ebenfalls in den Ozeanen anreichern könnten. „Die Leute sind einfach überfordert“, fürchtet der passionierte Naturschützer. Und glaubt, dass die moderne Lebensweise einen achtbareren Umgang mit der Natur erschwere: „Es wird alles möglichst bequem gemacht, das macht eine Verhaltensänderung sehr sehr schwierig.“ Dennoch appelliert Krause an das Bewusstsein der Springer: „Es ist doch unsere Welt“, sagt er, Veränderungen begönnen im Kleinen, etwa bei den Mehrweg-Kaffeebechern, oder damit, auf Kaffeekapseln zu verzichten und stattdessen klassischen Filterkaffee zu benutzen.

Die EU-Kommission geht nun die die Offensive. Wie berichtet, soll Plastik-Geschirr komplett verboten werden. Begründet wird der Vorstoß hauptsächlich mit dem Schutz der Ozeane. Laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms von Ende 2014 gelangen jährlich rund 6,4 Millionen Tonnen Plastik-Abfälle in die Ozeane, dort bilden sie riesige Teppiche und gelangen in die Nahrungskette. Deshalb soll es unter anderem Kaffeebechern, Kaffeerührlöffeln und Plastiktüten an den Kragen gehen. Was sagen heimische Betriebe dazu?

Key Largo verkauft Produkte in Papiertüten

Beim Key Largo, Café in der Bahnhofstraße, ist man ohnehin bemüht, die eigenen Produkte möglichst kunststofffrei zu halten: Wer einen Donut oder Bagel kauft, bekommt die Leckereien in einer Papiertüte ausgehändigt. Und für den Kaffee zum Mitnehmen hat sich die Café-Betreiberin einen besonderen Clou einfallen lassen.

Etliche Kommunen haben, bereits weit bevor das EU-weite Verbot im Gespräch war, Einweg-Kaffee-Bechern den Kampf angesagt: entweder mit Verboten oder aber mit der Ausgabe von wiederverwertbaren Bechern, die etwa, wie in Hannover, mit einer schicken Stadtsilhouette verziert sind.

Während die Stadt in der Hinsicht nicht aktiv war, wird eine Unternehmerin aus und in Springe selbst aktiv: Seit knapp einem Jahr verkauft Key-Largo-Chefin Kornelia Isleif-Larrabee schicke und wiederverwertbare Coffee-To-Go-Becher. Wer sie kauft und seinen Kaffee in die modischen Tassen füllen lässt, die sogar einen Deckel haben, erhält Rabatt. Wer sich nicht dazu durchringen kann, bekommt einen Pappbecher, an dem nur der Deckel aus Kunststoff ist. „Ich habe dazu bislang noch keine Alternativen entdeckt“, sagt Isleif-Larrabee. Alles andere ist bei ihr kunststofffrei: Sogar die Kuchengabeln-To-Go und die Kaffeerührstäbchen sind bereits aus Holz.

Nur noch die Kaffeerührstäbchen aus Kunststoff

Bei Bäckermeister Hartmut Hakenbeck, der zweimal wöchentlich mit seinem Backwarenstand auf dem Wochenmarkt steht, sind – fast – nur noch die Kaffee-Rührstäbchen aus Kunststoff. Die sollen, geht es nach der EU-Kommission, ebenfalls verboten werden. „Dann nehme ich eben Holzlöffel“, sagt Hakenbeck. Umstellen müsste er sich also nicht großartig – immerhin achte er bereits jetzt darauf, dass möglichst wenig Kunststoff über die Ladentheke geht. „Die meisten Brote verkaufe ich in Papiertüten, darin sind sie auch haltbarer“, weiß er. Nur wenn ein Kunde ausdrücklich eine Kunststofftüte verlange, etwa, damit sich die Backwaren saftiger lagern lassen, packe er das Brot dort rein. Ansonsten setzt Hakenbeck auf Papiertüten. Die gibt es neuerdings auch bei der Calenberger Backstube.

Seit Anfang des Jahres gibt es bei der Backstube nur noch Papier-Tragetaschen, von den 30 Cent, die die Exemplare kosten, gehen sogar 15 Cent als direkte Spende an die „Kleinen Herzen Hannover“, berichtet Bäckermeister Kai Oppenborn. Ebenfalls seit Beginn des Jahres bietet das Unternehmen wiederverwertbare Coffee-To-Go-Becher aus Kunststoff an. Um einen zusätzlichen Anreiz für Kunden zu schaffen, sei die erste Füllung des Bechers mit Kaffee kostenlos. Allerdings sei die Nachfrage „sehr verhalten“. „Ich hätte gedacht, gerade vor dem Hintergrund der großen und teils emotionalen Diskussion um Müllvermeidung, dass die Becher besser angenommen würden.“

Von Ralf T. Mischer und Saskia Helmbrecht