Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Stadt will feste Blitzersäulen
Umland Springe Nachrichten Stadt will feste Blitzersäulen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 15.01.2018
Blitzersäule wie am Blumenauer Ortseingang sollen demnächst auch in Springe stehen. Unklar ist, für welches Modell sich die Stadt entscheidet. Quelle: Kathrin Götze
Springe

Ein Blitzer, rund 20 Mitarbeiter allein für die Bearbeitung der Raser-Fotos, knapp 7 Millionen Euro Einnahmen allein im Jahr 2016: Die Dimensionen des Blitzers am Bielefelder Berg auf der Autobahn 2 wird die Stadt Springe kaum erreichen. Trotzdem will auch sie jetzt ins Geschäft mit der Geschwindigkeit einsteigen: In diesem Jahr sollen zwei fest installierte Säulenblitzer angeschafft werden. Wo diese stehen sollen, ist noch offen.

Der Finanzausschuss billigte am Donnerstagabend ein von der Stadt kurzfristig vorgelegtes Konzept zur Geschwindigkeitsüberwachung. Es sieht vor, zwei sogenannte Blitzersäulen anzuschaffen, die an zwei noch ausgewählten Straßen stehen sollen. Dazu kommt ein Mess- und Blitzgerät, das abwechselnd in einer der beiden Säulen eingesetzt würde. Gesamtkosten: etwa 120 000 Euro.

Im abgelaufenen Jahr hatte die Stadt den Vertrag mit der Region gekündigt: Die hatte bis dahin die Überwachung übernommen und mit mobilen Blitzern etwa an Schulen, aber auch auf der B 217 gestanden. Der Haken: Die Stadt bekam von den Einnahmen nichts ab, weil die Region auf ihre eigenen Ausgaben verwies.

Das soll sich ändern – wie, darüber hatte die Stadt sich in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht. Ergebnis: Wenn die Verwaltung selbst blitzt, dann kommt aus ihrer Sicht nur eine stationäre Anlage infrage – also eine, die immer am gleichen Punkt steht. „Es gibt natürlich Modelle, die in beide Richtungen blitzen“, erklärt Ordnungsamts-Chef Werner Mosch.

Das Problem an einem mobilen Blitzer: Wenn ihn eine Kommune allein betreibt, kosten Fahrzeuge und Personal meist mehr, als durch die Raserfotos wieder reinkommt. „Wennigsen hat deshalb den Überwachungsbetrieb 2017 eingestellt“, sagt Mosch.

Bei der Auswahl des Systems werde „eine zumindest kostendeckende Lösung angestrebt“. Soll heißen: Die Stadt will beim Blitzen nicht draufzahlen. Aber wenn sie Geld verdient, ist es auch nicht schlimm. Dabei spielt natürlich auch die Auswahl der Messorte eine Rolle: Die stehen laut Stadt noch nicht fest – konkrete Vorstellungen habe man ebenfalls nicht, betont Vize-Rathauschef Clemens Gebauer. Grundsätzlich darf die Stadt nicht nur auf ihren eigenen Straßen blitzen, sondern überall im Stadtgebiet – also auch auf der B 217 und auf den Landesstraßen.

Frei aussuchen darf sie sich die Standorte der Säulen aber nicht: Eine Richtlinie des Landes gibt vor, dass es sich um Unfallschwerpunkte oder Gefahrenpunkte handeln muss, „an denen wiederholt wichtige Verkehrsregeln missachtet werden und die nicht durch verkehrstechnische Vorkehrungen zu entschärfen sind“. Dabei spielen auch Empfehlungen der Verkehrssicherheitskommissionen aus Land, Kommunen und Polizei eine Rolle. Im Konzept heißt es allerdings, eine Blitzersäule, die in beide Richtungen überwachen kann, sei „besonders interessant an Standorten wie Wülfinghausen, wo die Höchstgeschwindigkeit in beiden Fahrtrichtungen erheblich überschritten wird“.

Wenn Verwaltungsausschuss und Rat dem Beschluss des Finanzausschusses folgen, will sich die Stadt an die Anschaffung der Blitzgeräte machen. Mosch betont, bislang stehe noch nicht fest, welche Art Säule gekauft werden solle: „Es sind mehrere Systeme am Markt, die in Technik und Funktionalität ähnlich sind.“

Im Konzept heißt es, die Anschaffung der Blitzersäulen sei eine „Test- und erste Beschaffungsphase“ – gut möglich also, dass die Stadt ihr Kontingent später noch mal aufstockt: „Im weiteren Ausbau des Überwachungssystems können weitere günstige Blitzersäulen und auch autonome Blitzanhänger beschafft werden“, schreibt Mosch. Auch die SPD-Ratsfraktion hatte schon 2014 vergeblich einen Antrag gestellt, der die Anschaffung von neun festen und einem mobilen Blitzer vorsah. Mögliche Überwachungspunkte: die Ortseinfahrten in Bennigsen, Eldagsen und Gestorf, die Ortseinfahrt in Springe aus Richtung Eldagsen, die Ortsdurchfahrt Völksen sowie die B 217 bei Völksen.

 

 

 

Von Christian Zett