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Nachrichten Tagespflege wird neu aufgestellt
Umland Springe Nachrichten Tagespflege wird neu aufgestellt
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19:31 30.08.2018
Viele Tagesmütter betreuen mehrere Kinder – zu flexiblen Betreuungszeiten. Wie viel das die Eltern jeweils kostet, soll frei verhandelt werden können, fordern die Tagesmütter in Springe. Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa
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Es ist nur ein Mosaikstein in der Betreuungslandschaft – aber angesichts fehlender Kita-Plätze wird er zunehmend wichtig. Die Politik hat die Betreuung durch Tagesmütter, oder wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, Tagespflegepersonen, auf neue Füße gestellt. Der Sozialausschuss hat die neue Satzung bei einer Enthaltung auf den Weg gebracht, doch zuvor wurde kontrovers diskutiert.

Drei Tagesmütter aus Völksen hatten sich vorab kritisch mit der neuen Satzung auseinandergesetzt. Zwar sehen sie in der neuen Satzung einen „großen Fortschritt“ gegenüber der Variante, die die Verwaltung im Mai vorgelegt hatte. Allerdings wünschten sich die Frauen, dass in der Satzung ausdrücklich festgelegt ist, dass sie die Honorare mit den Eltern frei verhandeln dürfen: „Wir bieten flexible Betreuungszeiten – und das sollte sich auch im Honorar bemerkbar machen“, meinte eine Tagesmutter aus Bennigsen.

Beim Thema Honorar hat sich jetzt nichts geändert

Fachbereichsleiterin Hanna Kahle stellte indes klar, dass sich beim Thema Honorare im Vergleich zu jetzt nichts ändere: Der in einer vorherigen Satzungsversion enthaltene Passus, dass keine Zusatzentgelte mit Eltern ausgehandelt würden, ist in der verabschiedeten Version gestrichen worden. „Was wir aber nicht wollen, ist, dass die Honorare so hoch werden, dass die Eltern sagen können, dass sie sich die Betreuung nicht leisten können.“

Generell sollten Eltern, die ihr Kind zur Kita schicken und solche, die ihr Kind von einer Tagesmutter betreuen lassen, gleich behandelt werden, betonte Kahle. Simone Oertel genannt Bierbach von der SPD sah die Gefahr, dass genau das durch die Honorarfreiheit der Tagesmütter aber schwierig wird. „Kann man den Honorarsatz deckeln?“, wollte sie wissen. Das sei nicht möglich, antwortete Kahle, „weil sie ja selbstständig sind“.

Ein anderes Thema brachten die Tagesmütter selbst aufs Tapet: Nämlich einen Zeitausgleich für den Fall, dass Tagesmütter eine Fortbildung besuchen. „Das ist in der Satzung nicht vorgesehen“, sagte Kahle. Vorgesehen ist indes, dass sie während der Dauer einer Fortbildung weiterhin Lohn erhalten. Einen Zeitausgleich soll es jedoch nicht geben. „Dafür haben Sie ja schon die Fortbildung“, argumentierte Ausschuss-Chef Bastian Reinhardt (SPD).

Jetzt 25 Tage Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

 In der Satzung ist geregelt, wer Tagesmütter vermittelt, wer ihre Arbeit in Anspruch nehmen darf – und wie viel Geld sie dafür erhalten. Ein Satzungs-Entwurf aus dem Mai war bei Tagesmüttern in die Kritik geraten: Sie hatten bemängelt, dass sie nach dem damaligen Reform-Entwurf schlechter gestellt seien. Ihnen stünden nur 20 Tage Lohnfortzahlung während eines Urlaubs zu – wenn sie nicht krank werden. Vor der Reform erhielten sie während eines Urlaubs 20 Tage lang Geld – und 20 weitere während einer Krankheit.

Darum hat sich die Verwaltung an eine Reform der Reform gemacht: Vorab hatte Fachbereichschefin Hanna Kahle die Region gebeten, sich die Satzung anzuschauen. Die hat sie auf Herz und Nieren geprüft. Und die Stadt hat daraufhin etliche Passagen gestrichen. Mit Blick auf die Kritik der Tagesmütter gewährt sie nun 25 Tage Lohnfortzahlung – im Fall von Urlaub und oder Krankheit. Kahle sieht Springe damit gut aufgestellt: „In der Region gibt es auch Kommunen, die gar keine Lohnfortzahlung anbieten.“ 

Von Ralf T. Mischer

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