Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Fahrradpendler kritisiert ungeschützte Abstellplätze
Umland Springe Nachrichten Fahrradpendler kritisiert ungeschützte Abstellplätze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:39 20.01.2019
Zu hoch: Jan Ricker steht unterm Dach am Bahnhof, das die Fahrräder nicht vor Nässe schützt.  Quelle: FOTO
Springe

Alles Gute kommt von oben – es sei denn, es ist nass. Um zu verhindern, nach dem Regen wie ein gebadeter Pudel auszusehen, erfand der Mensch das Dach. Am Bahnhof Springe kann es allerdings nicht zuverlässig vor dem nassen Element schützen, sagt Jan Ricker. Er wünscht sich, dass die Bahn die ärgerliche Situation rasch ändert.

Ricker fährt täglich mit dem Fahrrad zum Bahnhof und mit der Bahn dann weiter zur Arbeit „und zwar bei jedem Wetter“. Sich selbst kann er mit einem speziellen Regenponcho schützen, das Rad stellt er unters Bahnhofsdach – wo es ungeschützt ist. Unterm Dach werde es nämlich auch nass, wenn es schneit oder regnet und dazu noch windig sei. Die Räder, die nahe der Dachkante stehen, würden immer nass. Dabei will Ricker nicht einfach nur meckern – sondern fragt sich, was passieren müsste, damit das Dach tatsächlich trocken hielte.

Um die Frage zu klären, müsste zunächst festgestellt werden, wem das Gelände denn überhaupt gehört. Laut Bürgermeister-Vertreter Clemens Gebauer ist das Gelände inklusive des Bahnhofsvordachs im Eigentum der Deutschen Bahn. Und auch Regionssprecher Klaus Abelmann geht davon aus, dass sich Dach und Gelände in Besitz der Bahn befinden. Nur die Bahn konnte diese Frage bis Freitagabend nicht abschließend klären – und weiß somit auch nicht, ob sie das hohe Dach eventuell so umgestalten kann, dass Räder darunter künftig nicht mehr nass werden.

Architekt plante das Dach

Regionssprecher Abelmann hingegen weiß mehr. Seinen Informationen zufolge war die Deutsche Bahn im Expo-Jahr 2000 Bauherrin der Radeparkplätze und des Daches, sie habe „einen Architekten mit der Planung beauftragt“. Finanziert worden seien die Fahrradabstellplätze allerdings vom Kommunalverband Großraum Hannover, der heute Region Hannover heißt. Die Architekten, die von der Bahn beauftragt wurden, wiederum haben ein Urheberrecht auf das nach DB-Plänen gefertigte Dach nebst Fahrradbügel – will man auch nur Kleinigkeiten, etwa das Dach, ändern, müssten sie im Zweifelsfall vorher zustimmen.

Ein Grund nachzufragen böte sich womöglich rascher, als man denken würde: Immerhin will die Region die Zahl der Bike-and-Ride-Stellplätze am Springer Bahnhof erweitern. Bislang gibt es davon 238   Stück, diese Zahl soll jedoch deutlich erhöht werden. Abelmann: „Grundsätzlich sehen wir am Bahnhof Springe Bedarf, die Bike-and-Ride-Anlagen zu erweitern.“ Dabei würde das Anliegen mit einer Dringlichkeit der höchsten Kategorie eingestuft.

Konkrete Planungen gebe es derzeit aber noch nicht. Abelmann: „Eine Idee ist der Austausch der vorhandenen Bügel gegen Doppelstockparker, um die Kapazitäten zu erhöhen. Luft nach oben ist ja.“ Rechnerisch würde sich die Anzahl der unter dem Dach befindlichen Parkplätze dadurch erhöhen. Trocken würden sie dadurch aber noch nicht.

Ob sich die neuen Doppelstockparker mit einem separaten, trockenen Dach ausstatten ließen und ob dafür vorher der Architekt zustimmen müsste, ist unklar. Also müsste doch die Bahn tätig werden – und zunächst herausfinden, ob ihr das Dach nebst dem Grundstück darunter gehört.

Von Ralf T. Mischer