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Umland Springe Nachrichten Springe wird zur Hauptstadt der Wisentwelt
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19:02 16.09.2018
Den Tieren ganz nah: Der dreijährige Tom füttert das Rentier mit einem Grashalm. Quelle: Anne Brinkmann-THies
Alvesrode

„Einen schöneren Ort, um Geburtstag zu feiern, kann ich mir heute nicht vorstellen“: Mit diesen Worten hat Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast zum 90-jährigen Bestehen des Wisentgeheges gratuliert. Sie begrüßte die Festbesucher am Sonnabendvormittag auf dem Flugplatz des Falkenhofs zum Auftakt einer zweitägigen Geburtstagsparty mit zahlreichen Attraktionen.

Sakerfalken und Weißkopfadler ließ das Team um Falkner Rouven Polep in die Luft steigen – im Wechsel mit den Beiträgen der Gratulanten. Nach der Eröffnung des Festes durch den Präsidenten der Landesforsten, Dr. Klaus Merker, erinnerte Ministerin Otte-Kinast an die erfolgreiche Geschichte des Geheges, das dank der konsequenten Weiterentwicklung der Zucht Springe „zur Hauptstadt der Wisentwelt“ habe werden lassen. Darüber hinaus setze sich das Gehege dafür ein, die Umwelt nachhaltig zu gestalten. Und helfe zudem mit seinem Wolfsprojekt, die Diskussion rund um den Wolf auf eine sachliche Ebene zurückzuführen.

Wolfsprojekt wird gelobt

Er sei stolz auf das Wisentgehege, es sei ein fester Bestandteil Springes, betonte Bürgermeister Christian Springfeld. Mit Blick auf die Kritik des Landesrechnungshofs, der Tierpark sei zu teuer, sagte er: „Das Wisentgehege ist jeden Cent wert.“ Und fügte hinzu: „Nehmen Sie das bitte mit nach Hannover, Frau Ministerin.“

Christian Boele-Keimer, Leiter des Forstamts Saupark, dankte neben einem großen und engagierten Förderverein vor allem auch den Mitarbeitern des Geheges, allen voran Thomas Hennig. Er ist dort seit genau 15 Jahren der Chef. Das Gehege sei nicht nur für den weltweiten Bestand der Wisente maßgeblich und zudem Keimzelle für viele andere Tierarten, es sei – mit jährlich rund 170 000 Gästen – auch ein Besuchermagnet.

Das zeigte sich auch bei der zweitägigen Geburtstagsparty, ein Höhepunkt des 90-tägigen Aktionszeitraums des Tierparks zu seinem Geburtstag. So waren viele kleine und große gut gelaunte Gäste auch aus nah und fern nach Springe gekommen, um an den vielfältigen Aktionen teilzunehmen.

Rentiere streicheln ist ausdrücklich erlaubt

Wie etwa Bastian Brunholz, der mit seinen Töchtern Emma und Lina aus Göttingen an den Deister gekommen war. Begeistert bauten die Sechs- und die Zehnjährige am Stand des Springer Nabu Nistkästen für den heimischen Garten. „Streicheln erlaubt“ lautete das Motto im Rentiercamp: Der einjährige Valentin probierte an der Hand seines Vaters Thomas Pinkoski, den Hirschen aus dem hohen Norden das Fell zu kraulen. Die beiden waren aus Wennigsen in den Tierpark gekommen. Und haben damit eine ganz eigene Familientradition fortgesetzt. Denn er selbst sei auch als Kind oft im Wisentgehege gewesen, berichtete Pinkoski.

Viele Aktionen lockten zum Mitmachen und Ausprobieren. So luden die Mitglieder des VfV Concordia Alvesrode die Besucher ein, sich im Bogenschießen zu versuchen. Wer fantasievoll geschminkt durch das Gehege streifen wollte, konnte sich bei den Helfern der Freilichtbühne Osterwald schminken lassen. Pure Entspannung gab es beim Waldbaden. Dafür hatte die Biologin Ines Wegener Sitzkissen und Hängematten für jene platziert, die einmal die Seele baumeln lassen wollten. „In Japan ist das Waldbaden schon fester Bestandteil des Gesundheitsprogramms, nun hält es auch in Deutschland Einzug“, erklärte Wegener und schwärmte von den vielen positiven Effekten durch einen bewussten Aufenthalt und sanften Aktivitäten wie etwa das Meditieren im Wald.

Neben Unterhaltung durch musikalische Beiträge von Kinderwaldchor und Quilisma Kinderchor konnten die Besucher bei kurzen Vorträgen zu Waschbären, Fischottern, Braunbären und Wildkatzen viel Wissenswertes lernen. Mit einem Stempelpass waren Kinder an unterschiedlichen Rätselstationen unterwegs, die von Mitgliedern des Freundeskreises des Wisentgeheges betreut wurden. Dabei begegneten sie auch ganz unerwartet Clown Bernie, der zwischen seinen Aufführungen an der Köhlerhütte mit seinem Steckenpferd unterwegs war.

Von Anne Brinkmann-Thies