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Nachrichten Ärzte begrüßen Idee eines Gesundheitshauses
Umland Springe Nachrichten Ärzte begrüßen Idee eines Gesundheitshauses
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19:38 28.06.2018
Wäre die bisherige Notfallambulanz der richtige Standort für ein Gesundheitshaus? Quelle: Foto: Mischer
Springe

Nicht nur bei den Ratspolitikern, auch bei den Ärzten war die Schließung der Notfallambulanz zum Ende des Jahres keine Überraschung. Aber wie steht es jetzt um die Gesundheitsversorgung in Springe? Viele Ärzte begrüßen die Pläne von Bürgermeister Christian Springfeld, in Springe ein Gesundheitshaus einzurichten.

„Grundsätzlich ist das sehr interessant“, sagt Dr. med. Frank Albrecht. Die Notfallambulanz sei aus seiner Sicht „entbehrlich“, die Versorgungsqualität sei schlecht gewesen, viele Patienten seien ohnehin nach Gehrden verlegt worden, berichtet der Facharzt für Allgemeinmedizin. Und: Es gibt immer noch den kassenärztlichen Bereitschaftsnotdienst, der die medizinische Versorgung 24 Stunden an sieben Tagen der Woche sogar zu Hause sicherstellt.

Einen Umzug in ein neues Gesundheitshaus könne er sich aber eher nicht vorstellen. Offen sei auch die Frage, ob in einem medizinischen Versorgungszentrum die Ärzte angestellt werden oder in Einzelpraxen weiter arbeiten können. Unterversorgt sei Springe nicht – „vieles ist wünschenswert, aber alle müssen sehen, was wirtschaftlich sinnvoll ist“. Und immerhin liege das Klinikum in Gehrden nun nicht Hunderte Kilometer weit entfernt, so Albrecht.

Die Idee an sich, ein Gesundheitshaus zu schaffen, sei nicht schlecht, sagt Physiotherapeut Robert Wolter. „Die Wege werden kürzer, gerade für die vielen älteren Patienten ist das sinnvoll.“ Für ihn selbst komme ein Umzug aber nicht infrage, er ist selbst erst seit etwa einem halben Jahr in der Praxis Hinter der Burg.

Anders sieht das eine Ärztin, die nicht namentlich in der Zeitung genannt werden möchte und auf einen laufenden Mietvertrag verweist. Sie könne sich langfristig durchaus vorstellen, in das Gesundheitshaus zu ziehen, wenn der Standort zentral in Springe sei. Aber: Vorher müsse das erst einmal alles geplant werden.

Das Problem, dass viele Mediziner in Springe älter werden, kennt auch Dr. med. Ulrich Schnapperelle, der ebenfalls vergeblich nach einem Nachfolger für seine Praxis sucht. „Eigentlich würde in Springe nur ein medizinisches Versorgungszentrum funktionieren“, ist er überzeugt. Zahlreiche Frauen würden in den kommenden Jahren mit ihrer Ausbildung fertig werden. „Und viele von ihnen wollen ein festes Gehalt und Teilzeit arbeiten, in einer eigenen Praxis geht das eher nicht."

Daher gehe der Trend auch in vielen anderen Kommunen in Richtung eines Zentrums mit Angestellten. Die Frage ist dann nur: Wer betreibt das Zentrum? Zudem müsse der Betreiber die Einrichtung des Hauses zahlen, um so bereits niedergelassene Ärzte anzulocken. Schließlich seien die Mediziner in ihren Praxen bereits voll ausgestattet.

Ein Vorteil für einige seiner Kollegen könnte es aber sein, in ein barrierefreies Haus umzuziehen. In Büsum etwa habe die Kommune ein Ärztezentrum entwickeln können, die Praxen gehören dort einer hundertprozentigen Tochter der Gemeinde – und das sei bundesweit einmalig. „Das ist sehr attraktiv“, sagt der 69-Jährige. „Ich glaube aber, es scheitert daran, dass keiner Geld in die Hand nehmen wird."

Er bleibt trotzdem optimistisch. Die Notfallambulanz sei ohnehin nur ein „Trostpflaster“ gewesen, „sehr ärgerlich ist es jetzt, dass das Klinikum das Haus nicht freigibt. Fürchten sie Konkurrenz mit Gehrden?“

Von Saskia Helmbrecht