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Springe Springes letzte Videothek schließt
Umland Springe Springes letzte Videothek schließt
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19:32 25.07.2018
Andreas Isleif wird sein Geschäft an der Völksener Straße Ende August endgültig schließen.
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Springe

Andreas Isleif legt den Spielecontroller nieder: Der Inhaber von Bulldog Games an der Völksener Straße schließt ab Freitag seine Türen. 23 Jahre lang hat Isleif in seinem Geschäft neben der Shell-Tankstelle DVDs und Spiele verkauft. „Wir sind ein Opfer der Digitalisierung geworden“, sagt Isleif. Kleine Mediatheken hätten kaum noch eine Überlebenschance gegen Netflix, Amazon Prime und Co. Immer mehr Film-Fans nutzten die Streamingdienste oder kauften ihre DVD online. „Jetzt muss ich die Notbremse ziehen, es tut mir sehr leid um meine Stammkunden und ich finde es schade für Springe“, sagt der Inhaber.

Ausverkauf im August

Ab Freitag ist das Geschäft erst einmal geschlossen. Vom 9. bis 11., 16. bis 18. und 23. bis 25. August will Isleif die restlichen Spiele und Filme verkaufen. Ab dem 31. August ist der Laden dann komplett dicht. Was ihn ärgert: Viele Springer hätten seine Beratung in Anspruch genommen, anschließend aber im Internet eingekauft. „Das hat in den vergangenen drei bis vier Jahren extrem zugenommen und das stößt mir auch böse auf", sagt der 51-Jährige. Es sei ein Trugschluss, dass der Fachhandel teurer sei als der Internetkauf. Aber viele würden sich aus Bequemlichkeit die DVD lieber online bestellen. Von der Beratung alleine verdiene er aber kein Geld.“ Die Schließung ist schon länger in meinem Kopf gegeistert, im vergangenen halben Jahr habe ich gemerkt, dass es einfach keinen Sinn mehr hat.“ Gerade einmal fünf Kunden seien am Tag gekommen – davon könne der Geschäftsmann nicht leben.

Traurig über die Schließung des Multimedia-Geschäfts ist er trotzdem. „Wir haben hier ganz klein angefangen und uns immer erweitert. Viele Kunden sind mit uns groß geworden und von Anfang an dabei gewesen. Ich kenne alle Kunden persönlich“, sagt Isleif.

Zahlreiche Veranstaltungen hat er, der auch noch seit 20 Jahren Jugendleiter in Springe ist, auf die Beine gestellt: Die größte PC-Netzwerk-Party habe er mit 1000 Spielern noch in der abgebrannten Bison-Halle gefeiert. Auch die LAN-Partys im Jugendzentrum hat er organisiert. „Die waren vor allem gefragt, weil es damals noch kein schnelles Internet gab, heute ist das nicht mehr so gefragt“, erzählt der 51-Jährige.

Als Jugendleiter will er aber weiterhin Ferienaktionen, wie etwa Tabletop, anbieten. „Nur das Ladenlokal war einfach nicht mehr zu halten.“ Ein Umzug käme für ihn nicht infrage: Der Standort in der Nähe des Einkaufszentrums sei optimal gewesen. „In der Innenstadt hätte ich mein Geschäft schon längst zumachen müssen", sagt er. Er wolle niemandem den „Schwarzen Peter" zuschieben, betont Isleif. „Das Kaufverhalten hat sich einfach geändert, nur irgendwann wird sich das rächen, wenn es keine Geschäfte mehr in der Stadt gibt und die Stadt ausstirbt.“ Er könne sich nicht vorstellen, welche Händler sich noch in Springe ansiedeln könnten, die überhaupt noch eine Überlebenschance hätten. „Für Springe ist das sehr traurig“, sagt er.

Kündigung für Mitarbeiter

Seinen Auszubildenden habe er entlassen müssen, auch seinen vier Aushilfen hat er gekündigt. „Das war mal eine ganz andere Zeit hier“, sagt er rückblickend. Das Gewerbe hat der 51-Jährige nicht abgemeldet. Er hofft, im Herbst eine Internetseite aufzubauen, auf der er die Waren verkauft. Über Facebook will er seine Stammkunden über dieses Vorhaben auf dem Laufenden halten. Isleif ist Mieter des Gebäudes neben der Tankstelle. Was mit den Räumen nach der Schließung passieren soll, ist noch unklar.

Von Saskia Helmbrecht

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