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Springe Landesrechnungshof kritisiert Wisentgehege
Umland Springe Landesrechnungshof kritisiert Wisentgehege
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00:32 09.06.2018
Mit Wisenten begann die Geschichte des Wisentgeheges. Quelle: Foto: Hennig
Springe

Das Wisentgehege ist für Springe ein Standortfaktor, ein Besuchermagnet. Allerdings einer, dessen jährliches Minus von zuletzt gut 600 000 Euro die Steuerzahler teuer finanzieren, kritisiert dagegen der Landesrechnungshof: Im am Mittwoch vorgelegten Jahresbericht bilanzieren die Experten, alle Versuche, das Defizit zu senken, seien gescheitert. Ein neuer Träger müsse her – und deutlich geringere Zuschüsse. Bei den Landesforsten sieht man das naturgemäß etwas anders.

„Wisentlich zoo teuer“ – mit diesem etwas verquasten Wortspiel überschreibt der Landesrechnungshof seine seitenlange Abrechnung mit dem Wisentgehege. Die Fachleute haben den 1928 eröffneten Tierpark mit seinen rund 100 Tierarten auf 90 Hektar nicht zum ersten Mal im Visier: 2001 kritisierten die Prüfer schon einen Zuschussbedarf von damals einer Million DM und „Mängel in der Betriebsführung“. Zusammen mit Landtag und zuständigem Landwirtschaftsministerium entstand damals ein Betriebskonzept, das mittelfristig eine ausgeglichene Bilanz vorsah

„Defizit nach wie vor hoch“

Bei einer weiteren Prüfung 2007 stellte der Rechnungshof zwar eine vorübergehende Senkung des Zuschussbedarfs fest – doch alle verfügbaren Planungsunterlagen hätten keine Aussagen dazu enthalten, „wann und wie das langfristige Ziel der Kostendeckung erreicht werden könne“. Im 2010 entstandenen „Businessplan Wisentgehege“ war dann mittelfristig auch nur noch von einer Senkung des Zuschussbedarfs auf 200 000 Euro die Rede.

Seit 2017 prüfte der Rechnungshof, der in Hildesheim sitzt, dann erneut die Bücher der vergangenen Jahre. Ergebnis: Das Defizit sei nach wie vor hoch – und Ziele oder Vorschläge des Wisentgeheges, die Bilanz zu verbessern, gebe es nicht. Trotz Aufforderung des zuständigen Landtagsausschusses sei eine Übertragung an einen neuen Träger nicht geprüft worden.

Die Landesforsten kommen in dem Bericht ebenfalls zu Wort: Aus deren Sicht zeige die Bilanz von 2013 bis 2016, dass man mit funktionierenden Instrumenten auf einem guten Weg sei – auch durch den Businessplan, der in diesem Jahr für die nächsten fünf Jahre fortgeschrieben werden soll. Der Zuschussbedarf sei aber mit Blick auf Bildungsauftrag und Rahmenbedingungen „nicht unangemessen“.

Wie man bei den Landesforsten darauf komme, dass die Zahlen der vergangen Jahre Anlass für eine funktionierende Planung geben, „erschließt sich dem Landesrechnungshof zudem nicht“, steht dagegen in dem Bericht. Die Prüfer betonen, das Ergebnis lasse sich auch über zusätzliche Besucher nicht verbessern: Das Defizit sei völlig losgelöst mit den entsprechenden Zahlen gesunken oder gestiegen.

Auch wenn das Wisentgehege faktisch als Zoo genehmigt sei, dürfe man nicht „auf eine vom Land staatlich zu fördernde Aufgabe (...) schließen“. Man konkurriere von Springe aus nicht nur innerhalb der Landesforsten mit dem Wildpark Neuhaus, sondern auch mit „nichtstaatlichen Mitbewerbern“. Der Landesrechnungshof hält es „für weiterhin geboten, dass die NLF einen anderen Träger für das Wisentgehege sucht“ – und den Tierpark auf einen maximalen Zuschuss von 200 000 Euro im Jahr zurückfährt.

Vor Ort spricht Christian Boele-Keimer für die Landesforsten: Er ist Direktor des Forstamts Saupark in Springe – und äußert sich erst einmal diplomatisch: „Es ist die Aufgabe des Landesrechnungshofs, auch unser Handeln zu prüfen.“ In den drei Jahren seiner Tätigkeit habe er die Mitarbeiter als äußert engagiert erlebt, sie leisteten eine hervorragende Arbeit.

Die Einschätzungen der Prüfer, die teilt er nicht. Boele-Keimer verweist auf die Verbesserungen, die mit den Zuschüssen einhergingen. „Wir sind in den vergangenen Jahren deutlich attraktiver geworden“: neue Gebäude, neue Tiere, neue Räume fürs Café Wild. „Diese Investitionen tragen Früchte“, ist Boele-Keimer überzeugt. Aus seiner Sicht sei die Bilanz „untrennbar mit den Besucherzahlen verbunden“ – steigere man so doch die Einnahmen.

Die einst erhobene Forderung an das Wisentgehege, sich komplett selbst zu tragen, hält er für schwierig: Eine solche Einrichtung müsse – ähnliche wie andere öffentlich getragene Betriebe – nicht unbedingt eine schwarze Null schreiben: „Wir wollen aber einen sorgsamen Umgang mit öffentlichen Geldern gewährleisten.“

Einen Trägerwechsel, den der Landesrechnungshof schon lange fordere, halte er für schwierig: „Ich glaube nicht, dass man einen defizitären Betrieb einfach an den Markt bringen kann.“ Er sieht nun die Landespolitik am Zug, sich in ihrer Bewertung des Berichts zum Wisentgehege zu bekennen. „Das, was wir verbessern können, wollen wir auch verbessern.“

 

Von Christian Zett