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Springe Politik und Regiobus bekommen böse Post aus Springe
Umland Springe Politik und Regiobus bekommen böse Post aus Springe
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19:57 06.09.2018
Wird der Schriftzug bald ganz aus Eldagsen verschwinden? Noch ist keine Entscheidung gefallen. Quelle: Moritz Frankenberg
Eldagsen

Die Wut wächst – der Widerstand formiert sich: Stadt und Politik in Springe organisieren sich im Versuch, den Regiobus-Betriebshof in Eldagsen zu erhalten. Die Große Koalition in der Regionsversammlung betont, man habe sich noch nicht festgelegt.

CDU-Regionsfraktionschef Bernward Schlossarek sieht zunächst Regiobus in der Pflicht: Das Unternehmen und dessen Aufsichtsrat müssten darlegen, wo man hinwolle und was man dafür benötige. Die wirtschaftliche Lage bei Regiobus mache aber grundsätzlich klar, „dass es Handlungsbedarf gibt“. Die Vorwürfe, auch bei diesem Thema sei Springe besonders getroffen, weist Schlossarek für die CDU zurück: Man habe sich damals – noch in der Opposition – „massiv für den Krankenhaus-Standort eingesetzt“. Dass die Situation für Springe insgesamt misslich sei, verstehe er: „Das tut mir wirklich leid.“ Eine Entscheidung sei aber in der Fraktion noch nicht gefallen, betont Schlossarek – wenn er auch einschränkt: „Es müsste gute Gründe geben, wenn wir ins operative Geschäft von Regiobus eingreifen würden.“

SPD will Netzbetrieb nicht an privaten Anbieter verlieren

Für die SPD betont Fraktionschefin Silke Gardlo, man brauche weitere Informationen, um sich festzulegen. Für ihre Fraktion sei es ein zentrales Anliegen, dass Regiobus den Netzbetrieb nicht an einen privaten Anbieter verliere. Die aktuelle Debatte sei dazu nur ein Baustein. Sie könne zwar die Aufregung in Springe verstehen – dass die Region die Stadt in Randlage schlechter behandle, sieht Gardlo aber nicht: „Springe wird von uns sehr positiv begleitet“ – unter anderem beim Berufsschulstandort, der für mehrere Millionen Euro eine neue Sporthalle bekommt, aber auch bei der Wirtschaftsförderung.

Unterdessen haben sich SPD und CDU im Rat mit ihrem Anliegen am Donnerstag gleich nach weit oben orientiert – in einem offenen Brief, der unter anderem an Ministerpräsident Stephan Weil ging. Kern der Kritik: Der Rand der Region – und hier speziell Springe – werde weiter abgehängt, der Frust der Menschen auch gegenüber der Politik steige. Das Schreiben ging per Mail auch an die heimischen Bundestags- und Landtagsabgeordneten, an die Regionsversammlung samt Regionspräsident Hauke Jagau und an den Regiobus-Aufsichtsrat, der sich aktuell mit der per Gutachten empfohlenen Schließung der Standorte Eldagsen und Wunstorf befasst.

Schock für die Bevölkerung

Die Rasfraktionschefs Wilfried Nikolay und Bastian Reinhardt erinnern an die Schließung des Krankenhauses – und die bislang wenig ertragreiche Bemühung um eine Nachfolgenutzung, „da scheinbar nur wenig konstruktiv versucht wird, dieses Problem anzugehen“. Das mögliche Aus für Regiobus in Eldagsen sei „der nächste Schock für die Bevölkerung – der nur bedingt nachvollziehbar ist“. Erneut solle eine wichtige Einrichtung aus dem Stadtgebiet näher in Richtung Regionsmitte verlagert werden. Nikolay und Reinhardt erinnern auch an die Ausdünnung der Buslinienpläne, an die neu beschlossenen Windkraftflächen: „Sollen also die Randgemeinden nur noch Zulieferer für (...) Hannover und die näheren Anrainer sein, ohne selber den Ausbau von Infrastruktur in vergleichbarer Form zu erfahren?“ Den gut 190 Mitarbeitern in Eldagsen drohten Umzüge, schlimmstenfalls der Verlust des Arbeitsplatzes.

Den offenen Brief finden Sie in vollständiger Länge im Internet unter haz.de/stellungnahme

Von Christian Zett