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Springe Landesarmutskonferenz: Ratsherr will bezahlbare Wohnungen
Umland Springe Landesarmutskonferenz: Ratsherr will bezahlbare Wohnungen
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19:57 10.01.2019
Klaus-Dieter Gleitze setzt sich für den Sozialwohnungsbau ein. Quelle: Foto
Springe/Hannover

Wenn in diesen Tagen in Hannover die Landesarmutskonferenz Niedersachsen zusammenkommt, nimmt auch ein Ratsherr aus Springe an der Sitzung teil. Udo Selent (Linke) ist seit zwei Jahren Mitglied des Gremiums. Wichtigstes Thema der Konferenz sind aktuell die hohen Mietpreise – und wie die Öffentlichkeit auf dieses Problem aufmerksam gemacht wird.

Udo Selent ist in seiner Funktion als Mitglied der Gruppe „Gnadenlos gerecht“ bei der Landesarmutskonferenz dabei. In der vor zwei Jahren gegründeten Gruppe organisieren sich Hartz-IV-Empfänger, Langzeitarbeitslose, prekär Beschäftigte und Rentner, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Selent war Gründungsmitglied. Seit 1,5 Jahren bezieht er selbst Hartz IV. Wenn er über die Probleme auf dem Wohnungsmarkt für Bezieher geringer Einkommen spricht, dann spricht er also aus eigener Erfahrung: „Das Jobcenter hat mich dazu aufgefordert, eine günstigere Wohnung anzumieten – es gab aber in Springe einfach keine“, sagt er. Nach einer monatelangen Diskussion mit der Behörde habe diese schließlich auch eingesehen, dass die Zahl der günstigen Wohnungen in Springe begrenzt sei, sagt Selent – und er durfte schließlich in seiner bisherigen wohnen bleiben.

Klaus-Dieter Gleitze: Thema Wohnungslosigkeit ansprechen

Dass derlei Konflikte mit dem Jobcenter nicht immer so glimpflich ausgehen, weiß der Geschäftsführer der Landesarmutskonferenz, Klaus-Dieter Gleitze: „1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind wohnungslos, haben also kein eigenes Zuhause.“ Er meint, dass das Thema dringend angesprochen werden müsse, damit nach Lösungen gesucht werden könne. „Die Mieten explodieren und koppeln sich immer weiter von der Entwicklung der Reallöhne ab“, argumentiert Gleitze.

Keine Neubauten geplant

Für einen Singlehaushalt ist laut Jobcenter der Region in Springe eine Miete in Höhe von 359 Euro angemessen – mit Nebenkosten, ohne Heizkosten. Alles, was teurer ist, wird schwierig. Wohnungen in dieser Preisklasse gibt es, so vermutet Selent, nur in einigen Ortsteilen Bad Münders, in Springe habe er in der Kostenlage nichts entdecken können – auch nicht bei den Wohnungen mit Sozialbindung. Das sind Wohnungen, deren Vermieter sich gegen die Zahlung staatlicher Zuschüsse verpflichtet hat, die Räume nur an sozial Schwache zu vermieten. Davon gibt es laut einer aktuellen Erhebung des Sozialverbands Deutschlands derzeit in Springe 90 Wohnungen, Neubauten sind nicht geplant. Für den Sozialverband und die Stadt ist der Bedarf damit bis auf Weiteres gedeckt. Selent schüttelt bei der Aussage nur mit dem Kopf.

aDie öffentliche Hand soll Sozialwohnungen bauen

Gleitze und seine Landesarmutskonferenz wollen, dass es das Land richtet: Die Lobby-Gruppe fordert, dass das Land eine Wohnungsbaugesellschaft gründet. „Wenn immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung herausfallen, muss die öffentliche Hand den Sozialwohnungsbau ausbauen.“ Auf diese Weise, so die Hoffnung, könnten die Mietpreise wieder sinken.

Selent missfällt insbesondere der in seinen Augen respektlose Umgang des Jobcenters mit den Hartz-IV-Beziehern. In der Kommunikation mit den Leistungsempfängern schwinge stets der Vorwurf mit, dass man sich nicht um eine Arbeit bemühe, berichtet er seine Erfahrungen über die Behördenschreiben. Auch im Stadtrat will sich Selent weiterhin um die Belange der finanziell Schwachen kümmern: „Im Rat sitzen vorwiegend Vertreter der Mittelschicht – aber die vertreten nicht die ganze Gesellschaft.“

Von Ralf T. Mischer