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Springe Ensemble entführt in die Zeit der Reformation
Umland Springe Ensemble entführt in die Zeit der Reformation
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19:28 30.11.2018
An der Bassflöte zeigt Ulrike Volkhardt ihr Talent. Quelle: Reinhold Krause
Springe

Sie war nach Luthers Thesenanschlag an die Wittenberger Schlosskirche die einflussreichste Person im Calenberger Land: die Reformatorin Elisabeth von Calenberg-Göttingen, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Als Landesherrin besaß sie auch die politische Macht, Luthers Lehren in Hannover und Springe durchzusetzen.

Gut 475 Jahre nach der Reformation erfolgt eine Reminiszenz ihrer umfangreichen Werke, die teils unbeachtet in vielen Klöstern im In- und Ausland lagerten. Ulrike Volkhardt, Professorin für Blockflöte, Ensemblespiel und Historische Aufführungspraxis an der Folkwang Universität der Künste in Essen, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, diese einmaligen Dokumente der gelernten Laientheologin und Schriftstellerin Elisabeth aufzuspüren.

Sieben ausgewählte Lieder präsentiert

Jetzt präsentierte sie in der St.-Andreas-Kirche in einer Uraufführung dem Publikum sieben ausgewählte Lieder sowie einige Gebete der Reformationsfürstin. Das Besondere an diesem Abend: Volkhardt und ihr Ensemble devotio moderna spielten Lieder auf alten, der Renaissance entsprechenden Instrumenten. Sie, die Expertin an den Flöten, zeigte ihre Profession, ob kleine Blockflöte oder große Kontrabassflöte.

Passende Klänge dazu steuerten Ulrich Wedemeier mit der Laute und als dritter im Bunde Christian Zincke, mal mit der Viola da Gamba oder einer Diskant-Gambe, bei. Den gesanglichen Part bestritt Veronika Winter. Der Sopranistin gelang es, in der alten Originalsprache Elisabeths beachtliche Akzente zu setzen.

Das Zusammenspiel mit dem Musiktrio war von bestechender Harmonie geprägt. Auch einige Parts ohne instrumentale Begleitung ließen den damaligen sakralen Geist in den Klöstern wiedererwachen. Die Worte „Woll dem, der in gottes furcht stehet“ hoben als Motto des ansprechenden Programms den Geist der Renaissance zu Zeiten der Reformation wohltuend hervor.

Texte in Originalsprache

Die Textpassagen zwischen den Liedern wurden von Volkhardt in der Originalsprache vorgetragen.

Viele der Elisabeth’schen Liedertexte sind sogenannte Kontrafakturen, das heißt, eine bekannte Melodie wurde mit einem neuen Text unterlegt. Zum Beispiel „Vom Himmel hoch, da komm ich her …“ wurde bei Elisabeth zu „Ach Jesu wehrter Gnaden thron du Himmelsthür, held dawids Sohn …“ mit insgesamt 14 Strophen umgetextet.

Volkhardt und ihre Ensemblemitglieder gestalteten einen Abend der Vergangenheit, ohne dabei altmodisch aufzutrumpfen. Er war wohltuend als Gegensatz zur heutigen Hektik, das bezeugten die Besucher mit anhaltendem Applaus.

Von Reinhold Krause