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Springe Unfall auf Rübenacker: Schadensregulierung dauert noch Monate
Umland Springe Unfall auf Rübenacker: Schadensregulierung dauert noch Monate
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18:57 08.10.2018
Die Bergung des Rübenroders gestaltet sich schwierig. Bis alle Leitungen wieder intakt sind, kann es Monate dauern. Experten sind aber bereits vor Ort, um das Gelände zu begutachten. Quelle: Ralf T. Mischer
Lüdersen

Es wird noch Monate dauern, bis alle Schäden behoben sind: Nachdem ein Rübenroder einen Strommast bei Lüdersen umgefahren hat, laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Der Energieversorger Avacon rechne mit einem Schaden im hohen sechsstelligen Bereich, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Fiedler.

„Bis alles wieder intakt ist, wird es sich mehrere Monate hinziehen“, erklärt Fiedler. Der umgefahrene Strommast muss komplett ausgetauscht werden. Durch den Aufprall seien auch die Masten rechts und links beschädigt worden, weil sie durch die Leiterseile miteinander verbunden seien. Das heißt: Nicht nur der Mast selbst, sondern auch die teuren Leiterseile müssen über mehrere Kilometer ausgewechselt werden. „Das ist ein sehr großer Schaden mit einem sehr großen Arbeitsaufwand“, bilanziert Fiedler.

Erster Schritt ist nun die Bergung der Erntemaschine. Teile des Fahrzeugs und des Strommasts müssen zerlegt und ausgeschnitten werden, um den Roder unter dem umgestürzten Mast herausziehen zu können. Wie lange das dauern wird, ist unklar. In einem zweiten Schritt folgt die Statikmessung. „Der Mast selbst ist nicht mehr zu retten und muss wieder neu aufgebaut werden, nachdem er demontiert wird“, sagt die Sprecherin. Allein ein neuer Mast kostet etwa 200 000 Euro. „Wir haben damit also gut zu tun“, meint Fiedler.

Mit einem erneuten Stromausfall rechnet Avacon nicht – der Strom werde jetzt komplett umgeleitet. „Das war schon ein sehr ungewöhnlicher Vorfall und passiert nicht häufig“, weiß Fiedler. Der Schaden wurde der Haftpflichtversicherung gemeldet. „Mehr können wir dazu noch nicht sagen.“ Jetzt müssten sich die Versicherungen untereinander austauschen. Bürger, bei denen etwa ein Elektrogerät durch den Stromausfall beschädigt wurde, könnten sich bei Avacon melden. Auch in diesen Fällen müssten aber erst die Haftungsfragen geklärt werden und damit auch, wer für den Schaden finanziell aufkommt – immerhin sei Avacon an dem Unfall nicht schuld.

Zu Haftungsfragen will sich auch Sebastian Binder, Einsatzleiter der Zuckerrüben-Rodegemeinschaft (ZRG) Weserbergland, in Aerzen bei Hameln nicht öffentlich äußern. „Wir müssen den Schaden jetzt erst einmal abwarten“, sagt er. Der Roder gehört zur ZRG. Der 44-jährige Fahrer, der ihn bei dem Unfall fuhr, ist dort angestellt. „Ihm geht es gut, er stand aber unter Schock und ist zur Zeit zu Hause“, sagt Binder. Bereits seit mehr als 20 Jahren arbeite der 44-Jährige aus Bodenwerder in seinem Beruf. „Man kann ihm da gar keine Vorwürfe machen oder einen Fahrfehler unterstellen“, betont Binder. Solange der Energieversorger noch mit der Bergung beschäftigt ist, könnte die ZRG die Maschine nicht begutachten. „Erst muss Avacon das Feld räumen, bevor wir drauf können.“ Dann könne die ZRG feststellen, ob die Maschine überhaupt noch fahrbereit sei. Der Fahrer selbst gab an, eine Entladeeinrichtung habe sich nicht zurück in die Maschine bewegt, und dann sei der Ausleger gegen den Hochspannungsmast geprallt. „Warum das passiert ist – keine Ahnung.“

Fest steht aber, dass der Fahrer sehr viel Glück hatte. Wäre er aus seinem Fahrzeug ausgestiegen, hätte ihn das vermutlich umgebracht, sagt Feuerwehrsprecher Stefan Quentin. Vergleichbar sei das mit einem sogenannten Faradayschen Käfig. In seiner Maschine war der 44-Jährige von der elektrischen Spannung abgeschirmt, die Räder isolierten die Erntemaschine. Sobald er aber den Boden berührt hätte, wäre er sofort der Hochspannung ausgesetzt gewesen, da die Leitungen Kontakt zum Boden hatten. Bereits als der Fahrer den Notruf wählte, habe er von der Einsatzleitstelle genaue Anweisungen bekommen, wie er sich verhalten müsse. Vor Ort gaben ihm dann die Einsatzkräfte der Feuerwehr über Handy Hinweise. Die Feuerwehr sperrte das Gelände weiträumig ab, die Einsatzkräfte durften sich dem Rübenroder ebenfalls nicht nähern und mussten 200 Meter Abstand halten. „Innerhalb des Autos bestand keine Gefahr“, erklärt Quentin. Die Feuerwehr habe dem Fahrer erklärt, er dürfe die Fenster nicht öffnen und müsse Ruhe bewahren. „Er war zum Glück sehr geduldig.“ Immerhin musste der Mann rund zwei Stunden in seiner Maschine ausharren, bis er befreit werden konnte.

Am Sonntagmittag wurde die Freiwillige Feuerwehr noch einmal alarmiert. Offenbar liefen Betriebsstoffe aus der Maschine aus. „Wir haben die Wasserbehörde dann informiert“, sagt Quentin. Strom solle jetzt nicht mehr fließen, sagt Avacon-Sprecherin Fiedler. Sie rät genrell, bei Stromausfällen, Ruhe zu bewahren und die Störungshotline anzurufen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät, einen Vorrat an Kerzen und Taschenlampen anzulegen. Die Stromversorgung in Deutschland zähle europaweit aber zu den sichersten, daher käme es nur sehr selten zu Ausfällen.

 

 

 

Von Ralf T. Mischer