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Umland Was wird aus dem Riesen-Findling?
Umland Was wird aus dem Riesen-Findling?
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00:20 29.01.2015
Von Bernd Haase
Landwirt Hans-Heinrich Voges dachte anfangs, es handele sich nur um einen kleinen Stein. Quelle: Rainer Surrey
Barsinghausen

Im Herbst 2013 hat es beim Pflügen auf dem Acker von Landwirt Hans-Heinrich Voges aus Barsinghausen-Ostermunzel gerummst. Das kommt häufiger vor. Eine Pflugschar hatte sich verbogen, auch nichts ungewöhnliches. „Wieder mal ein Stein“, dachte sich der 70-Jährige. Er und ein Mitarbeiter griffen zum Spaten und wollten ihn ausbuddeln. Das wäre zu einer Lebensaufgabe geworden. Bald bemerkten die beiden, dass da kein gewöhnlicher Stein auf dem Acker an der Kreisstraße Richtung Seelze liegt, sondern was Größeres. Was richtig Großes. Man weiß es noch nicht genau, aber vermutlich ist es der dickste und schwerste Findling, der bisher im Raum Hannover entdeckt wurde. Die Region will ihn zum Naturdenkmal erklären lassen. Der dazu notwendige politische Beschluss steht zwar noch aus, gilt aber als Formsache.

Neben dem Findling von Ostermunzel gibt es in Norddeutschland noch weitere interessante Steine. Ein Vergleich.

Im Winter 2015 stehen Landwirt Voges und Sigrid Köppen, Besitzerin der Fläche, wieder auf dem Acker - dieses Mal vor einem riesigen Loch. Drinnen thront der Findling. Man hat ihn noch nicht komplett gesäubert, aber seine Farbstruktur mit abwechselnd grauen und rötlichen Schichten ist sichtbar. Ringsum hat Voges Raps gepflanzt. Eine breite Fläche für den Weg hin zur Fundstelle ist ausgespart, was ihn rein wirtschaftlich nicht stört, weil er entschädigt wird. „Hier sind schon ganze Völkerscharen hingepilgert“, sagt er.

Dabei hätte das geneigte Publikum beinahe nichts von dem Brocken erfahren. Nach dem eher niedlichen Versuch mit dem Spaten haben sie versucht, den Findling mit einem Frontlader freizulegen. Der reichte aber nicht tief genug in den Boden. „Dann haben wir überlegt, einfach den oberen Teil zu zertrümmern und das Loch wieder zu verfüllen“, erzählt der Landwirt. Nach Rücksprache mit Kollegen ist er dann aber doch lieber zur Region gegangen.

Seitdem ist der Stein eine öffentliche Angelegenheit. Experten vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie haben ihn begutachtet und vermessen. „Es ist ein Gneis und zählt damit zu den ältesten Gesteinsarten auf der Erde“, sagt Heinz-Gerd Röhling, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Der Gneis von Ostermunzel ist ein bis zwei Milliarden Jahre alt. Gebildet hat er sich in den Tiefen der Erde bei extremen Druck- und Temperaturbedingungen. Geologische Abtragung führte über die Jahrmillionen dazu, dass Gneise heute wieder an der Erdoberfläche liegen. Derjenige an der Kreisstraße ist immer noch nicht komplett freigelegt, weil auch ein zwischenzeitlich eingesetzter Bagger nicht tief genug schaufeln konnte. Die Experten taxieren auf eine Höhe von 2,60 Meter, auf zehn Meter Umfang und auf ein Gewicht von rund 50 Tonnen.

Gneis, zwischenzeitlich von der Deutschen Geologischen Gesellschaft in den Rang als Gestein des Jahres 2015 erhoben, existiert von Haus aus in Niedersachsen nur am Eckerstausee im Harz. Der Findling von Ostermunzel ist sozusagen als Migrant ins Hannöversche gekommen. Während der Saale-Eiszeit vor 200 000 Jahren haben ihn riesige Gletschermassen aus Skandinavien hierher gebracht. Dass derart dicke Trümmer so weit südlich auftauchen, ist ungewöhnlich. Normalerweise findet man die großen Brocken weiter nördlich. Der granitene Giebichenstein, der es als niedersächsischer Rekordhalter auf ein Gewicht von 330 Tonnen bringt, steht bei Stöckse im Landkreis Nienburg.

Die weitere Zukunft des Findlings ist noch nicht geklärt. Als Naturdenkmal in spe darf er nicht zertrümmert werden. Die Munzeler würden ihn am liebsten an einen Rastplatz am nahegelegenen Mühlenberg (das Wort Berg beschreibt in diesem Fall eine auf den ersten Blick kaum wahrnehmbare Erhebung) in der Feldmark bringen lassen. Dagegen hat die Region im Prinzip nichts. Aber sie hat inzwischen eine Fachfirma konsultiert und sich ein Angebot geben lassen. Ergebnis: Für Bergung und Transport wären erstens ein Kran und ein Tieflader erforderlich, zweitens müsste für die schweren Fahrzeuge eine befestigte Piste zum Loch angelegt werden - macht alles in allem 20 000 Euro.

Die Summe bringt die Region ins Grübeln. Alternative wäre, den Gneis vor Ort zu belassen. Ob man das Loch dann offen lässt oder zuschüttet, wäre auch noch zu klären. Entscheidet man sich für Letzteres, wäre der Gneis von Ostermunzel das einzige unterirdische Naturdenkmal der Region. Bis irgendwann einmal wieder die Gefahr besteht, mit einem Pflug an ihm hängenzubleiben, würde eine lange Zeit vergehen. „Entgegen landläufiger Meinung wachsen Steine nicht nach, indem sie von selbst Richtung Oberfläche wandern“, sagt der Geologe Röhling. Sie würden durch Erosion freigelegt. „Außerdem pflügen die Bauern heutzutage immer tiefer“, berichtet er. Vor einigen Jahren ist so schon ein neun Tonnen schwerer Findling entdeckt worden, der heute auf dem Hof von Sigrid Köppen steht. Kann also sein, dass da noch was hochkommt in der Feldmark von Ostermunzel.

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