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Uetze Badeunfall: Retter arbeiten Hand in Hand
Umland Uetze Badeunfall: Retter arbeiten Hand in Hand
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18:26 24.07.2018
Von der Terrasse vor dem Schwimmmeister-Büro haben die haupt-und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Badeaufsicht – hier Ernst Gobosz – einen guten Überblick über alle Becken. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Hänigsen

Rainer Lindenberg und Manfred Eberl vom Vorstand der Hänigser Freibadgenossenschaft erklären, was nach einem Unfall – quasi hinter den Kulissen – passiert, um Verletzte so schnell wie möglich zu versorgen. „Nachdem wir die beiden Jungs das Kind aus dem Wasser geholt hatten, setzte unsere Rettungskette ein“, sagt Eberl. Das sei ein standardisiertes Verfahren, das Rettungsschwimmer in ihrer Ausbildung lernen. „Die Koordination und Zusammenarbeit der Helfer ist jedoch Sache des jeweiligen Bads, angepasst an die örtlichen Gegebenheiten.“ Und so greift jedes Glied der Rettungskette im Hänigser Freibad ineinander:

1. Dem Unfallopfer wird Erste Hilfe geleistet. Das ist Aufgabe einer Schwimmaufsicht. Am Sonnabend waren laut Eberl vier Rettungsschwimmer als Badeaufsicht eingeteilt. „Mindestens ein Hauptamtlicher muss dabei sein.“ Im Hänigser Bad sind zwei angestellt: Ernst Gobosz, der schon 25 Jahre auf die Badegäste aufpasst, und die 36-jährige Iranerin Atefeh Hosseinzadeh.

2. Die zweite Kraft ruft die Rettungsleitstelle unter 112 an und meldet den Unfall mit allen nötigen Angaben.

Marc Weinreich von der DLRG öffnet die Einfahrt für Rettungsfahrzeuge. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

3. Derweil läuft eine weitere Badeaufsicht los, öffnet die Rettungseinfahrt und bleibt dort, um die Rettungsfahrzeuge einzuweisen.

4. Zeitgleich wird dafür gesorgt, dass die große Spielwiese im hinteren Bereich des Bads geräumt wird, damit Rettungswagen halten und Hubschrauber landen können, und die Zufahrt dorthin frei ist. „Es ist wichtig, dass ein ungehinderter Zugang zum Verletzten sichergestellt ist“, erklärt Lindenberg. Dazu gehöre auch, dass die Unfallstelle abgesperrt wird, nicht zuletzt als Schutz vor Gaffern. „Bislang hatten wir mit Gaffern aber noch keine großen Probleme“, ergänzt Eberl.

Die Spielwiese, die eine Hecke vom Nichtschwimmerbecken trennt, wird im Ernstfall für die Rettungswagen und die Landung eines Hubschraubers geräumt. Hinten ist die Einfahrt für Rettungsfahrzeuge zu sehen. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

5. Nach dem Eintreffen der Rettungskräfte werden die Sanitäter und der Notarzt exakt informiert, was geschehen ist. Wann war der Unfall, was ist passiert, war das Unfallopfer bewusstlos und was wurde an Erster Hilfe geleistet? „Dann übernehmen sie das Unfallopfer und entscheiden über das weitere Vorgehen“, sagt Lindenberg. „Kleinkinder werden immer ins Krankenhaus gebracht, weil noch Wasser in der Lunge sein kann. Man spricht dann von einem zweiten Ertrinken“, erläutert Eberl.

6. Das Unfallgeschehen wird in das sogenannte Verbandsbuch eingetragen – „das verlangt die Berufsgenossenschaft“, sagt Lindenberg. „Wir wissen ja nicht, was nach der Rettung noch passiert, ob zum Beispiel Staatsanwaltschaft, Kripo oder Versicherung nachfragen.“

„Unsere haupt- und ehrenamtlichen Kräfte trainieren den Notfalleinsatz regelmäßig“, sagt Eberl. „Jeden Winter frischen sie außerdem ihr Erste-Hilfe-Wissen auf.“ Zudem müssten die Rettungsschwimmer alle zwei Jahre die Prüfung für das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber wiederholen.

Nach solchen Rettungseinsätzen wie am vergangenen Sonnabend, als der dreijährige Junge bewusstlos im Nichtschwimmerbecken trieb und von den zwölfjährigen Freunden Leon und Leonard gerettet wurde, werde der Ablauf analysiert und geschaut, ob etwas zu verbessern sei, erläutert Eberl. Am Dienstagabend treffen sich das Schwimmaufsichtsteam und der Genossenschaftsvorstand zur Manöverkritik. Eberl will dann ansprechen, ob es regelmäßig Durchsagen im Bad geben soll, in denen die Eltern daran erinnert werden, ihre Kleinkinder auf keinen Fall aus den Augen zu lassen. „Denn manche Eltern denken offenbar, dass sie die Sicherheit ihrer Kinder mit dem Betreten des Bades an die Schwimmaufsicht abgeben. Das ist aber nicht der Fall, das kann kein Bad leisten“, macht Lindenberg unmissverständlich klar.

Er hat jedoch eine weitere Idee, wie die Sicherheit von Kleinkindern im Hänigser Bad noch verbessert werden könnte. „Wir wollen schauen, ob wir etwa 200 Paar Schwimmflügel gesponsert bekommen, die wir den Eltern von Kleinkindern schenken.“ Jedes Kind, das nicht schwimmen kann, sollte solche Flügel auf dem Freibadgelände tragen, sagt Eberl und erklärt, warum: „Das Kind kann sie nicht selbst abnehmen, und die Arme werden automatisch auf Abstand vom Körper gehalten, sodass das Kind die Balance im Wasser halten kann.“ Übrigens verleihe das Bad schon jetzt solche Flügel – „einfach ins Schwimmmeisterbüro kommen.“

Von Anette Wulf-Dettmer

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