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Umland Uetze Nachrichten Als vor 70 Jahren die Bomben fielen
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20:01 04.08.2014
Von Friedrich-Wilhelm Schiller
Dieter Meyer erinnert sich an den 5. August 1944. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Dollbergen

„Das war der schwerste Bombenangriff auf Dollbergen während des Zweiten Weltkriegs“, sagt Meyer. Er war damals 14 Jahre alt und machte eine Lehre im Bahnhof. Während des Fliegerangriffs hatte er gerade Mittagspause und war zum Essen nach Hause geradelt.

Im Radio hörte er die Luftlagemeldung: „Feindliche Bomber fliegen von Uelzen in Richtung Süden.“ Da war ihm klar, dass die Gasolin das Ziel war. Denn die Alliierten hatten die Raffinerie schon vorher mehrmals bombardiert.

Die Familie Meyer suchte Schutz in einem Erdbunker, den sie im eigenen Garten angelegt hatte. Vom Eingang des Bunkers aus sah der 14-Jährige die Bomberstaffel gegen 13 Uhr am Himmel auftauchen. „Das Führungsflugzeug hat ein Rauchzeichen gegeben. Kurz darauf wurden die Bomben ausgeklinkt“, erinnert sich der heute 84-Jährige. Schon wenig später sei schwarzer Rauch aufgestiegen. Die Tanks der Gasolin brannten. Etwa 20 Minuten lang hagelten Bomben auf die Raffinerie und den Bahnhof nieder.

Als Meyer an seine Arbeitsstelle zurückkehrte, war diese nur noch ein Trümmerhaufen. Zwei Bombeneinschläge hatten laut Ortschronik das Bahnhofsgebäude weitgehend zerstört. Das Bahnhofspersonal sowie die Familie des Bahnhofsvorstehers Richard Keuneke waren in den Luftschutzkeller geflüchtet. Weil das Deckengewölbe des Kellers eingebrochen war, waren Keunekes Frau und dessen zwei Töchter bis zum Oberkörper verschüttet. Helfer hätten die Verletzten mit bloßen Händen frei gegraben, steht in der Chronik.

„Einen Volltreffer hatte das Schrankenwärterhäuschen am Einschnittsweg erhalten“, berichtet Meyer. Die Schrankenwärterin Minna Dedolf verlor ihr Leben. Außerdem starben elf weitere Menschen, die einen Bunker in Nähe der Gasolin aufgesucht hatten. „Der war nicht bombensicher und hatte ebenfalls einen Volltreffer abbekommen“, sagt Meyer.

Feuerwehrleute aus Dollbergen und Umgebung hätten das Feuer in der Raffinerie innerhalb eines Tages gelöscht. Die Eisenbahnstrecke sei nur kurz gesperrt gewesen. „Schon am nächsten Tag fuhren wieder Züge auf den Hauptgleisen“, berichtet der 84-Jährige. Italienische Kriegsgefangene hätten bei den Aufräumarbeiten geholfen. Für die Toten gab es eine große Trauerfeier auf dem Sportplatz.

Dass es überhaupt Bilder vom zerbombten Bahnhof gibt, ist einem Zufall zu verdanken. „Eigentlich waren solche Fotos verboten“, erinnert sich Meyer. Der Soldat Walter Schrader, der gerade auf Heimaturlaub in Dollbergen gewesen sei, habe es gewagt, trotzdem welche zu machen. Eine dieser Aufnahmen zeigt Meyer und Anita Wrede, die damals in der Güterabfertigung des Bahnhofs arbeitete, auf den Trümmern des Gebäudes.

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