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19:53 23.02.2018
Die Erdölpumpe an der Bohrstelle Kuhlenberg 6a ist noch funktionstüchtig, steht aber derzeit still. Die Bohrung war mit einer Fördermenge von mehr als einer Million Barrel eine der ertragreichsten in Deutschland. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Hänigsen

 Rund 100 Jahre war die Erdölindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig im Raum Hänigsen/Nienhagen. Die Bohrung Kuhlenberg 6a im Norden Hänigsens war sogar eine der ertragreichsten in Deutschland. Die Pumpe hat bisher mehr als eine Million Barrel (159 Liter) gefördert. Der promovierte Geophysiker Thomas Degro und aktiver Hänigser Teerkerl konnte die rund 50 Zuhörer im Haus am Pappaul am Montagabend mit so manchem Detail zur Geschichte der Erdölförderung vor ihrer Haustürt verblüffen. 

Die erste Bohungauf dem Kuhlenberg veranlasste die Regierung des Königreichs Hannover im Jahr 1860. „Man fand leider nur Ölspuren“, berichtete Degro. Der Grund: Man hatte nicht tief genug gebohrt. Vom Kuhlenberg aus arbeiteten sich die Erdölfirmen am Rande des Hänigser und Wathlinger Salzstocks zunächst nach Norden in Richtung Nienhagen vor. Erst 1907 wurde zwischen Hänigsen und Nienhagen im Waldgebiet Brand das erste Ölfeld entdeckt,  33 Jahre später das Südfeld Hänigsen erschlossen. Zu jener Zeit war das Erdölgebiet bei Nienhagen das wichtigste Vorkommen in Deutschland. Dort hatten die Ölunternehmen 1938 mit knapp 360 000 Tonnen Erdöl den höchsten Jahresertrag erzielt.

Thomas Degro referiert über die Bedeutung der Erdölförderung für den Raum Hänigsen/Nienhagen. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Die Erdölproduktion in Hänigsen erreichte laut Degro erst rund 20 Jahre später, um 1960, ihre Blütezeit. Bis 1997 förderte Mobil Oil im Südfeld. Doch es gibt in der Hänigser Gemarkung bis heute eine Pumpe, die nach wie vor funktionstüchtig ist. Es handelt sich um die Bohrung Kuhlenberg 6a, dort war man 1949 fündig geworden. Die Pumpe steht seit Februar 2015 still,  weil die Pipeline zum Exxon-Mobil-Betriebsgelände bei Nienhagen beim Verlegen eines Kabels beschädigt worden ist und bislang nur notdürftig repariert wurde. 

Nach Degros Angaben gab im Raum Nienhagen/Hänigsen insgesamt 1500 Bohrungen. „Alle großen Ölfirmen haben hier ihre  Wurzeln“, betonte Degro. Die Unternehmen hätten in dem Gebiet acht Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Die Gemeinden seien reich geworden. Grundstückseigentümer hätten Mutungsgeld bekommen. Im hiesigen Raum gebe es noch viele Servicefirmen der Erdölbranche, die weltweit im tätig seien, sagte Degro. Er nannte unter anderem die Firma Hartmann Valves aus Ehlershausen.

Auf dem Kuhlenberg hatte man 1860 angefangen, nach Erdöl zu bohren, weil der Gelehrte Georg Agricola die dortigen Bitumenquellen – im Volksmund Teerkuhlen genannt - schon 1546 beschrieben hatte. „Die Teerkuhlen waren seit dem Mittelalter unter den Bauern aufgeteilt“, berichtete Degro. Das Öl, das mit dem Grundwasser in den mit Holz eingeschalten Gruben austrat, schöpften sie ab und verkauften es als Schmier,- Leucht- und Heilmittel. Bis 1910 nutzten sie die Bitumenquellen.

1986 legten HeimatbundmItglieder eine der zugeschütteten Gruben wieder frei. Diese ist nach Degros Worten heute die Hauptattraktion des Hänser Teermuseums. Es sei die einzige Teerkuhle in Deutschland, die noch im Originalzustand erhalten sei, betonte der Teerkerl.

An der wieder freigelegten Teerkuhle des Hänser Teermuseums führt Thomas Degro Museumsbesuchern vor, wie früher das Öl vom Grundwasser abgeschöpft wurde. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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