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Elektro Denecke geht bei Ausbildung neue Wege 

Uetze Elektro Denecke geht bei Ausbildung neue Wege 

Elektro-Denecke-Geschäftsführer Mathias Puchta sucht händeringend Auszubildende. Mit einem trialen Studium hofft er, Abiturienten für das Elektrohandwerk gewinnen zu können.

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Geschäftsfüher Mathias Puchta (Zweiter von rechts) belädt mit Jan Stief (von links), Maximilian Wache und Jana Hessenmüller ein Firmenauto.

Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Hänigsen.  Im Elektrohandwerk herrscht nach den Worten Mathias Puchtas, Geschäftsführer der Hänigser Firma Elektro Denecke, ein „kolossaler“ Fachkräftemangel. Er sucht händeringend Auszubildende. „Wir haben zum Ausbildungsstart am 1. August 2018 noch keine Bewerbung, obwohl wir auf unterschiedlichen Plattformen unterwegs sind“, berichtet er. Deshalb beteilige sich sein Betrieb an der Ausbildungsmesse im Uetzer Schulzentrum am Donnerstag, 15. Februar.

Dort hofft er, Gymnasiasten mit dem Hinweis ansprechen zu können, dass man in seiner Firma ein triales Studium Handwerksmanagement mit der Ausbildung verbinden kann. Als erste Mitarbeiterin eines Betriebs der Elektroinnung Burgdorf absolviert Jana Hessenmüller ein solches berufsbegleitendes Studium. Sie hat im Januar nach der dreieinhalbjährigen Lehre ihre Gesellenprüfung bestanden. „Wir sind stolz auf das bisherige Ergebnis“, sagt Puchta.

Parallel zur Ausbildung hat Hessenmüller an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover Handwerksmanagement studiert. Sie bereitet sich jetzt auf die Bachelorprüfung vor. Mit dem Studium decke sie den betriebswirtschaftlichen Teil der Meisterausbildung ab, erläutert die junge Frau. „Wenn man den Gesellenbrief und den Bachelor hat, muss man nur noch die fachspezifische Meisterausbildung machen.“  

Wegen der Anforderungen in der Berufsschule sei inzwischen ein Realschulabschluss für eine Ausbildung im Elektrohandwerk wünschenswert, sagt Puchta. Die Bewerber sollten Interesse an Naturwissenschaften und gute Mathekenntnisse mitbringen. Dass kaum noch jemand Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik werden wolle, sei ein gesellschaftliches Problem, bedauert Puchta. Viele Eltern wünschten sich, dass ihr Sohn oder ihre Tochter im Büro arbeiten. Außerdem hänge dem Handwerk immer noch das Bild des Bauarbeiters an, der sich schmutzig mache, gibt der Diplom-Betriebswirt zu bedenken.

„Deshalb gehen die Leute in die Industrie oder studieren“, sagt Hessenmüller Dabei sei die Ausbildungsvergütung im Elektrohandwerk ähnlich wie in der Industrie, weiß die junge Gesellin. Im dritten Lehrjahr erhielten die Lehrlinge rund 840 Euro brutto, im vierten 910. Laut Puchta besteht das Problem darin, dass sich nach der Lehre eine große Lücke zum Gehalt in der Industrie auftue. Im Elektrohandwerk betrage das Einstiegsgehalt rund 2300 Euro.

Aus der Firma Denecke haben im Januar auch noch Jan Stief und Maximilan  Wache die Gesellenprüfung bestanden. „Ich hätte gern alle drei übernommen“, sagt Puchta. Wache beginnt ein Elektrotechnikstudium, will aber in den Semesterferien weiter bei Denecke arbeiten. Ursprünglich hatte er nach dem Besuch  des Berufsgymnasiums eine Ausbildung bei Avavcon absolvieren wollen. Weil diese dort zum großen Teil in Lernwerkstätten stattfinde, habe er sich für Denecke entschieden, berichtet Wache. „Ich finde es interessanter, etwas auf Baustellen zu machen“, sagt er.  Zudem decken die Arbeiten bei Denecke die gesamte Palette von der Elektroinstallation in Wohnhäusern bis hin zu Industrieanlagen ab.

„Bei uns müssen die Auszubildenden ab dem dritten Lehrjahr auch allein raus“, sagt Puchta. Sie müssten zum Beispiel eigenständig ein Aufmaß anfertigen. Dadurch sei der Übergang vom Lehrling zum Gesellen fließend, fügt Stief hinzu.

Mathias Puchta (von rechts) mit seinen frischgebackenen Gesellen Jana Hessenmüller, Maximilian Wache und Jan Stief

Mathias Puchta (von rechts) mit seinen frischgebackenen Gesellen Jana Hessenmüller, Maximilian Wache und Jan Stief.

Quelle: privat

Triales Studium führt zu Meisterbrief und Bachelor

Seit 2014 bieten die Handwerkskammer Hannover (HWK) und die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) ein triales Studium im Handwerksmanagement an. Es dauert viereinhalb Jahre und eröffnet einen Weg von der Ausbildung über den Gesellen- und Meisterstatus bis zum Bachelor of Arts (B.A.). Die Studenten erlernen dabei nicht nur betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse, sondern auch weiterführende personale, soziale Kompetenzen sowie Wirtschaftsmanagementstrukturen. Voraussetzungen für das Studium sind die Fachhochschulreife, das Abitur oder eine ähnliche Hochschulzugangsberechtigung, plus gültigem Ausbildungsvertrag. Das spezifisches Fachliche erlernen die Studenten in den Handwerksbetrieben.

60 Betriebe bieten dieses Modell derzeit im gesamten Kammerbezirk an. Vor allem im Handwerk herrscht ein großer Fachkräftemangel, sodass knapp 200.000 Betriebe auf der Suche nach geeigneten Nachfolgern sind. Das triale Studium bietet den Absolventen die Möglichkeit, sich später als Führungskraft zu etablieren. Insbesondere da 70 bis 80 Prozent der Studiernden den Familienbetrieb, in dem sie zuvor tätig waren, übernehmen wollen. 

Ab Herbst 2018 soll in der FHM außerdem ein weiterer trialer Studiengang – im Craft Design – eingeführt werden.  lb

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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