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Nachrichten Ehrenbürger Günter Radtke stirbt mit 97
Umland Uetze Nachrichten Ehrenbürger Günter Radtke stirbt mit 97
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00:17 07.01.2018
Günter Radtke zeigt 2003 in seinem Atelier in Uetze eine Zeichung des Baader-Meinhoff-Prozesses in Stuttgart-Stammheim. Quelle: Kris Finn
Uetze

 Uetzes Ehrenbürger Günter Radtke ist tot. Er ist am Mittwoch im Alter von 97 Jahren in Hamburg in einem Seniorenheim gestorben. Der Mitgründer, Illustrator und langjährige Chef-Layouter der Zeitschrift Stern ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten, die in Uetze gelebt haben. Günter Radtke wird in Uetze beigesetzt werden. Einen Termin für die Trauerfeier gibt es bislang noch nicht.

Die Geschichte der Gemeinde Uetze hat Radtke auf einem Wandgemälde im Uetzer Rathaus zeichnerisch dargestellt. Die Gemälde von der Kreuzigung und Auferstehung Jesu in der Uetzer Friedhofskapelle sind ebenfalls sein Werk. Gemeinsam mit seiner Frau Dorothea, die er 1943 geheiratet hatte, gab er 1996 die Uetzer Ortschronik heraus. Mehrere Kapitel illustrierte er mit seinen Zeichnungen. Ein Gemeinschaftswerk ist auch das Buch „Das gibt es nur in Uetze!“ mit Anekdoten aus dem Ort.

Als die Kirchengemeinde Ende 2007 ihren Förderverein gründete, übernahm das Ehepaar Radtke die Schirmherschaft. „Sie waren gemeinsam als Paar stark“, sagt der frühere Uetzer Ortsbürgermeister Hartmut Schulte. Sie habe ihm für seine Arbeit den Rücken frei gehalten. Kurze Zeit nach dem Tod seiner Frau 2009 zog Günter Radtke, der für seine große Hilfsbereitschaft bekannt war, nach Hamburg.

Günter Radtke in seinem Garten am Katenser Weg in Uetze. Quelle: HAZ-Archiv

Er wurde am 27. Februar 1920 im ostpreußischen Insterburg geboren. Zehn Jahre nach seiner Geburt zog seine Familie nach Berlin. Als Jugendlicher besuchte Radtke dort die Höhere Graphische Kunstanstalt. Schon als 16-Jähriger berichtete er als Zeichner für Berliner Tageszeitungen über die Olympischen Spiele in Berlin. Aber auch Boxkämpfe, Autorennen und Theaterpremieren hielt er für die Presse mit dem Zeichenstift fest.

Im Zweiten Weltkrieg war er während des Afrikafeldzugs Zeichner im Stab Erwin Rommels. Kurz vor Kriegsende erschwindelte sich Radtke zwei Tage Urlaub, um seine Frau und die kleine Tochter Susanne vor den anrückenden sowjetischen Truppen aus dem zerbombten Berlin zu holen und nach Uetze zu bringen, wo Verwandte seiner Frau wohnten. Anschließend musste er wieder in den Krieg und geriet in Gefangenschaft.

Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft 1945 arbeitete er zunächst als Künstler in Uetze – was besser ging als erwartet. In Hannover lernte Günter Radtke schließlich Henri Nannen kennen. Gemeinsam gründeten sie 1948 im Anzeiger-Hochhaus den „Stern“, dessen Chef-Layouter und Reportagezeichner Radtke wurde. „Ich wollte immer das zeichnen, was man nicht fotografieren kann“, hat er selbst einmal gesagt. So veröffentlichte der „Stern“ schon 1948 seine Zeichnung „Der Griff nach dem Mond“.

Henri Nannen (links) und Günter Radtke konzipieren im Anzeiger-Hochhaus in Hannover eine neue Ausgabe des "Stern". Quelle: HAZ-Archiv

In den Sechzigerjahren schockte er amerkanische Raketenkonstruktuere, als er aus dem Gedächtnis heraus die erste Mondrakete detailgetreu zu Papier brachte. Bei der Besichtigung des Flugkörpers waren Skizzenblock und Kamera streng verboten gewesen. Das Fotografier- und Zeichenverbot beim Baader-Meinhoff -Prozess umging er, indem er Porträts der Terroristen auf der Hemdmanschette skizzierte. 

Pressegeschichte schrieb der Uetzer, der später auch für Geo und andere Auftraggeber arbeitete, zum Beispiel auch mit Zeichnungen des Grubenunglücks von Lengede und der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Fast alle seine Zeichnungen entstanden in seinem Atelier in seinem Haus, das er 1946 bis 1948 am Uetzer Ortsrand gebaut hatte. Während der Eröffnung seiner Ausstellung „Visionärer Realismus“ im Uetzer Rathaus verlieh ihm die Gemeinde Uetze 2003 die Ehrenbürgerschaft.

2009: Fürs Foto zu seiner Ausstellung „Illustrierte Weltgeschichte“ klettert Günter Radtke gern in die Kröpcke-Uhr. Quelle: HAZ
Günter Radtke in seiner Ausstellung zum visionären Realismus im Jahr 2008, bei der er auch ein Bild des „Ötzi“ ausstellte. Quelle: HAZ-Archiv
Günter Radtke schrieb mit seinem Bild vom Lengender Grubenunglück Pressegeschichte. Quelle: HAZ-Archiv

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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