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Uetze Endspurt bei der Getreideernte
Umland Uetze Endspurt bei der Getreideernte
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00:18 29.07.2018
In diesen Tagen werden die letzten Getreidefelder gemäht – drei bis vier Wochen früher als in anderen Jahren. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Uetze

 Bei der Getreideernte hat bereits der Endspurt begonnen – drei bis vier Wochen früher als üblich. Normalerweise würde die Mähdrescher jetzt erst mit der Arbeit beginnen. Wie von den Landwirten befürchtet, hat die extreme Witterung mit den hohen Temperaturen schon im April und der langen Trockenheit zu hohen Ertragseinbußen geführt.

Auf den Getreidefeldern in Schwüblingsen werde 15 bis 25 Prozent weniger geerntet als in anderen Jahren, sagt Landwirt Carsten Fricke. Der Eltzer Bauer Bernd Wrede geht von zehn bis 15 Prozent geringeren Erträgen aus: „Die Körner sind nicht so dick.“ Der sogenannte Vollkornanteil ist ein wichtiges Kriterium für die Vermarktung als Braugerste oder Brotgetreide. „Erstaunlich ist, dass die Qualität für Braugerste noch gereicht hat“, berichtet Wrede.

Auch der Roggen hat die lange Hitze- und Trockenperiode relativ gut verkraftet. Der Ertrag habe zwar gelitten, doch „die Backqualität ist hervorragend“, berichtet Fricke. Im Uetzer Bereich ernten die Bauern in durchschnittlich guten Jahren 7 bis 8 Tonnen Braugerste und Roggen pro Hektar.

Seit Mai hat es laut Fricke in Schwüblingsen gerade einmal 60 Millimeter Regen gegeben. „Das ist wirklich schon eine Dürre.“ Zum Vergleich im nassen Jahr 2017 waren es in den drei Monaten 330 Milliliter. Hinzu komme der stetige Wind, ergänzt Fricke, und die fehlende Taubildung in den Nachtstunden, die zwei, drei Milliliter Feuchtigkeit pro Tag bringen könne.

Wrede und Fricke sind sich einig: Ohne Beregnung wäre die Getreideernte weitgehend ausgefallen. Statt ein Feld zwei bis drei Mal zu beregnen, waren es in diesem Sommer vier bis fünf Durchgänge. „Das hat unser Wasserkontingent stark strapaziert“, sagt der Eltzer Landwirt. Allerdings verursache die Beregnung auch höhere Kosten und mehr Arbeit. Von 6 bis 22 Uhr sei er derzeit täglich im Einsatz.

Die Beregnung erhält die Pflanzen nur am Leben

„Wenn das Wetter weiterhin so bleibt, weiß ich allerdings nicht wie es mit den Spätkartoffeln, Zuckerrüben, Zwiebeln und dem Mais weitergeht“, sagt Wrede. Auch sein Schwüblingser Kollege mag keine Ertragsprognose abgeben: „Mit der Beregnung versuchen wir, die Pflanzen am Leben zu erhalten, wachsen können sie damit nicht.“ Bei den Pflanzen führe das extreme Wetter zu Trocken- und Hitzestress. „Die Blätter der Kartoffeln und Zwiebeln bekommen Sonnenbrand“, erklärt Fricke. „Bei den Kartoffeln geht es nur noch um den Erhalt, ein Wachstum findet in den Dämmen nicht mehr statt.“

Ob Getreide oder Kartoffeln: Bei den Erntearbeiten mölmt es gewaltig. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Kartoffeln können Hitze allgemein nicht gut ab. Jenseits von 28 Grad sollten sie nicht mehr gerodet werden. Deshalb fahren die Landwirte zum Roden, wenn irgend möglich, frühmorgens auf die Felder. Doch in diesen heißen Tagen ruft auch schon mal kurzfristig ein Händler an, der noch am selben Tag beliefert werden will. Dann muss mittags gerodet werden. „Obwohl das eine Strafe ist“, sagt ein Berufskollege der beiden Landwirte.

Auch wenn die Landwirte die Zuckerrübenäcker regelmäßig zu beregnen, fehlt den Pflanzen Wasser. Wenn die Rübe ihre Blätter auf den Boden sinken lässt, sprechen die Fachleute davon, dass die Rüben schlafen. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Die Trockenheit stellt die Landwirte vor ein zusätzliches Problem: Die Aussaat der Zwischenfrüchte, die die Bodengesundheit fördern und dem Grundwasserschutz dienen, steht an. „Dafür muss es aber unbedingt regnen, sonst läuft die Saat nicht auf“, sagt Fricke. Viele seiner Felder liegen im Wassergewinnungsgebiet für das Wasserwerk Burgdorfer Holz.

Bauernregeln haben auch heute noch Gültigkeit

Ähnlich lange Trockenperioden gab es in den Jahren 1975, 76 und 92. Für Fricke ist die aktuelle Wetterlage keine Überraschung. Der Schwüblingser führt seit rund 40 Jahren ein Wettertagebuch. Anhand diese langjährigen Aufzeichnungen hat er einige Gesetzmäßigkeiten entdeckt, die es ermöglichen, lokale Wetterprognosen zu geben. Das Erstaunliche: Die sogenannten Bauernregeln treffen trotz des Klimawandels auch heute noch zu.

Eine dieser Regeln bezieht sich auf die vier Quatember-Wochen im Jahr: „Woher der Wind in dieser Zeit weht, wird er auch im nächsten Vierteljahr herkommen“, erklärt Fricke. In der Quatember-Woche im Mai wehte es aus Nord und Nordost, und so ist es bis jetzt geblieben. Kommt der Wind aus Osten, bringt er in der Regel Trockenheit, der Westwind vom Atlantik hingegen Regen. Auch nach der Siebenschläfer-Regel wird sich bis Mitte August wenig am Wetter ändern. „Entscheidend für die Großwetterlage ist in Norddeutschland die Woche nach dem 27. Juni“, erklärt Fricke: „In diesem Jahr bestimmte eine Hochdruckzone das Wettergeschehen.“

Von Anette Wulf-Dettmer

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