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Uetze Tschechische Firma Block kauft Köttermann
Umland Uetze Tschechische Firma Block kauft Köttermann
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00:17 08.12.2018
Die Hänigser Firma Köttermann stellt Laboreinrichtungen aus Stahl her. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Hänigsen

Die wirtschaftlich angeschlagene Unternehmensgruppe Köttermann ist gerettet – allerdings werden nicht alle Mitarbeiter bleiben können. Insolvenzverwalter Christian Willmer hat den Hänigser Laboreinrichtungshersteller an den tschechische Unternehmensgruppe Block verkauft. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Am Dienstagnachmittag, 4. Dezember, hat Willmer den Geschäftsbetrieb an den neuen Eigentümer übergeben.

Block hat sich auf den Bau schlüsselfertiger Labore, Krankenhaus- und anderer Einrichtungen mit besonderen Anforderungen an die Sauberkeit spezialisiert. „Das Unternehmen habe ich im Rahmen des Investorenprozesses kennengelernt“, sagt Willmer auf Anfrage dieser Zeitung. Die Investorensuche hatte im September begonnen. Mit dem neuen strategischen Partner bestünden für Köttermann wieder stabile Perspektiven. Als Unternehmen aus derselben Branche kenne sich Block gut auf dem Markt aus.

Laut Willmer bleiben in Hänigsen 120 Arbeitsplätze erhalten. Ebenso die Arbeitsplätze bei den Köttermann-Tochterfirmen im europäischen Ausland. Für die 30 Mitarbeiter, die nicht weiter beschäftigt würden, sei in enger Absprache mit dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Metall eine Transfergesellschaft gegründet worden. Sie soll die Beschäftigten unterstützen bei der Qualifizierung für einen neuen Arbeitsplatz in einem anderen Betrieb. „Die Einrichtung der Transfergesellschaft ist ein wichtiges Element eines soliden Gesamtpakets und ein wichtiges Instrument, um den Übergang in neue Arbeitsverhältnisse möglichst reibungslos zu gestalten“, sagt der Insolvenzverwalter.

„Der Personalabbau tut uns weh. Er liegt an der Schmerzgrenze“, sagt Ralf Müller, Betriebsbetreuer der IG Metall. Aber die Gewerkschaft habe anerkennen müssen, dass der Hänigser Laboreinrichtungshersteller wohl nur mit reduzierter Belegschaft wirtschaftlich arbeiten könne. Die Transfergesellschaft bezeichnet er als „Preisschild, das wir ranhängen konnten“. Nach der Insolvenzordnung hätte die Regelabfindung nur 190.000 Euro betragen. Für die Transfergesellschaft stünden 615.000 Euro zur Verfügung. Daher hätten sich die 30 stündigen nervenaufreibenden Verhandlungen gelohnt. Der Insolvenzverwalter habe sich als harter Verhandlungspartner erwiesen, sei aber immer fair und ergebnisorientiert gewesen, sagt Müller.

„Es schmerzt, so viele Kollegen gehen zu sehen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Raquet. Es habe aber keinen besseren Weg gegeben. „Mit acht Monaten Laufzeit und einer Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes auf 85 Prozent ist die Transfergesellschaft gut ausgestattet“, meint Raquet.

„Für die Block-Gruppe ist der Kauf von Köttermann eine perfekte strategische Ergänzung“, sagt Jan Mynar aus der Block-Geschäftsführung. Nach Ansicht des Köttermann-Geschäftsführers Albrecht Wiener ist sein Unternehmen mit Block als Partner „in der Lage, die bestehenden Kundenbeziehungen zu intensivieren und durch die entstehenden Synergien neue Geschäftsfelder zu erschließen“. Auch Betriebsrat und Gewerkschaft sehen hoffnungsvoll in die Zukunft. Nach Raquets Einschätzung ist das Konzept der Block-Gruppe für Köttermann stimmig. Darin werde die notwendige Zeit eingeräumt, die Folgen der Krise zu überwinden.

Erleichtert ist auch der Uetzer Wirtschaftsförderer Andreas Fitz: „Es ist eine Lösung, bei der der Betrieb weitergeht.“ Er hofft, dass sich das Hänigser Unternehmen positiv entwickelt „und zu alter Stärke zurückfindet“.

Mehr als 400 Mitarbeiter in sieben Ländern

Die Firma Block ist 1991 in Tschechien gegründet worden. Ihr Sitz ist in Valasske Mezirici. Sie hat sich im Laufe der Jahre zu einer internationalen Unternehmensgruppe entwickelt. Insgesamt sind bei ihr mehr als 400 Mitarbeiter in sieben Ländern beschäftigt. Die Block-Gruppe hat sich auf die schlüsselfertige Lieferung sogenannter Reinraum-Einrichtungen spezialisiert. An Reinräume werden besondere Anforderungen bezüglich der Sauberkeit gestellt. Dazu zählen zum Beispiel Forschungslabore, Operationssäle in Krankenhäusern und Räume für die Halbleiterfertigung. Die Block-Kunden kommen aus der pharmazeutischen Industrie, der Biotechnologie, der Medizintechnik, dem Gesundheitswesen, der Mikroelektronik und der Forschung. Das Leistungsspektrum reicht vom Entwurf über die Errichtung bis zur Wartung.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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