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Uetze Kaliberg: Erhitzte Gemüter bei der Anhörung
Umland Uetze Kaliberg: Erhitzte Gemüter bei der Anhörung
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18:34 07.01.2019
Ralf Krupp (von links, Sachbeistand der Bürgerinitiativen und des BUND), Holger Müller (BI Umwelt Wathlingen), Georg Beu und Wolfgang Tannenberg (beide BI Umwelt Uetze) haben an einem Tisch Platz genommen, um sich während der Erörterung verständigen zu können. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Hänigsen/Wathlingen/Celle

Die Stimmung im Saal der Congress Union Celle ist am Montag leicht gereizt. Kein Wunder, bei den Menschen rund um den Wathlinger Kaliberg, den der K+S-Konzern größtenteils mit Bauschutt abdecken will, ist das Projekt sehr umstritten. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat in dieser Woche die Erörterungstermine für das Planfeststellungsverfahren angesetzt.

Zunächst stritten Vertreter der Bürgerinitiativen Umwelt Uetze und Wathlingen sowie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit dem Verhandlungsleiter Andreas Schleicher, Referatsleiter beim LBEG, über die Tagesordnung und Formalitäten. Mit der Folge, dass die Einwände gegen das geplante Vorhaben des K+S-Konzerns erst mit zeitlicher Verzögerung zur Sprache kamen. Der Vorsitzende der Uetzer Bürgerinitiative, Georg Beu, bemängelte, dass die Tische zu klein seien, um darauf einen Laptop und Unterlagen abzulegen. Außerdem forderte er für jeden Vertreter der Bürgerinitiativen ein eigenes Mikrofon. „Wir können keine Infrastruktur wie im Bundestag zur Verfügung stellen“, antwortete Schleicher. Im Übrigen seien genügend Tische frei, auf denen Beu seine Unterlagen ausbreiten könne.

Der Wathlinger BI-Chef Holger Müller vermisste auf der Tagesordnung den Punkt Umweltvorbelastung. „Nach unserer Auffassung steht die Halde im Grundwasser“, erläuterte Geologe Ralf Krupp, Sachbeistand der Bürgerinitiativen und des BUND. Schleicher entgegnete, dass die Bürgerinitiativen das Thema beim Punkt Schutzgut Wasser ansprechen könnten.

Krupp hatte gleich zu Anfang das Wort ergriffen: „Mir sind kürzlich Tatsachen bekannt geworden, dass K+S falsche Informationen verbreitet hat.“ Ein K+S-Mitarbeiter hat vor dem Umweltausschuss des Celler Kreistags berichtet, dass Krupp eine wirtschaftliche Verwertung des Haldenmaterials nicht für möglich halte. „Diese Aussage, die man mir untergeschoben hat, entspricht nicht meiner Auffassung“, stellte Krupp am Montag noch einmal klar. Wegen dieser Falschinformation stelle sich für ihn die Frage nach der Zuverlässigkeit des Unternehmens. Schleicher zeigte Verständnis für Krupps Verärgerung. Aber: Das LBEG werde für die Beurteilung des K+S-Antrags nicht das Protokoll der Ausschusssitzung heranziehen, versprach er.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass K+S zur Einführung das Projekt kurz vorstellen sollte. Dann müssten auch die Bürgerinitiativen Gelegenheit zu einem Kurzvortrag bekommen, forderte Beu. Daraufhin verzichtete Schleicher auf den K+S-Vortrag.

Schnell zeichnete sich ab, dass man am Montag wohl nicht die ganze Tagesordnung mit 17 Punkten würde abarbeiten können. Für den Fall hatte das LBEG vorsorglich angekündigt, die Erörterung der 32 Stellungnahmen der Behörden und Naturschutzverbände am Dienstag fortzusetzen. Für Donnerstag, 10. Januar, ist an gleicher Stelle eine Diskussion über die 500 Einwände von Privatpersonen geplant.

Schließlich ging es dann doch noch um die Sache. Beu machte deutlich, dass mit der Haldenabdeckung nichts anderes als eine Abfalldeponie entstehe, weil auch Material der Schadstoffklasse Z2 eingebaut werden soll. Die Genehmigungsbehörde hat letztlich auch zu entscheiden, ob der Einbau von belastetem Material Abfallbeseitigung oder -verwertung ist. „Die Maßnahmen haben eindeutig Verwertungscharakter“, sagte Matthias Vogt, Rechtsanwalt der K+S AG. Die Abfälle würden für einen sinnvollen Zweck genutzt.

Verhandlungsleiter Schleicher wollte von K+S wissen, warum das Unternehmen die Flutung des Bergwerks mit Wasser aus der Fuhse jetzt wegen der Haldenabdeckung strecken wolle. Damals bei der Genehmigung habe K+S eine Eilbedürftigkeit geltend gemacht. Ihm antwortete K+S-Projektleiter Gerold Jahn, dass die Flutung inzwischen die 860-Meter Sohle erreicht habe. Das Grubengebäude sei jetzt so weit stabilisiert, dass man den Flutungszeitraum verlängern könne. „Auf einmal spielen die Gefahren von damals keine Rolle mehr. Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang“, schimpfte Beu.

Die Bürgerinitiativen und die Gemeinde Uetze fordern, die Halde per sogenanntem Spülversatz zu verflüssigen und wieder ins Bergwerk zu pumpen. Dann müsste auch nicht das Material für die Abdeckung der Halde angefahren werden, argumentierte der Geologe Krupp. „Und Sie stabilisieren das Bergwerk“, betonte er.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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