Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wedemark Milan-Aufzucht steht gegen Windkraft
Umland Wedemark Milan-Aufzucht steht gegen Windkraft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:02 10.12.2018
Viele Fotos kann die BI Brelingen vom kreisenden Rotmilan vorlegen. Quelle: Jörg Brucks
Brelingen

 In der Vorweihnachtszeit vor drei Jahren kam die Planung eines Windkraftvorranggebietes bei Brelingen erstmals in den Ortsrat – ein Zündstoff. Was damals erst im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) 2016 ausgewiesen war, ist ein Jahr später mit dem RROP in Kraft getreten – und könnte in seiner Wirkung demnächst schon wieder Makulatur sein. Denn der dort in Brelingen beheimatete Rote Milan hat nachweislich Junge aufgezogen. Der Raubvogel steht unter strengem Artenschutz der EU.

Die BI Brelingen hat auf diese neuen Tatsachen jetzt mit Verve noch einmal hingewiesen. Schon bei der Aufstellung des RROP wurden viele umweltrelevante Argumente vorgebracht. „Alle Verwaltungen hatten frühzeitig Hinweise über Horste des Rotmilans im Bereich um und innerhalb des Gebietes. So ist schon damals Brutverdacht dokumentiert“, sagte Dieter Schröder, der zusammen mit Jörg Brucks und Jörg Sievers im BI-Sprecherteam ist. Aber die Sachlage habe sich noch einmal geändert: „Dieses Jahr war tatsächlich eine erfolgreiche Brut da mit zwei Jungen“. Dies sei allen Naturschutzbehörden und der Gemeinde mitgeteilt worden und bekannt.

Bürger können Bedenken äußern

Verwundert zeigten sich die BI-Aktiven daher in einem Pressegespräch, dass die Gemeindeverwaltung aktuell dennoch die erforderliche Flächennutzungplanänderung für diesen Bereich links der Kreisstraße 103 zwischen Brelingen und Wiechendorf vorbereitet. „Jetzt könnten Gemeinde und Bürgermeister doch sagen, wir lassen das Thema sterben“, sagte Brucks. „Wir vermuten aber, dass die öffentliche Auslegung des geänderten Flächennutzungsplans noch in diesem Jahr erfolgt.“ Für diesen Fall, betont die BI, hätten jedenfalls interessierte Bürger noch die Möglichkeit, formlos Bedenken und Anregungen dazu einzureichen. Ebenso werde der Flächennutzungsplan auf die Tagesordnung im Ortsrat kommen. „Dann muss auch die Politik Stellung beziehen“, sagen die BI-Sprecher unisono. Im ersten Anlauf zum RROP-Entwurf hatte der Ortsrat 2015 dieses vorgeschlagene Vorranggebiet Windkraft abgelehnt.

Vertreten hatte eine solche Ansiedlung damals Bürgermeister Helge Zychlinski, um die Wertschöpfung (Gewinnerzielung) durch Windkraft nicht Investoren zu überlassen, sondern in einem Eigentümermodell vor Ort zu halten. Danach sollten Wedemärker Grundeigentümer, Gemeindewerke und Energiegenossenschaft Wedemark in unterschiedlichen Anteilen für den Windpark stehen. Wenn allerdings gutachterlich dokumentiert herauskommen werde, dass schützenswerte Vögel in dem Bereich lebten, hatte Zychlinski zugleich eingeräumt, „ist das Vorranggebiet tot, der Drops gelutscht“.

„Die Fläche ist sehr wertvoll“

Der Drops sei nun gelutscht, rekurrierte die BI. Vielmehr regt sie nun an, die betroffene Fläche in ein Landschaftsschutzgebiet umzuwandeln. „Die Fläche ist sehr wertvoll. Es gibt mehrere Milan-Horste dort, und es stehen regelmäßig auch Kraniche in dem Gebiet“, sagte Schröder. Kritisch vermerkten die Aktiven, dass sich die Gemeinderatsfraktion der Grünen und der Nabu Wedemark bislang zu der Thematik nicht geäußert hätten. Sie sollten sich doch jetzt positionieren – „gleiches gilt natürlich auch für die anderen Ratsfraktionen“, forderte die BI.

Verwaltung arbeitet an Vorlage

„Die Vorlage für die Änderung des Flächennutzungsplans wird zurzeit verwaltungsintern abgestimmt und wird bald fertig vorliegen“, sagte Gemeindesprecher Ewald Nagel dieser Zeitung. Für die Flächennutzungsplanänderung hatte die Kommune im Mai dieses Jahres ein Büro beauftragt. Da das Regionale Raumordnungsprogramm grundsätzlich Windkraft an der besagten Stelle vorsehe, sei die Gemeinde verpflichtet, den Flächennutzungsplan dem anzupassen, „und das haben wir getan“. Ja, die Gemeinde habe Kenntnis von der Milanaufzucht.

„Weil Windkraft dort ermöglicht wird, heißt das nicht, dass Windräder dort stehen werden“, sagte Nagel hinsichtlich der vorgetragenen Bedenken der BI noch einmal. Das Verfahren sehe dann noch viele Einzelprüfungen und weitere Schritte vor.

RROP legt strukturelle Entwicklung fest

Im gültigen RROP wird die räumliche und strukturelle Entwicklung der Region Hannover für die nächsten zehn Jahre als Rahmen für die städtebauliche Entwicklung in den Städten und Gemeinden sowie für raumbezogene Fachplanungen festgelegt, etwa die Verkehrsplanung oder die Rohstoffgewinnung. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Siedlungsentwicklung (Wohnen und Gewerbe), die Verkehrsinfrastruktur, die Energieversorgung – dabei vor allem die Konzentration der Windenergienutzung auf wenige raumordnerisch geeignete Flächen –, aber auch der Schutz von Natur und Landschaft sowie von Freiräumen.

Von Ursula Kallenbach

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine Französin, eine Italienerin und eine Hamburgerin verabreden ein Treffen an den Exponaten der Rock-Band im Bissendorfer Heimatmuseum – und machen Fotos als Andenken.

10.12.2018

Gleich in vier Ortschaften haben Weihnachtsmärkte die Wedemärker zum Verweilen eingeladen. Gleichwohl: Das Wetter war alles andere als einladend. Doch die Besucher trotzten Regen und Sturm.

09.12.2018

Ein 84 Jahre alter Fußgänger ist in Mellendorf auf einem Zebrastreifen von einem Auto erfasst und schwer verletzt worden. Der Unfallfahrer flüchtete und wird nun von der Polizei gesucht.

09.12.2018