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14:37 29.06.2018
Helge Zychlinski (von links), Niclas Palmgren, Inger Elmstål, Anton Sjödell und Leif Österlind haben sich bei einem Kurzbesuch dennoch intensiv ausgetauscht. Quelle: Kallenbach
Wedemark

Was 2012 mit ersten Kontakten begann, wird jetzt auf die europäische Ebene gehoben. Für das gemeinsame Projekt Gewinnung von Fachkräften wollen das schwedische Gislaved und die Gemeinde Wedemark eine EU-Förderung beantragen. Dritte im Bunde der drei etwa gleich großen Kommunen ist das finnische Jakobstad. Erste Entwürfe zu dem Antrag sind herausgegangen; seit 2017 wird daran gearbeitet.

Federführend für die Bewerbung zum Förderprogramm „Interreg Baltic Sea Region“ ist Gislaved. Für die schwedische Flächengemeinde - fünfmal so groß, aber ähnlich wie die Wedemark mit 30.000 Einwohnern - stattete Niclas Palmgren in der Delegation letztmals als Bürgermeister in offizieller Mission seinen Besuch ab. Er ist der Mitbegründer der Zusammenarbeit zwischen der Wedemark, Jakobstad in Finnland, und Gislaved. Sein Nachfolger im Amt, Anton Sjödell, holte sich bei dem Kurzbesuch erste Einblicke in die Wedemark.

„Ich hoffe, dass wir gut zusammenarbeiten werden“, gab Bürgermeister Helge Zychlinski mit auf den künftigen gemeinsamen Weg. Wie es in den nächsten Monaten weitergehe, hänge auch von der EU-Förderung ab. „Aber unabhängig davon wollen wir Kontakt halten, uns unter den Verwaltungen austauschen und möglichst auch junge Leute und Schüler in den Austausch bringen“, verdeutlichte Zychlinski. „Da würden wir gern weitere Möglichkeiten nutzen – schön wäre es im EU-Rahmen, aber schön ist es auch so“, sagte Zychlinski am Donnerstag im Bürgerhaus in Bissendorf bei einem Gespräch über die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der internationalen Kooperation.

Fachkräftemangel tangiert beide Kommunen

Fachkräfte zu gewinnen, ist ein vorrangiges Thema für Verwaltungen und Wirtschaftsunternehmen in der Wedemark und in Gislaved. „Wir wollen Grundlagen erarbeiten, was wir als Kommunen dafür tun können“, stellte Sjödell fest. Die großen Unterschiede in den Strukturen sehen die Bürgermeister nach diesen Gesprächen als zusätzliche Impulse an.

„Wir haben große Konkurrenz bei der Fachkräftegewinnung durch die Hauptstädte“, waren sich die Bürgermeister einig. Aber die Wege sind unterschiedlich. So plant Gislaved als Pilotprojekt im Rahmen der EU-Förderung, den Fachkräftenachwuchs im fast eineinhalb Stunden entfernten Göteborg unter den dort wohnenden und studierenden jungen Leuten zu gewinnen. „Wir wollen sie ein- bis zweimal in der Woche nach Gislaved bringen“, erklärte Sjödell.

„Sie bleiben sonst in den großen Städten wegen des Lifestyles. Aber wir versuchen, lokale Beziehungen zwischen den lokalen Unternehmen und den Studenten zu schaffen, so dass sie wissen, was sie zu Hause in Gislaved haben“, machte in der Runde Leif Österlind deutlich. Dies sei schwierig zu managen, aber es sei der Hauptgrund für das Projekt, sagte der oberste Wirtschaftsförderer für die Region Gislaved. Gewünscht sei der Wissensfluss, um die Wirtschaft zu entwickeln und zu stärken.

Schweden bekommen viel geboten

Kommunale Strukturen und Steuern sind in Schweden, das wurde auch deutlich, vollkommen anders geordnet. So zählt die Gislaved-Verwaltung etwa 2800 Beschäftigte – einschließlich Lehrern und Erziehern. Öffentliche Einrichtungen wie in der Wedemark das Heimatmuseum werden nicht ehrenamtlich, sondern hoch professionalisiert geführt mit einem hohen Aufgabenkatalog. Dafür zahlen die meisten Schweden nur lokale Steuern, diese aber in erheblicher Höhe. Jede Kommune habe dieselben Pflichten gegenüber ihren Einwohnern, berichteten die schwedischen Kommunalvertreter. „Wir haben hohe Steuern, aber die Einwohner bekommen auch viel.“

Die Wirtschaftsförderung in der Region Gislaved ist mit acht Mitarbeitern besetzt. „Auch das zeigt den hohen Professionalisierungsgrad“, betonte Zychlinski. Jedoch: Private Unternehmen unterstützen die Wirtschaftsförderung zu 50 Prozent, berichtete Inger Elmstål, Vorsitzende dieser Wirtschaftsfördergesellschaft in Gislaved. Auch Erfahrungen aus großen Industrien, national und international, gingen in diese gemeinsame Gesellschaft ein. Die Aufgabe dort wie hier: befähigte Arbeitskräfte auftun, als Arbeitgeber für sie attraktiv sein und sie nachhaltig binden.

Zum Besuchsprogramm gehörten in Bissendorf Amtshof und Amtshofsanierung, das Heimatmuseum und Bürgerhaus, aber auch Natur und Landschaft, Moor und Mooriz in Resse. In Gailhof hatte die Spedition Ebeling ihre Tore geöffnet und Themen der Regionallogistik und Erweiterung dargestellt.

Bereits Ende 2012 hatte eine Delegation aus der Wedemark, damals mit Bürgermeister Tjark Bartels, die schwedische Kommune kennengelernt. Ein privates Auffrischen der ersten Kontakte bei Bartels zu Hause war daher jetzt auch bei diesem Besuch der Schweden in der Wedemark ein Muss.

Von Ursula Kallenbach

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