Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wedemark Gegner der Tiermast rüsten sich
Umland Wedemark Gegner der Tiermast rüsten sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 12.01.2019
Eckehard Niemann, Koordinator des Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ informiert die Zuhörer. Quelle: Gabriele Gerner
Elze/Bennemühlen

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese neue Hähnchenmastanlage verhindern werden“, sagt Agrar-Experte Eckehard Niemann. Gemeint sind die Pläne eines Elzer Landwirts, seine bestehende Hähnchenmastanlage von derzeit 79.000 Tierplätzen auf 164.000 Mastplätze auszubauen. Niemann, Koordinator des Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, hat Erfahrung mit Klagen gegen Massentierhaltungsanlagen.

Rund 80 Gäste sind zur Informationsveranstaltung des Vereins Contra Industriehuhn Wedemark am Dienstagabend in Bennemühlen gekommen. Die Vereinsvorsitzende Claudia Preuß-Ueberschär und ihre Mitstreiter hatten eingeladen, um das weitere Vorgehen gegen die Erweiterung der Anlage vorzustellen.

Vereinsvorsitzende Claudia Preuß-Ueberschär (von links), 2. Vorsitzende Christiane Hussels und Schriftführer Siegfried Götz verfolgen die Ausführungen von Eckehardt Niemann. Quelle: Gabriele Gerner

Die Zeit drängt. Im März soll eine Entscheidung zur Baugenehmigung der Hähnchenmastanlage durch die Region Hannover fallen, schätzt die zweite Vorsitzende Christiane Hussels. „Falls die Region die Baugenehmigung erteilt, wollen wir mit einem Anwalt dagegen angehen“, bekräftigt sie. Die Anwaltskosten von geschätzt rund 30.000 Euro will der Verein mit Spenden bestreiten. „Als Kläger muss sich ein Umweltverband finden“, erklärt Hussels und fügt hinzu: „Der Nabu wird das wahrscheinlich übernehmen.“

Ist der Betrieb ein landwirtschaftlicher oder ein gewerblicher?

Eckehard Niemann erläutert, wo ein Kläger ansetzen könne. Neben mangelndem Brandschutz, Tierwohlgefährdung und dem Risiko gefährlicher Emmissionen ist für ihn vor allem ein Punkt entscheidend: „Im Baugesetzbuch steht, dass man im Außenbereich einer Gemeinde – und darum handelt es sich bei dem betroffenen Gebiet – grundsätzlich nicht bauen darf. Eine Ausnahme gilt für landwirtschaftliche Betriebe.“ Ist der Betrieb kein landwirtschaftlicher, könne keine Genehmigung erteilt werden.

Ob der Hähnchenmastbetrieb baurechtlich als landwirtschaftlicher oder gewerblicher Betrieb einzustufen sei, hänge von der so genannten Flächenbindung ab. „Diese besagt“, so Niemann, „dass ein Landwirt theoretisch dazu in der Lage sein muss, die Hälfte des Futters für seine Tiere selbst zu produzieren.“ Dass dies bei dem besagten Betrieb der Fall sei, bezweifelt Niemann. Rechtssicherheit schaffe ein Blick in die Futterflächennachweise. Diese habe die Region bislang nicht veröffentlicht.

Vereinsvorsitzende Preuß-Ueberschär will ihre Mitstreiter in den kommenden Tagen per E-Mail dazu auffordern, bei der Region Hannover mit Nachdruck diese Unterlagen anzufordern. Auch die grüne Regionsabgeordnete Ute Lamla versprach diesbezüglich Unterstützung.

Ermutigt werden die Wedemärker Maststall-Gegner von verschiedenen Bürgerinitiativen, die seit Jahren gegen Massentierhaltung kämpfen. Friedhelm Torney von der Bürgerinitiative Flotwedel sagte: „Ich bin sicher, die Bürger unterstützen Sie mit Spenden. Wir hatten damals das für die Klage nötige Geld innerhalb von einer Woche auf unserem Konto.“ Uschi Helmers von der Bürgerinitiative Wietze sagte: „Wichtig ist ein gutes Flugblatt, mit dem jeder Haushalt in der Umgebung informiert wird.“

Gut informiert über die Nachteile der Massentierhaltung waren die angereisten Gäste indes. Ein älterer Herr schilderte seine gesundheitlichen Probleme, die durch antibiotikaresistente Keime entstanden waren. „Ich lehne diese Art der qualvollen Tierhaltung ab“, sagte Norma Behnsen aus Wennigsen. Sabrina Heidrich aus Elze stimmte ihr zu: „Ich habe nichts gegen das Töten von Tieren, aber gegen diese Art des Lebens.“

Interview: Fakten und Auflagen zur Tiermast

Will ein Landwirt eine Tiermastanlage bauen oder erweitern, muss er zahlreiche Brandschutzauflagen beachten. Nur, wenn diese erfüllt werden, kann der Betrieb von der Region genehmigt werden. Ein Interview mit Regionssprecher Klaus Abelmann.

Von Gabriele Gerner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung hat ein heute 24 Jahre alter Bauarbeiter seinen Führerschein verloren. Trotz eines vom Gericht attestierten „Himmelfahrtskommandos“ kam er glimpflich davon.

11.01.2019

Sichere Fahrradparkplätze, kostenlose Elektro-Lastenräder zum Einkaufen – die Veranstaltung „Bissendorf – sattelfest und radverliebt“ widmet sich dem Thema besserer Fahrradfreundlichkeit.

08.01.2019

Der Akkordeon-Club Langenhagen präsentiert sich am 13. Januar bei einem Neujahrskonzert. Angesichts der vielen in der Wedemark wohnenden Ensemblemitglieder wieder in der St. Michaeliskirche in Bissendorf.

08.01.2019