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Wedemark Pharma-Tochter will endlich produzieren
Umland Wedemark Pharma-Tochter will endlich produzieren
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14:25 27.07.2018
Geschäftsführer Carsten Hempel (Mitte) erläutert in der Werkhalle die gewaltigen Installationen und die Betonwanne als Grundwasserschutz. Quelle: Kallenbach
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Bissendorf

„Es ist noch viel zu tun“, stellte Geschäftsführer Carsten Hempel sachlich fest – denn Emotionen würden in dem Unternehmen im Bissendorfer Gewerbegebiet gerade auch nicht helfen. In die Produktion, die zunächst im ersten, dann im zweiten Quartal 2018 starten sollte, konnte das neu angesiedelte Unternehmen Kirsch Pharma HealthCare noch nicht einsteigen – wird es aber bald.

Ein 20-Millionen-Vorhaben wird dort seit dem Richtfest im Mai 2017 hochgezogen – ein Start-up-Unternehmen in der Wedemark, wenn auch eine 100-prozentige Tochter der etablierten Firma Kirsch Pharma in Salzgitter. Wirkstoffmischungen einzuwiegen und in kleinen Faltschachteln zu verpacken, ist der erste Auftrag in Bissendorf. In Salzgitter werden diese Mineralsalz-Mischungen seit Jahrzehnten in größeren Gebinden hergestellt. „Es ist kein eigenes Medikament. Wir arbeiten im Lohnauftrag für den, der die Rezeptur vorgibt und vorschreibt, wie die Mischung stabil zu verpacken ist“, verdeutlichte der Geschäftsführer und beteiligte Partner, Carsten Hempel, jetzt bei einer Führung durch die Hallen. Auf ihrer Sommertour machte sich dabei eine Gruppe aus CDU-Ratsfraktion und Ortsrat Bissendorf ein Bild.

Produktion läuft ohne Antibiotika und Hormone

Auf den ersten Schritt des Verpackens und Vertriebs soll später die eigene Medikamentenherstellung folgen. „Das jetzige Produkt dient als Kristallisationspunkt für das, was wir künftig anbieten werden“, erklärte Hempel. Insgesamt unterliege die Produktion der Arzneimittelüberwachung der Gewerbeaufsicht Hannover. „Das Produkt ist so harmlos wie irgendetwas, eine Elektrolyt-Mischung gegen Durchfall“, versicherte der Geschäftsführer auf Fragen, ob von den Stoffen eine Gefährdung ausgehen könne. Es werde weder mit Antibiotika noch mit Hormonen gearbeitet – eine beruhigende Information auch für die Anlieger im benachbarten Wohngebiet. „Wir müssen nicht einmal unsere Abwässer neutralisieren; alles darf laut Baugenehmigung in die Kanalisation geleitet werden.“ Sollten irgendwann andere Substanzen verwendet werden, wären laut Genehmigungsauflagen vor Einleitung in die Kanalisation andere rückhaltende Stufen einzubauen. Die Halle mit dem Hochregallager für den Wirkstoff Glukose (Wassergefährdungsstufe I) ist vollständig als Betonwanne gebaut, so dass nichts ins Grundwasser gelangen kann.

Auch die Standards für die Emissionen in die Luft seien hoch, berichtete Hempel. Die zu erwartende Lärmemission, die von den Rückkühlern auf dem Dach ausgehe, soll die zulässigen Emissionswerte um ein Vielfaches unterschreiten. „Dennoch ist es lauter, als wenn dort gar nichts stünde“, räumte er für den Gewerbebau ein.

Die Verzögerungen hatten viele Gründe. Zuletzt wurde nun die große Verpackungsmaschine aufgestellt. „Sie sollte eigentlich im November 2017 geliefert werden“, berichtete der Geschäftsführer. Dass diese Maschine die weltweit schnellste sein soll, hatte jedenfalls ihren Weg in die Wedemark eher nicht beschleunigt aufgrund der Nachfrage. Noch ist das Personal nicht komplett. 13 Mitarbeiter stehen für die Produktion bereit, bis zum Ende des Jahres sollen es 20 sein. „Wenn wir dann produzieren, gehen wir in den Schichtbetrieb“, erläuterte der Geschäftsführer. Der Produktionsbereich mit pharmazeutischen Maschinen in der großen Halle sei erst zu einem Drittel ausgebaut. „Da ist noch ganz viel Platz für Innovationen.“ Und nun kommen doch Emotionen ins Spiel: „Ich brauche Leute, die dafür brennen“, warb Hempel. Ein IT-Leiter werde noch gesucht, ebenso ein Vertriebsleiter – beide „nicht an jeder Straßenecke zu finden“.

Die Besucher aus der Kommunalpolitik durften mitnehmen, dass die Politik und die Gemeindeverwaltung alles richtig gemacht haben. „Die Zusammenarbeit war klasse. Alles ging wirklich sehr zügig“, bescheinigte ihnen der Kirsch-Pharma-Geschäftsführer. 

Partner bewiesen einen langen Atem

Einen langen Atem haben das Unternehmen Kirsch Pharma Salzgitter und die Gemeinde Wedemark bewiesen, bis es überhaupt zu der Ansiedlung der Pharma-Tochter Kirsch Pharma HealthCare im Bissendorfer Gewerbegebiet kam. Vor 18 Jahren kaufte der Firmeninhaber und -gründer Heinz-Jürgen Kirsch dort die ersten Grundstücke. Er erwarb drei Parzellen. Seither stand das Unternehmen in Kontakt mit der Kommune – über viele Jahre mit dem damaligen Wirtschaftsförderer Carsten Niemann. Auf der Seite des Investors gingen wiederum viele Jahre ins Land, bis die erforderliche Investitionssumme erwirtschaftet war und die Planung 2015 konkreter werden konnte. Ursprünglich war Kirsch Pharma vor 40 Jahren in Isernhagen gegründet worden; die Elektrolyt-Produkte wurden international eingesetzt, um in Regionen mit gesundheitlicher Unterversorgung Leben zu retten.

Im Gewerbegebiet Bissendorf musste für die Ansiedlung ein großer Wedehammer zurückgebaut werden, die Bauleitplanung musste geändert werden; jetzt regelt ein neuer, kleinerer Wendehammer die Zufahrt. Das Werk am Langen Acker 34-38 belegt ein 32 000 Quadratmeter großes Grundstück. uc

Von Ursula Kallenbach

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