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Die Meitzer möchten ihre Alte Schule kaufen

Wedemark Die Meitzer möchten ihre Alte Schule kaufen

Das kleine Meitze hat Großes vor: Eine Versammlung der Dorfbewohner hat am Donnerstagabend einhellig den Erwerb der alten Dorfschule auf den Weg gebracht. Die Meitzer wollen Geld und Arbeit investieren und das denkmalgeschützte Haus zu einem lebendigen Dorfzentrum machen.

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Im linken Teil der denkmalgeschützten Schule liegt das ehemalige Ein-Klassen-Zimmer.

Quelle: Kallenbach

Meitze. Die Dorfbewohner schienen selbst überwältigt von so viel Übereinstimmung in einer langen Diskussion. Von den etwa 300 per Wurfzettel eingeladenen Haushalten im Ort trugen sich 91 Teilnehmer am Abend in die Unterschriftenliste ein. 84 sagten überzeugt „Ja“ zu dem Vorhaben, sechs enthielten sich. Eine Gegenstimme drückte die Skepsis aus, dass die Euphorie vom Anfang sich nicht in tatkräftige Mitarbeit Aller umsetzen werde.

Doch eine andere rechnete dagegen: 300-mal ein Beitrag von 1500 Euro, und schon wäre das Haus gekauft. Wieder andere drängten mit Bündeln von Ideen und Energie zum Handeln. Das Mandat, das die Dorfgemeinschaft damit erteilt hat: Es soll versucht werden, die geschichtsträchtige „Alte Schule“ in der Ortsmitte in die eigene Hand zu bekommen, um sie in ein Dorfgemeinschaftshaus umzuwandeln. Angedacht ist, dass die jetzigen örtlichen Vereinsvorstände sich zu einem Trägerverein formieren.

Das Haus steht leer, seit der letzte Bewohner, Reinhard Wegner, im August gestorben ist. Eine Erbengemeinschaft ist angetreten und klärt zurzeit intern ihre Absichten. Verlautet von dieser Seite sei aber, dass das Gebäude quasi ab sofort zum Verkauf stehe, berichtete in der Versammlung Christoph Chilla.

Der Meitzer ist Hauptinitiator des Plans, die wohl einmalige Chance für das Dorf zu ergreifen, sich in einem solchen Gemeinschaftsprojekt für die Zukunft zusammenzufinden. Er nahm das Mandat der Meitzer mit und hat gestern früh umgehend der Erbengemeinschaft das grundsätzliche Interesse der Meitzer signalisiert. Von den Erben ist die Möglichkeit zu einer Besichtigung des Gebäudes in Aussicht gestellt. Ortsbürgermeister Jürgen Benk leitete die Diskussion. Er will begleitend weitere Informationen bei der Gemeinde Wedemark einholen. Sie soll die Schule seinerzeit vertraglich auf 30 Jahre an die Wegners abgetreten haben. Ein noch gültiges Rückkaufs- oder Vorkaufsrecht wäre abzuklären. „Das Gebäude ist es wert, dass man sich engagiert – ein Stück Identität des Dorfes“, betonte Benk. Die starke Botschaft aus der Versammlung richte sich auch an Ortsrat und Gemeinde, mitzuwirken, dass das Gebäude in der Dorfgemeinschaft erhalten bleiben kann.

Denn, das ist den Dorfbewohnern klar, es wird auch andere Kaufinteressenten geben, die höher bieten können als ein Dorf mit langfristigem Plan und Spenden. Eine Preisvorstellung der Erben ist noch nicht bekannt.

Meitzer Dorfschule von 1882 markiert örtliche Bedeutung

In einer Serie über die alten Schulen in der Wedemark in der Ausgabe dieser Zeitung vom 10. Januar 2006 wurden Gebäude und Wertigkeit der Meitzer Schule so beschrieben:

„In der Meitzer Dorfschule ist bis heute so viel nicht verändert: Der große Klassenraum im linken Teil des Hauses besteht noch immer. Jahr um Jahr überwintern dort die frostgefährdeten Terrassenpflanzen mehrerer Dorfbewohner. Auch von außen zeigt die Dorfschule unverändert das typische Aussehen des dörflichen Ziegelbaus. Sie wurde 1882 erbaut und gehört zu den ersten höchst funktionalen Schulbauten mit ab dann großzügig belichteten Schulstuben und einem Pausenhof. Erstmals war in diesen Schulbauten die Lehrerwohnung mit einem kleinen Wirtschaftstrakt den schulischen Erfordernissen untergeordnet. Über Jahrhunderte waren Klassenzimmer bis dahin nur Teile von Wirtschaftsgebäuden, in denen der Lehrer wohnte und seine Existenz überwiegend aus der Landwirtschaft bestritt. Um Schüler zu unterrichten, wurden über viele Generationen auch Seitenschiffe von Kirchen abgeteilt oder Kapellen umgenutzt. Das 1845 erlassene Hannoversche Volksschulgesetz krempelte das Schulwesen, die Lehrerbesoldung und das Raumprogramm, wie man heute sagen würde, gründlich um. Als Beispiel für die damals eingeführte moderne Schule nennt die Denkmalpflegerin Carolin Krumm das Schulgebäude in Abbensen, das trotz Umbauten noch Denkmalqualitäten zeigt, und das in Meitze. Aber auch in anderen Ortsteilen der Wedemark, etwa in Bennemühlen und in Hellendorf sind alte Schulen noch erhalten. Sinnsprüche über den Eingängen lassen die Nutzung eindeutig erkennen. ,Lasset die Kindlein zu mir kommen’ zählt zu den am häufigsten verwendeten Bibelsprüchen an Schulbauten jener Zeit. Er findet sich auch an dem Bau an der Dorfstraße in Meitze. Die Verfasserin des neu herausgegebenen Bandes ,Baudenkmale in der Region Hannover, Teil 2’ hebt an der Meitzer Dorfschule besonders die Funktion der Schule mit Glockenturm als ein Zentrum des Dorfes hervor. Auch der gotisierende Staffelgiebel über dem Eingang betone die Bedeutung des Gebäudes, meint Krumm. Das Haus wird von einer Meitzer Familie bewohnt und wurde zum Glück der Denkmalpflege bisher nur innen umgestaltet.“

Dorf muss faires Angebot entwickeln

Ein Kommentar von Ursula Kallenbach

Die Meitzer haben noch Kapazitäten, wie man sieht. Retteten sie nicht auch ihren historischen Schlauchturm, der von der Gemeinde schon aufgegeben war? Sie wissen also, dass manche Vorhaben viel Arbeit und Ausdauer erfordern. Aus der Versammlung nehmen viele Dorfbewohner aber auch viel Schwung mit, weil sie wissen, dass schon viele andere Dorfprojekte in der Wedemark gelungen sind und weiter wachsen wie das Kulturzentrum Brelinger Mitte, der dortige Lebensmittelladen, die Pfarrscheune an der Elzer Kirche, der Verein Bürger für Resse mit seinem Platz im Mooriz und der Lebensmittelmarkt in Resse.

Aber: Meitze kann noch sang- und klanglos scheitern. Denn Gebäude und Fläche werden – dort mitten im Dorf – auch Bauinvestoren interessieren. Es hängt jetzt alles daran, dass der Erbengemeinschaft aus der Dorfgemeinschaft bald ein faires Angebot gemacht werden kann, das sie überzeugt. Ein Paket mit verbindlichen Partnern zu schnüren könnte eine gute Idee sein. Und warum nicht auch mit den bunten Vorstellungen von Dorfkultur für die Meitzer Mitte um den Zuschlag werben? Auch Erben teilen vielleicht gern Visionen.

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