Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Örtlicher Einzelhandel fordert Konzept
Umland Wedemark Nachrichten Örtlicher Einzelhandel fordert Konzept
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:53 26.06.2018
Von Ursula Kallenbach
Mellendorferin und Geschäftsfrau an der Wedemarkstraße: Silke Tobschall engagiert sich als MPM-Vorsitzende für den örtlichen Handel. Quelle: Kallenbach
Mellendorf

Der Gewerbeverein Mittelpunkt Mellendorf (MPM) hat mit der besonderen Verkehrslage der Geschäfte an der Wedemarkstraße zu kämpfen. Welche Themen Vorstand und Mitglieder außerdem umtreiben, erfuhr HAZ-Mitarbeiterin Ursula Kallenbach von der Vorsitzenden: Silke Tobschall (50) ist selbst Geschäftsfrau dort seit 2011.

Frau Tobschall, Sie sind mit Schuhen ein klassischer, angestammter Einzelhandel an der Hauptverkehrsader durch Mellendorf. Was sehen Sie als das massivste Problem derzeit an, das unmittelbar gelöst werden muss?

Ganz sicher die Verkehrssituation vor den Bahnschranken, auch angesichts des Umleitungsverkehrs von der A 7 mit dem weiter anhaltenden Verkehrsrückstau. Natürlich führen verstopfte und randvolle Straßen dazu, dass die einheimische Bevölkerung davon abgehalten wird, ihre Einkäufe im Ort zu tätigen. Gerade die Wedemarkstraße ist an manchen Tagen derartig voll, dass es kaum ein Durchkommen gibt, von der Lärm- und Abgasbelästigung ganz zu schweigen. Von der L 190 bis zum Bahnübergang steht dann LKW an LKW, der Verkehr bewegt sich allenfalls im Schritttempo voran.

Welche erwarten Sie von der Gemeinde in dieser Situation?

Ansprechperson für diese Thematik ist in unseren Augen die Wirtschaftsförderung. Diese Position wird leider erst wieder am 1. Juli besetzt. Wir werden sofort den Kontakt suchen und sicherlich auch die Verkehrssituation ansprechen.

Die Wedemarkstraße ist ja ohnehin alles andere als eine entspannte Einkaufsmeile. Was halten Sie als Sofort- und als mittelfristige Maßnahmen für notwendig, um Kunden dort einen netteren Einkauf zu ermöglichen?

Ein Einzelhandelskonzept, das den Höfen und Plätzen ein größeres Augenmerk verliehe, wäre aus unserer Sicht ein Richtung weisender Weg für die Zukunft. Die Instandsetzung vorhandener Parkplatzflächen, zum Beispiel auf Höhe und Seite der Fleischerei Hoppe, wäre in unseren Augen genauso vorrangig zu behandeln, wie die Pflege der Grünflächen und die Bepflanzung und Verschönerung der Straße allgemein. Die von der Wedemarkstraße abgehenden Hofsituationen - Hemmenhof, Hufschmiedeplatz und Fachwerkzeile - sollten mehr in den Blick des Fußgängers und Einkäufers rücken. Bepflanzungen und Ruhezonen auf diesen Plätzen könnten dazu beitragen, den Einkaufenden ihre Wege angenehmer zu gestalten.

Wären auch bauliche Anstrengungen der Hausbesitzer und Vermieter von Geschäftsräumen dort erforderlich, um die Vorteile des Handels und Einkaufens am Ort zu unterstützen?

Eine attraktive Gestaltung der Geschäfte nach außen hin spielt sicherlich eine große Rolle. Allerdings liegt dies im Ermessen eines jeden Vermieters. Andererseits wird es für viele Hausbesitzer immer schwieriger, solvente und langjährige Mieter für ihre Geschäftsräume zu bekommen; daher ist es gerade in einem Ort wie Mellendorf schwierig, Einfluss auf bauliche Neuerungen zu nehmen.

Es gibt über die Jahre oft Klagen über zu hohe Mieten für Geschäftsräume, die dort nicht zu erwirtschaften sind im direkten Kundengeschäft. Welche Standortmängel sind denn individuell nicht aufzufangen?

Der Durchgangsverkehr, wie gesagt. Für eine Verkehrsberuhigung sehen wir bislang keine Konzepte und Möglichkeiten. Zudem hat Mellendorf keinen wirklichen Ortskern; die Geschäfte verteilen sich an der langgezogenen Wedemarkstraße, und zumeist stehen sie ohne direkte Verbindung oder Nachbarschaft zueinander.

Welche Wege haben Mellendorfer Kaufleute inzwischen gesucht, um dies auszugleichen?

Der Vorstand des MPM hat schon bei der letzten Wirtschaftsförderin den Wunsch nach einem Einzelhandelskonzept für Mellendorf geäußert. Wir hoffen, dass diese ersten Versuche jetzt weitergehen können.

Momentan ist der MPM dabei, die „Wedecard“ in Zusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur der Gemeinde ins Leben zu rufen. Dies dient auch einem besseren Zusammenhalt der Kaufmannschaft. Die Mitglieder des MPM werden untereinander zu besonderen Konditionen einkaufen können, dies gilt auch für die Ehrenamtlichen in der Wedemark, die eine Ehrenamtscard besitzen. Durch die gegenseitigen Geschäftsbesuche sollen sich die MPM-Mitglieder darüber hinaus besser kennenlernen und vernetzen.

Was wissen Sie über die Internet-Präsenz Ihrer Mitglieder – und auf welche Weise ist dies Thema in Ihrer Interessenvertretung sowie Schulungen und Veranstaltungen?

Grundsätzlich sind die Internet-Präsenzen Sache des jeweiligen Mitglieds. Die Einschätzung für die Notwendigkeit und eigenen Mehrwert wird unter den Mitgliedern auch sehr unterschiedlich bewertet. Wir bieten dazu Kurzvorträge für unsere Mitglieder an. In unserer Veranstaltungsreihe „Der MPM Stammtisch“ haben wir kürzlich eine Infoveranstaltung zum Thema DSGVO durchgeführt und eine zum Thema der digitalen Sichtbarkeit. Wir unterstützen die Mitglieder dabei sehr gern.

Arbeitet die MPM gemeinschaftlich an einem modernen Konzept?

Hier gab und gibt es in der Tat Nachholbedarf. Im ersten Schritt haben wir unsere Internetpräsenz neu gestaltet. Wichtig ist uns dabei besonders die Interaktion mit unseren Mitgliedern. Jedes Mitglied kann seinen eigenen Bereich selbstständig mit individuellen Inhalten pflegen und erweitern. Zur Verbesserung der Kommunikation untereinander finden unsere Mitglieder zudem ein geschlossenes Netzwerk, um sich auszutauschen, zu unterstützen und zu verabreden. Dateien und Informationen fließen auf schnellstem Wege, ohne dass Mitglieder Social-Media-Plattformen nutzen müssen.

Sind ein MPM-Markt (für den Durchgangsverkehr gesperrt) und verkaufsoffene Sonntage noch die passende Antwort auf die Probleme? Die Veranstaltungen erfordern einen hohen Aufwand – wie sieht Ihre Bilanz aus?

Eine Veranstaltung wie der Wedemarkt, für den alle zwei Jahre der Verkehr im Ort gesperrt wird, hat in unseren Augen nach wie vor eine Zukunft. Der Markt ist ein Fest für den ganzen Ort und wohlgemerkt das einzige dieser Art für Mellendorf. Da steht nicht das Einkaufen im Fokus, sondern vielmehr die Geselligkeit, die Wahrnehmung des eigenen Ortes in Feierlaune, flanieren, schauen, spielen, Spaß haben. Die Fortsetzung der verkaufsoffenen Sonntage kann man gleichwohl differenzierter sehen. Ohne ein zukunftsweisendes Konzept wird es auf kurz oder lang wohl schwierig, eine genügend große Anzahl an Teilnehmern zu gewinnen, um einen solchen Tag erfolgreich zu bestreiten. Die Belebung unserer einzelnen Höfe und Plätze in Mellendorf wird eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Wie beurteilen Sie selbst die Atmosphäre in diesem zentralen Ort in der Wedemark, und sehen Sie sich in Konkurrenz zu Bissendorf?

Die Kunden sehen nicht den einzelnen Ort, sondern den Gesamtverbund der Wedemark. Da stehen Bissendorf und Mellendorf nebeneinander auf gleicher Ebene und nicht als Konkurrenz zueinander. Das Angebot muss sich für den Kunden aus den Einkaufsmöglichkeiten in den nahe liegenden Orten zusammensetzen, zu denen auch Elze zu zählen ist. Man empfiehlt sicherlich eher ein Geschäft im benachbarten Ort, als den Kunden in die Stadt Hannover zu verlieren. Daher sehen wir die Gewerbevereine auch nicht als Konkurrenten um die Gunst der Kunden, sondern bemühen uns um ein ergänzendes Miteinander. Nur so werden wir zukünftig eine Chance haben.

Was sind Ihre Erwartungen oder Forderungen an die Gemeinde Wedemark und die neue Wirtschaftsförderin dazu?

Wir fordern ein Einzelhandelskonzept und Unterstützung für den Einzelhandel. Der geprägte Begriff Wohlfühlgemeinde muss auch beim Einkaufen in Mellendorf seine Berechtigung behalten.

Welche Weichenstellungen erwarten Sie von der Kommunal- und Regionalpolitik, um die Kaufkraft in der Wedemark und in Mellendorf zu binden und zu stärken?

Mehrere Faktoren: Zum einen sind wir auf das neue Verkehrskonzept Wedemark gespannt. Lange Staus vor Bahnschranken und der Verkehr von halb Norddeutschland durch unsere Gemeinde steigern den Wohlfühlfaktor sicher auf Dauer nicht. Selbstverständlich spielen auch Fremdenverkehrsmaßnahmen und eine gepflegte Infrastruktur eine übergeordnete Rolle. Wir sind uns aber völlig im Klaren darüber, dass auch wir als Einzelhändler noch einiges an Potential besitzen, die Einkaufswelt in Mellendorf attraktiver zu gestalten. Daran arbeiten wir in unseren Arbeitskreisen mit Hochdruck.

Weshalb ist eine Interessenvertretung der Kaufleute MPM weiter notwendig – und mit welchen konkreten Zielen?

Vernetzung untereinander ist nicht nur ein Schlagwort, sondern wird mit einer Interessenvertretung wie dem MPM mit Leben gefüllt. Gerade bei Gesprächen mit – und Forderungen an die Gemeinde – ist es unabdingbar, als eine starke Gemeinschaft aufzutreten.

Sehen Sie Chancen eher in einer Abgrenzung zu den anderen Gewerbevereinen, um Mellendorf zu positionieren, oder streben Sie auch Kooperationen in überörtlichen Fragen an? 

Alle sprechen von einem Wir in Europa. Da ist es schwer zu vermitteln, dass einzelne Nachbardörfer sich gegenseitig abgrenzen. Wir alle – ob wir dies nun wollen oder nicht – sitzen in der Gemeinde Wedemark in einem Boot. Eine Symbiose zum Wohle aller muss hier das erklärte Ziel sein. Nur in einer harmonischen, möglichst schlagkräftigen Gemeinschaft sind die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Da ist ein dorfgebundener Lokalpatriotismus sicher das falsche Signal. Ganz im Gegenteil: Wir pflegen einen sehr engen Kontakt zu den befreundeten Vereinen aus Bissendorf und Elze. Für die Zusammenarbeit und zukünftige Ausrichtung sind viele Wege denkbar, auch in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung der Gemeinde.

An der Wedemarkstraße neue Mitglieder gewünscht

Aktuell zählt der Mittelpunkt Mellendorf (MPM) 64 Mitgliedsbetriebe und fördernde Mitglieder. Der Mellendorfer Gewerbeverein zeigt sich offen für alle Orte in der Wedemark und bindet Betriebe aus umliegenden Ortschaften gern ein. Noch ist kein Unternehmen aus Gailhof dabei; das Dorf gehört kommunalpolitisch zum Ortsratsbereich Mellendorf-Gailhof. Das Hauptziel des MPM-Vorstandes ist es, die Unternehmen untereinander besser zu vernetzen und zu unterstützen.

Die Dienstleister führen in der Mitgliederstruktur mit 37 Prozent, gefolgt vom örtlichen Handel mit 34 Prozent. Es folgen Handwerker mit 18 Prozent und die Gastronomie mit fünf Prozent. Ehrenmitglieder machen sechs Prozent aus.

Mitgliederzuwachs wünscht sich der MPM zentral auf der Wedemarkstraße – aber auch an vielen anderen Stellen in Mellendorf, wo ebenfalls eine Belebung der Geschäftswelt aus Sicht des Gewerbevereins glücklich wäre. So sei momentan in Mellendorf den Bereich der Textilisten, speziell Damen- und Herrenoberbekleidung, so gut wie gar nicht abgedeckt Gerade für den älteren Teil der Bevölkerung hält es der MPM für wichtig, diese Lücke zeitnah zu schließen.

Der MPM wurde am 6. Juli 1995 mit 35 Betrieben gegründet. Damals wie heute ist die Intention der Aktiven, „in Form von öffentlichen Veranstaltungen sowie Unterstützung sozialer Projekte das Zusammenleben der Bevölkerung Mellendorfs zu intensivieren und die Lebensstruktur und das Image des Ortes zu verbessern“. Die Satzung wurde 2014 aktualisiert und besteht so bis jetzt; Änderungen sind zurzeit nicht vorgesehen.

Den Vorsitz des MPM hält seit 2011 Silke Tobschall. Ihr zur Seite steht seit Wahlen im Frühjahr 2017 ein vollständig neuer Vorstand: Hilke Haeuser als zweite Vorsitzende, Schriftführer Maik Deneke, Kassenwartin Gisela Sisolefsk und Pressewart Sven Jagata

87 Wedemärker Schüler starten nun in die Zukunft. Sie haben jetzt in einer Feierstunde ihre Abiturzeugnisse erhalten. 19 von ihnen mit einer eins vor dem Komma.

25.06.2018

Diesmal soll es nicht zu chaotischen Verkehrssituationen kommen, wenn Eltern in großer Zahl am letzten Schultag gleichzeitig ihre Kinder an den Schulen in Mellendorf mit dem Auto abholen wollen. Die Gemeinde wird diesmal genau hinschauen.

24.06.2018

Die Realschule Wedemark hat ihren Schülern der beiden Abschlussklassen auch eines mitgegeben: den Wunsch, noch mehr zu lernen. Das zeigte die Feier am Freitag im Forum des Schulzentrums deutlich.

Ursula Kallenbach 22.06.2018