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14:42 24.02.2018
Die Schulkinder lernen an der Straße Altes Dorf wie sie sich am besten verhalten, wenn jemand sie entführen will. Quelle: Fotos: Kallenbach
Resse

Ein Mann will ein Kind entführen – das gibt es nicht nur in Krimis. Wie real eine solche Situation werden kann, haben Resser Schulkinder jetzt in einem Kurs in der Turnhalle und an der Straße Altes Dorf erlebt. In dem am Fahrbandrand geparkten Auto saß kein Krimineller, sondern der Sicher-stark-Trainer Ralf Schmitz. Er ist Sicherheitsexperte im Personenschutz, Träger mehrerer Schwarzgurte in unterschiedlichen Kampfsportarten, Buchautor und für dieses Angebot an Schülern und Eltern vom Schulförderverein engagiert.

Was kann eine Achtjährige tun, wenn eine Hand aus dem Seitenfenster des Autos sie hineinziehen will, wie in einer Situation handfest gespielt? Sich mit aller Kraft gegen die Tür werfen und die Beine des Täters einklemmen, laut schreien oder richtig fest in die Hand beißen, damit diese endlich loslässt – diese Möglichkeiten bot der Trainer an und zeigte real, dass sie Wirkung haben können.

In zwei Gruppen durchliefen 40 Jungen und Mädchen aus verschiedenen Jahrgängen der Grundschule die Übungen und Gespräche zur Selbststärkung, hinzu kamen in einer dritten Gruppe 15 ehemalige Grundschüler der jetzigen Jahrgänge fünf und sechs. Jede Gruppe setzte sich vier Stunden mit den Sicherheitsübungen auseinander. Der Schulförderverein hatte die Veranstaltung mit freiwilliger Teilnahme organisiert. Von derzeit 100 Resser Kindern nahmen nur 40 an den Übungen teil. Als einen Grund sah Christina Jarolin vom Föderverein die Teilnahmegebühr von 37 Euro, die nicht alle Eltern dafür ausgeben wollten oder konnten. 

Eigene Gefühle wahrnehmen, sportliche Elemente der Selbstverteidigung, Rollenspiele – für das weitere Programm stand den Kindern die Schulturnhalle zur Verfügung. „Es war alles gut, tolle, aufmerksame Kinder“, sagte der Trainer und unterschlug nicht, dass für manche, vielleicht bereits von Attacken betroffene Kinder in solchen Veranstaltungen auch der psychische Stress zu groß sein kann. „Das merken wir aber schnell“, betonte er. Die Experten von Sicher-stark, so Schmitz, verfügten über eine qualifizierte polizeiliche, pädagogische oder kindertherapeutische Ausbildung.

Vorbeugener Jugendschutz ist Thema der Region Hannover

Der vorbeugende Jugendschutz ist auch in der Wedemark verortet: Er ist ein Hauptarbeitsfeld des Teams Jugend- und Familienbildung der Region Hannover im Jugendheim in Gailhof. Doch liegt dort der Schwerpunkt auf Deeskalation und Konfliktlösungen in Alltagssituationen, die Kinder täglich erleben. „Solche Angebote, Gewaltsituationen und Bedrohungen zu üben, machen wir nicht mehr“, sagt Andre Hecker aus dem Jugendschutz-Team. Real kämen diese im Alltag der Kinder – so sagen es auch die Zahlen der Polizei – kaum vor. „Wir setzen bei den Kindern und Jugendlichen darauf, dass sie sich einfühlen in andere, Solidarität entwickeln und Haltung – aber nicht Ängste.“

Die Mitarbeiter unterstützen Kindertageseinrichtungen, Schulen, Jugendarbeit und lokale Netzwerke bei ihren Veranstaltungen und Projekten zu Sucht-, Gewalt- und Medienproblematik. Sie schicken Referenten, stellen Materialien zur Verfügung, geben Finanzhilfe oder bilden pädagogische Fachkräfte fort. Hilfe geben sie insbesondere bei Streitschlichterprogrammen.

Das Team bietet die Bausteine Jugendschutzgesetz, Suchtprävention und Konfliktlösung zur Jugendleiterausbildung an. Außerdem veranstalten die Mitarbeiter Elterninformationsabende zu den Themen Sucht, Gewalt, Fernsehen- und Mediengefahren, und sie koordinieren das bundesweite Alkoholpräventionsprojekt „Hart am LimiT“ (HaLT) in der Region. Erreichbar ist das Team per E-Mail an jugendarbeit@region-hannover.de.

Von Ursula Kallenbach