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Rathaus lässt sich von Schülern benoten

Wedemark Rathaus lässt sich von Schülern benoten

Das Rathaus der Gemeinde Wedemark kommt in die Schulklassen: Jugendliche auf dem Campus W sagen der Verwaltungsspitze, was sie gut finden und was verbesserungswürdig ist. Der Austausch soll fortgesetzt werden. Alle Beteiligten sind begeistert.

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In der Realschule Wedemark haben die Schüler der Klasse 8a, rechts Schulleiter Jens Szabo, viele Fragen gut vorbereitet.

Quelle: Kallenbach

Mellendorf. Ehrliche Noten für ihre Arbeit im Rathaus haben sich Bürgermeister Helge Zychlinski, die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier und Kämmerer Joachim Rose jetzt in den Schulen abgeholt. Was gut ist in der Wedemark, und was noch besser werden könnte, haben ihnen die Schüler einen Vormittag lang im Gespräch gesagt, bevor sie am Mittwoch selbst ihre Zeugnisse erhielten.

Es ist, um diese erstmalige Aktion der Gemeinde auf einen Nenner zu bringen, ein Blick am frühen Schulmorgen mitten hinein in die Richtig-Gut- und die Problemzonen der Wedemark. Und das Beste daran: Die Gemeinde will dies auch künftig jährlich fortsetzen. „Wir haben viel gelernt“, versichert Zychlinski und dankt den Schülern für die ehrlichen Einschätzungen. Auch die Erste Gemeinderätin sieht ihren Block voll mit Hinweisen und Anregungen, die sie für die Jugendlichen jetzt in der Verwaltung weiter verfolgen will. „Es ging den Schülern um die Wedemark und nicht nur um ihre Schule“, äußert Schönemeier im Anschluss an die Besuche begeistert. Überrascht berichtet auch der Kämmerer von der Vielfalt der Präsentationen, mit denen die Jugendlichen einstiegen in die Fragestunden. Ob in Rollenspielen, Powerpoint-Vorträgen oder Theater – „sie haben sehr viel das Gute beschrieben“, so Rose.

Die 8a in der Realschule trägt der Ersten Gemeinderätin schon um 8 Uhr auch Themen an, die der Verwaltung neu sind. Dass man in Berkhof ab 20 Uhr abends aus dem Internet herausfliege, moniert ein Schüler. Insgesamt wird in der Klasse die digitale Aufrüstung im Schulzentrum angemahnt. Fehlende Fußwege werden aus Hohenheide beklagt. Ein Jugendlicher aus Resse berichtet, der Jugendtreff dort sei zu den angegebenen Öffnungszeiten nicht immer besetzt; die Jugendlichen müssten auf Bänken davor sitzen, was wiederum Anwohnern nicht gefalle. Für Brelingen kritisiert ein Schüler, dass der Bolzplatz an der Schule nach 22 Uhr und an Wochenenden nicht nutzbar sei – ein ähnlicher Konflikt. „Ihr trefft wirklich genau den Kern“, stellt Schönemeier fest – und nimmt alles mit ins Rathaus. Auch das Lob über die Handy-Auflade-Bank vor dem Schulzentrum. Schönemeier freut sich: „Ich sehe euch immer – ihr seid oft da.“ Hotspots im öffentlichen Raum sind ebenso ein Thema wie Mülleimer.

Zu viele lang andauernde Baustellen überall im öffentlichen Raum, ob Straßen oder an Gebäuden, beobachten die Schüler in der Wedemark kritisch, fragen auch konkret nach, wann denn der Edeka-Markt in Elze eröffnet werde. Radwege und Busverbindungen – zwei weitere Dauerbrenner, auch für die Verwaltung. Wie sehr die Gemeinde in vielen Bereichen auch von Entscheidungen anderer Behörden abhänge, müssen die Verwaltungsvertreter vielfach erläutern. Selbst die große Zahl an laufenden Bauvorhaben – ob Schulsporthalle, neuer Wohnungsbau, Um- und Neubauten an Schulen, Kindergärten, Krippen – müssen sie anführen, um verständlich zu machen, dass manches sich verzögert. Baufirmen seien überall ausgelastet und stünden teilweise nicht zur Verfügung, hören die Schüler.

Die Jugendlichen wiederum sind froh und sich sehr bewusst darüber, dass sie an diesem Campus lernen dürfen, an dem die Schulformen nah bei einander liegen. Sie träfen Freunde teils aus der Kindergartenzeit, teilen sie mit und vieles Positive mehr. Am Ende sind die Kartenstapel der Schüler zu entwicklungsfähigen Baustellen der Gemeinde und schon richtig gut Erreichtem gleich hoch. „Alle Themen, die verbunden sind mit Lebensqualität, Vielfalt in Bildung werden unisono positiv beurteilt“, fasst der Bürgermeister zusammen.

„Dass das Rathaus mal in die Schulen kommt, davon waren wir gleich begeistert“, bestätigt die Leiterin des Gymnasiums, Swantje Klapper. „Bitte weitermachen!“, sagt auch Realschulleiter Jens Szabo. Er fände es gut, würden solche Veranstaltungen regelmäßig angeboten. Für die IGS will auch Carmen Mucha das Angebot der Gemeindeverwaltung fortgeführt sehen. „Es war für die Schüler hochinteressant“, betont sie. Von Kommunalpolitik und dem Tun der Verwaltung hätten die Jugendlichen in diesen Gesprächen mehr begriffen als in vielen theoretischen Unterrichtsstunden dazu, stimmen die Pädagogen überein.

Schüler bekommen noch Rückmeldungen

18 Klassen in Realschule, IGS und Gymnasium hatten sich auf den Besuch der Verwaltungsspitze vorbereitet. Professionelle Hilfestellung hat seit Ende des vergangenen Jahres der Verein Politik zum Anfassen aus Isernhagen gegeben, der Kommunen auch in der Reihe „Pimp your town“ unterstützt. So sollte die Aktion für Schulleiter und Lehrer keine zusätzliche Anforderung obenauf werden. Die Gemeinde nimmt mit der Aktion, auch Bürgermeistertag genannt, ihre Selbstverpflichtung aus dem verliehenen Siegel Kinderfreundliche Gemeinde ernst. Dafür müsse die Verwaltung, um Kinder und Jugendliche zu erreichen und deren Interessen abzufragen, oft über die Schulen gehen, verdeutlichte Bürgermeister Helge Zychlinski. Zwei etwa gleich dicke Kartenstapel, aufgeteilt in die Schülerbewertungen Positiv und Entwicklungsfelder, überreichte anschließend im Rathaus Vroni Kiefer, Projektleiterin für den Verein Politik zum Anfassen. Die Verwaltungsspitze nimmt jedes Schülervotum ernst und wird darauf noch zahlreiche Rückmeldungen geben, kündigte Zychlinski an. Andererseits will die Verwaltung zu mehreren geäußerten Punkten selbst verstärkt tätig werden und auch Partner wie die Regiobus, Region und Land noch einmal gezielt ansprechen. 

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