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Wedemark Kommune muss um Generationshof bangen
Umland Wedemark Kommune muss um Generationshof bangen
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00:16 16.07.2018
Für das Hofgrundstück ist der Kaufpreis beim bisherigen Eigentümer nicht eingegangen. Quelle: Kallenbach
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Negenborn

Das ambitionierte Projekt „Sonnenblumenhof“ in Negenborn – integrative Kindertagesstätte und Seniorenpflege – scheint Illusion. Der Verkäufer des dafür vorgesehenen landwirtschaftlichen Hofes am Jürsenende hat noch kein Geld gesehen. Er hat die Sache nach eigenen Angaben längst einem Anwalt übergeben; beim Amtsgericht sei der erforderliche Grundbucheintrag nicht erfolgt. Die Gemeinde Wedemark will dazu auf Anfrage dieser Zeitung nur mit dem Satz „Das Projekt stagniert zurzeit, was wir bedauern“ zitiert werden.

Was die Kommune und die Investorin Christine Steffen, selbst Bankfachfrau und Betriebswirtin, Anfang April bei einem Ortstermin in Negenborn öffentlich optimistisch vorwiesen, waren der Bauantrag für ein tatsächlich zukunftsweisendes Vorhaben und die Feststellung, dass der Eigentumsübergang für den Hof in Negenborn notariell beurkundet sei. Für die integrative Kita mit 19 Plätzen und die Krippe mit 15 Plätzen sei eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet, hieß es damals – Voraussetzung für öffentliche Zuschüsse. Der Seniorenbereich mit 15 Pflegeplätzen und Tagespflege sollte als GmbH geführt werden.

Schon im November 2017 hatte Steffen im Ortsrat für Abbensen, Duden-Rodenbostel und Negenborn für ihr Konzept eines Generationshofes geworben, und die Kommune schuf in ihrem Baufachbereich die Voraussetzungen von ihrer Seite dazu. Demzufolge konnte der Hof auf insgesamt 1100 Quadratmetern im Bestand ausgebaut und um einen neuen Anbau ergänzt werden.

Gemeinde lobte innovativen Ansatz

Die Kombination aus Kita und Seniorenpflege nannte Bürgermeister Helge Zychlinski bei dem ersten öffentlichen Einstieg im April einen innovativen Ansatz, und die Gemeinde fördere dies. Das geplante Angebot von Kita- und Krippenplätzen sollte die zunehmende Nachfrage im nordwestlichen Einzugsbereich der Gemeinde abdecken. Obwohl der Bau in Negenborn noch nicht stand, war seither der Gemeinde zufolge die Online-Anmeldung für die Kita-Plätze freigeschaltet. Wie viele Eltern Plätze nachgefragt haben, und was damit aktuell geschieht, konnte die Verwaltung am Freitag auf Anfrage indes nicht beantworten.

Das Projekt weckte das Interesse vieler Eltern und Familien mit pflegebedürftigen Senioren in den Ortsteilen. Umso schneller verbreiteten sich in diesen Wochen die Gerüchte, es werde nichts daraus, das Projekt sei gestorben. Im August sollten eigentlich ein Sponsorenlauf und ein Fest an dem Hofgrundstück für weitere Einnahmen zur Teilfinanzierung des Projekts sorgen und es bekannter machen.

Wer jetzt aktuell Informationen auf der seinerzeit angegeben Internetseite www.startnext.com Sonnenblumenhof Generationshof sucht, stößt auf den Eintrag „Projekt beendet“ und den Namen der Initiatorin. Die junge Frau hatte ihr Projekt auch in einer Crowdfunding-GmbH verankert. Das genannte Ziel öffentlicher Einwerbung von Geldern für den guten Zweck: 8000 Euro. Der erreichte Stand war zuletzt mit rund 1370 Euro angegeben. Darüber hinaus finden sich Berichte von Steffen in den sozialen Medien in Text und Bildern, in denen sie sich als künftige hauptberufliche Geschäftsführerin des Projekts und als „Gründerin und Visionärin“ darstellt.

Für Nachfragen war Steffen nicht zu erreichen. Auch dem Verkäufer ist das nicht gelungen; die letzte bekannte E-Mail-Adresse ist nicht gültig. „Nur Ärger seit einem Jahr“ habe man gehabt, stellte die Verkäuferfamilie, die namentlich nicht genannt werden möchte, auf Nachfrage fest. Auch Negenborns Ortsbürgermeister Peter Reuter konnte nur von Gesprächen mit dem ratlosen Hofbesitzer berichten und hatte keinen Kontakt zu der Initiatorin. Die ersten Mietparteien sind aus dem Hof schon ausgezogen.

Ob der eingereichte Bauantrag inzwischen zurückgezogen wurde, beantwortete die Gemeinde Wedemark in dieser Woche mit Hinweis auf den Datenschutz für das private Bauvorhaben nicht. Gleichwohl bleibt die Frage weiter offen, was aus dem Zuwachs noch werden kann, den die Kommune sich von dem Projekt in dieser Konstellation versprochen hat. Es könnte sein, dass die Initiatorin den erheblichen Umfang des Vorhabens unterschätzt habe, hatte Bürgermeister Helge Zychlinski, angesprochen auf die umgehenden Gerüchte, bereits vor einiger Zeit geäußert.

Private Initiativen brauchen oft Zeit

Es wäre nicht das einzige privat angeschobene Vorhaben solcher Art, das infolge vielfältiger Umstände im ersten Anlauf scheitert. So wurde auch ein privates Alters- und Pflegeheim, das auf dem Festplatz in Elze gebaut werden sollte, nicht realisiert. Dort wird voraussichtlich bald ein Bauträger mit Wohnungsbau zum Zuge kommen. Auch die Montessorischule in Bissendorf-Wietze entstand einmal aus einer pädagogischen Vision. Die Projektinitiative kämpfte über viele Jahre um Konzepte, Finanzierung, Standort und staatliche Anerkennung. Andere Kita-Einrichtungen in der Wedemark wie der Verein der Kinderfreunde wuchsen ebenfalls aus kleinen Anfängen über mehrere Jahre in die Professionalität hinein und stellen heute einen großen Teil der Krippen- und Kindergartenplätze in Mellendorf. uc

Von Ursula Kallenbach

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