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Wedemark Jürgen Friede gestaltet mit Stift und Fäustel
Umland Wedemark Jürgen Friede gestaltet mit Stift und Fäustel
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16:35 18.07.2018
Bildhauer Jürgen Friede (64) vor seinem Sprockhofer Atelier. Quelle: Patricia Chadde
Sprockhof

Ob Jürgen Friede im Kajak über das Meer paddelt oder in der Westsahara wandert – er mag es, sich um 360 Grad zu drehen und nichts als den Horizont zu sehen. Heutzutage könnte man das kinderleicht mit dem Smartphone aufnehmen. Doch das ist nicht Friedes Intention: Die Wirkung der räumlichen Leere auf seine Persönlichkeit drückt der 64-Jährige in abstrakten Skulpturen oder dreidimensionalen Figuren aus.

Langer Lernprozess

Das Gestalten mit Pappmachee erschien ihm zu kurzlebig, als er als Bühnenbildassistent in Lübeck und Essen erste Erfahrungen sammelte. Ein Kunststudium erschien da weiterführender, sodass Friede ab 1976 Plastik bei Helmut Rogge an der Fachhochschule für Gestaltung in Hannover studierte. „Wir hatten dort einen Steinmetzlehrer alter Schule und durften anfangs die Werkstoffe nur mit Fäustel und Spitzeisen bearbeiten“, erinnert sich Friede an den zeitaufwendigen Lernprozess.

Nun sitzt er vor seinem Sprockhofer Atelier unter hohen Bäumen, umrahmt von einigen Arbeiten aus Granit oder Metall. Das „Füllhorn“ lugt zwischen Moos und Büschen hervor, eine rote Metallskulptur animiert zu Assoziationen. Von der geöffneten Seite wirkt sie wie ein geteilter Schmetterling, aus anderen Winkeln wie eine Symbiose aus technischem und floralem Geflecht grafischer Zeichnungen.

Gern nutzt Friede die Vielfalt der Ausdrucksmittel. Seine „Fünf Minuten Aktzeichnungen“ hat er in einem Buch zusammengefasst. Das schnelle Erfassen von Linien und Formen, Licht und Schatten eines nackten Menschen während des Zeichenprozesses offenbart dem Betrachter das verschüttete Universum von Ansichten. Es wird deutlich, wie sehr die Darstellung des menschlichen Körpers im Medienalltag vom Konsumgedanken geprägt ist. Dabei sei es sein Ansinnen und künstlerische Herausforderung, so Friede, die eigenständige Sicht auf Lebensfragen zu kultivieren. Denn auch Kunst werde gern konsumiert. „Inzwischen ist es üblich, dass man eingeladen wird, auf eigene Kosten Werke zu Themenausstellungen beizusteuern, die dann eher als Teil eines inhaltlichen und formalen Gesamtkonzeptes zu sehen sind.“

Werke stehen überall

Als Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter des Wedemärker Kunstvereins Imago initiierte er vor 20 Jahren mit seinen Mitstreitern einen nachhaltigeren Blick auf die künstlerische Produktion der Kunstschaffenden in der Region Hannover. Wandert man den Elbe-Seitenkanal bei Bad Bevensen entlang, kann man eine acht Meter hohe Friede-Stahlskulptur entdecken, ebenso wie in Helmstedt, Hannover und Langenhagen. Mehrere Situationsmodelle als Bronzerelief in der Gedenkstätte Bergen-Belsen zählen ebenfalls zu Friedes Schaffen.

Wer es nicht ins kanadische Ottawa zur Ausstellung „Medaillen“ schafft, wo einige seiner Arbeiten aktuell ausgestellt sind, kann sich den 16. November vormerken. „Tagträume“ heißt die Kombination aus Zeichnungen, Bleischnitten und Skulpturen, die der Wedemärker derzeit für die Ausstellung in der Galerie j3fm in Hannover vorbereitet. Und vom 6. September bis 20. Oktober 2019 wird dann eine umfangreiche Schau im Neustädter Schloss Landestrost folgen.

Übrigens arbeitet Friede inzwischen nicht allein mit den klassischen Werkzeugen, die er von seinem Studium kennt. Auch ein Presslufthammer kommt zum Einsatz – diese Freiheit nimmt er sich.

 

Von Patricia Chadde

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