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Wedemark Wildtiere leiden unter der Trockenheit
Umland Wedemark Wildtiere leiden unter der Trockenheit
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11:47 23.07.2018
Die beiden Rehkitze, die Immo Ortlepp derzeit aufzieht, sollen später ausgewildert werden. Quelle: Kallenbach
Abbensen

Nicht nur das Weidevieh in der Landwirtschaft, auch Wildtiere sind der anhaltenden Trockenheit ausgesetzt. Wie sich Rehe, Hasen und Störche anpassen oder auch nicht überleben, beobachten Jäger zurzeit überall in Wald und Feld. Die aktuelle Lektion für weniger Kundige in Sachen Naturverständnis bündelt der Jäger Immo Ortlepp im Jagd- und Hegekonvent Wedemark in zwei Sätzen: „Wir müssen nicht rausgehen und füttern“, sagt er. „Aber das Wild geht durch eine vergleichsweise schmale Zeit.“

Die Tiere ziehen sich jetzt in den Wald zurück, die Luftfeuchtigkeit ist dort höher als außerhalb. Dennoch: Der Wassermangel führt bei Pflanzenfressern zu Not. „Rehwild und Hasen brauchen etwa zwei Dutzend Kräuter. Sie sind Nascher, Konzentrat-Selektierer. Aber die Kräuter sind schon vertrocknet“, erläutert der Experte. Rehe, die normalerweise Feuchtigkeit nur über den Morgentau von Pflanzen lecken, müssen nun untypisch an die Bäche gehen, um zu trinken.

Rotwild und Schwarzwild ziehen sich im Wald auf engstem Raum zusammen. „Sie sind Wasserfreunde und baden und suhlen sich gern“, verdeutlicht Ortlepp den Mangel, den diese Tiere in der Trockenheit erleiden. Dass Wildtiere sich in großer Menge im Wald ballen, geschehe auch im Winter, erklärt der Jäger. „Aber jetzt im Sommer ist das nicht normal. Bei der Hitze können, anders als bei Kälte, leichter Krankheiten übertragen werden.“

Trockenheit in Wald und Feld bringt auch alle Amphibienfresser in Nöte. „Viele Storchenjunge sind schon verhungert“, beschreibt Ortlepp. „Wenn Storchenpaare keine Frösche mehr für ihre Jungenaufzucht finden, verenden die Jungen oder werden von ihren Eltern gefressen.“ Auch zahlreiche Reiherarten seien betroffen.

Eine große Gefahr bedeuten Flächenbrände wie schon zwischen Brelingen und Wiechendorf auch für die Wildtiere. „Bei Flächenfeuer bleiben Hasen sitzen“, verdeutlicht Ortlepp. Solche Feuer vernichteten zudem eine Menge Insekten – Nahrungsgrundlage für Vögel und Kleinlebewesen. Vor allem landwirtschaftliche Maschinen im Einsatz, aber auch herumliegende Scherben brächten diese Gefahren bei Dauerhitze alltäglich mit sich, auch ohne dass Spaziergänger Kippen wegwürfen.

Die Hitze – manchen Tieren ist sie auch sehr willkommen. Freudig kann der Eisvogel die Folgen genießen. „Das Wasser der Jürse ist jetzt flach, da kann er gut jagen“, führt Ortlepp ein Beispiel an. Auch Rebhühner, Wachteln und Fasane – ohnehin in der Region nicht mehr zahlreich zu finden – bekommen durch stetige Wärme Aufwind. „Da gibt es viele Insekten, und die Küken werden groß“, beschreibt der Jäger.

Das Maß der Betroffenheit für Nicht-Jäger mag sich in Grenzen halten, wenn sie hören, dass Jagdhunde bei solcher Trockenheit nur schwer Fährten aufnehmen und verfolgen können. Aber gut erklärt, ist diese Tatsache auch wissenswert für Autofahrer. In der Nachsuche zum Beispiel zu Wildunfällen auf der Straße sollen die ausgebildeten Hunde verletzte Tiere aufspüren. Damit diese nicht im Wald verbluten und sich lange quälen müssen, werden zu Wildunfällen von der Polizei jeweils die Jagdpächter gerufen. Sie töten das angefahrene Tier noch vor Ort oder gehen auf die Nachsuche.

Der Herbst kommt bestimmt und damit auch wieder eine fette Zeit für das Wild. „Es kommt eine Rieseneichenmast“, sieht Ortlepp schon jetzt an den Bäumen. Diese hänge nun nicht mit dem Wetter zusammen. „Die Mastjahre stellen sich in einem Zyklus turnusmäßig ein.“

Vom ersten Sonntag im August, 5. August, bis in den März 2019 bietet neben der Landesjägerschaft auch der Jagdausbilder Immo Ortlepp im Jagd- und Hegekonvent in Abbensen wieder eine Jagdausbildung an. Die künftigen Jungjäger absolvieren 46 Ausbildungseinheiten. Der Umfang sei bei allen Ausbildungsstätten gleich, auch lägen die Gesamtkosten bis zum Erwerb des Jagdscheins im Vergleich immer zwischen 2000 und 2500 Euro, betont Ortlepp. Eine Differenz komme meistens wegen zusätzlich erforderlicher Schießübungen zustande.

Lämmermilch hilft Kitzen auf die Beine

Zwei nun sieben Wochen alte Rehkitze haben es auf nicht natürlichem Wege geschafft: Alle drei Stunden bekommen die Böckchen bei Immo Ortlepp deshalb Lämmermilch aus der Flasche. Die verwaisten Findelkinder aus Ehlershausen und Engensen hat Ortlepp von dortigen Jägern übernommen – seine Adresse als erfahrener Hilfspapa für Reh, Hirsch, Wildschwein und Co ist weithin bekannt. Die Lämmermilch holt der Jäger – zur Jagdausübung gehören eben auch Hege und Pflege – als Trockenmilch eimerweise im Landhandel. „Zuerst musste ich bei Tag und Nacht alle zwei Stunden füttern“, erzählt Ortlepp. Das eine Rehkitz war noch dazu von einem Hund am Hals verletzt worden; jede Stunde musste ihm mühsam Milch eingeflößt werden. Nicht handzahm sollen die Kitze aber aufwachsen. Wenn sie alt genug sind, wechseln sie in das gemeinsame Gehege von Hirsch Harry und Rehbock Axel, die im Jagd- und Hegekonvent ebenfalls schon von Hand aufgezogen wurden. Später werden die Jungtiere ausgewildert. uc 

Von Ursula Kallenbach

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