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Wedemark Gericht wertet „Himmelfahrtskommando“ milde
Umland Wedemark Gericht wertet „Himmelfahrtskommando“ milde
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00:19 11.01.2019
Extreme Enge und viel Verkehr: Auf der Autobahn 7 gilt während der Arbeiten in Fahrtrichtung Süden Tempo 60. Die linke Spur weist nur eine Breite von zwei Metern auf. Quelle: Holger Hollemann (dpa)
Wedemark/Burgwedel

Die langwierige Baustelle auf der Autobahn 7 zwischen Mellendorf und Schwarmstedt hat nicht nur Gemüter bewegt und Nerven gekostet: Ein heute 24 Jahre alter Mann hat auch seinen Führerschein nach einem waghalsigen Manöver wegen Straßenverkehrsgefährdung eingebüßt. Nun musste er sich vor Burgwedels Amtsrichter Michael Siebrecht verantworten, nachdem der Anwalt des 24-Jährigen Einspruch gegen das zwölfmonatige Fahrverbot eingelegt hatte.

Der junge Autofahrer mit kosovarischen Wurzeln aus dem Raum Gießen setzte auf dem Weg von der Arbeitsstelle bei Hamburg nach Hause am 13. April mit seinem 2,38 Meter breiten Pritschenwagen auf der Autobahn 7 zwischen den Anschlussstellen Schwarmstedt und Berkhof zum Überholen eines Sattelschleppers an. Und das, obwohl wegen der kurz zuvor eingerichteten Baustelle und der daraus resultierenden arg begrenzten Spurbreiten für ein derartiges Fahrzeug ein mit mehreren Schildern ausgewiesenes absolutes Überholverbot galt.

Lkw schlingert auf schmaler Spur

An einem 40-Tonner kam der Mann dann nicht vorbei. Der 37 Jahre alte Berufskraftfahrer in dem schweren Gefährt hatte alle Mühe, sein Fahrzeug auf der schmalen Spur zu halten. Auch wegen eines zu dem Zeitpunkt noch nicht befestigten Seitenstreifens kam der Brummifahrer mehrmals von der Spur ab, gab er nun in der Verhandlung im Amtsgericht zu Protokoll. Das Gefährt schlingerte dadurch gefährlich, bestätigte neben dem Fahrer auch ein weiterer Zeuge aus Krähenwinkel im Burgwedeler Gericht. Exakt wegen dieser gefährlichen Enge besserte nach mehreren schweren Unfällen die zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr dann auch den elf Kilometer langen Baustellenabschnitt nach und befestigte den Seitenstreifen derart, dass der Schwerlastverkehr mehr Platz bekam.

Transporterfahrer fühlt sich ausgebremst

Der nun angeklagte Transporterfahrer – bislang völlig unbescholten – gab zunächst an, die Verbotsschilder nicht gesehen zu haben. Von dem schlingernden Lastwagen, der dann zeitweise auch seine Spur genutzt haben soll, fühlte sich nicht nur der 24-Jährige ausgebremst, sondern auch die anderen vier Insassen in dem Kastenwagen. Nach Dafürhalten von Amtsrichter Michael Siebrecht schaukelte sich daraufhin die Stimmung in der fast nur mit Familienmitgliedern besetzten Kabine des Transporters hoch. Und der Fahrer habe Pech gehabt, dass auch sein Schwiegervater mit an Bord war, der sich vor und nach der Verkehrsgefährdung zum Sprachrohr aufgeschwungen habe, meinte Siebrecht.

Laut Anklage soll der Fahrer immer wieder versucht haben, an dem Lastwagen vorbeizukommen. Auch die Lichthupe sei nach Zeugenaussagen im Spiel gewesen. Siebrecht betonte zudem – ungeachtet der Einlassungen von Verteidiger Axel Weber, der dem Lastwagenfahrer ebenfalls Rücksichtslosigkeit attestierte –, dass der 24-Jährige angesichts der schmalen Fahrbahnen sich und andere niemals hätte derart in Gefahr bringen dürfen. „Auf einer so engen Autobahn sollte klar sein, dass man so etwas nicht macht“, rief Siebrecht in Erinnerung.

Transporter quetscht sich vorbei

Als sich dann der Transporter doch an dem Lastwagen samt Anhänger vorbeiquetschten konnte, knallte es. In der Folge büßte der Pritschenwagen den rechten Außenspiegel ein. Sowohl der Brummifahrer wie auch der 24-Jährige stoppten kurz im Baustellenbereich. Es wurde der kaputte Spiegel eingesammelt und sich zwecks Schadensregulierung auf dem nahegelegenen Parkplatz Osterriehe verabredet. Der 37 Jahre alte Berufskraftfahrer bezeichnete den Unfall im Gericht als „Bagatelle“, zumal auch keine Personen geschädigt worden sind.

Doch auf dem Parkplatz angekommen, eskalierte – befeuert vom 45 Jahre alten Schwiegervater des nun angeklagten Transporterfahrers – die Situation. Der „Kontrahent“ im 40-Tonner wurde unter anderem als „Hurensohn“ bezeichnet, hieß es im Gericht. Dann kam die zwischenzeitlich hinzugerufene Autobahnpolizei ins Spiel. Die zunächst von allen Seiten angestrebte gütliche Einigung über die Versicherungen, wie es auch ein im Gericht aussagender Polizist favorisiert hatte, wurde schließlich nach weiteren verbalen Entgleisungen des 45-Jährigen obsolet. Und das, obwohl der Beamte bei der Aufnahme wie auch im Gericht von einem „Minimal-Unfall“ sprach. Es folgte, was folgen musste: der Führerschein des 24-Jährigen wurde beschlagnahmt, die Fahrlizenz wegen Straßenverkehrsgefährdung für ein Jahr eingezogen.

Richter reduziert Führerscheinentzug

Nach der von einem Dolmetscher vorgetragenen Einlassung des Angeklagten und dem Plädoyer seines Rechtsbeistandes ließ die Staatsanwaltschaft schließlich diesen Vorwurf fallen. Amtsrichter Siebrecht wertete das Verhalten des 24-Jährigen zwar weiter als „stark risikobehaftetes Verhalten“, gleichwohl sei das nicht mit einem „Verkehr-Rowdytum“ gleichzusetzen. Deshalb könne er sich ein „kleines Entgegenkommen“ vorstellen.

Siebrecht machte in seinem Urteil aber auch klar, dass sich der Angeklagte mit seinem Verhalten in eine hohe Gefahr begeben habe, die sich „zum Glück nicht konkretisiert hat.“ Der Richter sprach gar von einer Art „Himmelfahrtskommando“. Er reduzierte schließlich die zwölf Monate Führerscheinentzug auf neun Monate, blieb angesichts der Einkommensverhältnisse des Mannes jedoch bei statt den zunächst angesetzten 60 Tagessätzen bei nunmehr 50 zu jeweils 30 Euro. Das akzeptierten schließlich auch Verteidiger Weber und sein Mandant.

Von Sven Warnecke

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