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Wedemark Mit Einpersonenhaushalten ganz vorn
Umland Wedemark Mit Einpersonenhaushalten ganz vorn
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13:05 26.07.2018
Häufig werden in altem Gebäudebestand auch kleinere Mieteinheiten modern ausgebaut wie hier in Negenborn im ehemaligen Landgasthof. Quelle: Kallenbach
Wedemark

In der Wedemark hat sich im Regionsvergleich die Zahl der Einpersonenhaushalte am stärksten erhöht. Die Wohnraumstatistik 2017 der Region weist in der Wedemark 255 Einpersonenhaushalte mehr als im Jahr 2016 aus, eine Zunahme dieses Haushaltstyps um 5,5 Prozent. Damit nimmt die Kommune also in absoluter wie in relativer Größenordnung regionsweit den Spitzenplatz ein.

Einpersonenhaushalte sind keineswegs gleichbedeutend mit Einzimmerwohnungen, und die Zahl dieser Haushalte lässt keinen kurzen Rückschluss auf Altersstrukturen, Bedarf und Nachfrage zu. Das wird deutlich, wenn man notgedrungen die Aussagen der regionalen Statistik verlassen muss und sich in die Niederungen der empirischen Erfahrungen, Nachweise und Aussagen vor Ort begibt. Denn Gemeinden erheben solche Statistiken nicht selbst für ihren Bereich; wohl aber können für die Wedemark die Kommunalpolitiker und Verwaltung ein Puzzle zusammensetzen, das ein realistisches Bild abgibt.

„Die Tendenzen sind landesweit so, zunehmend Single-Haushalte in allen Altersgruppen“, stellt Bürgermeister Helge Zychlinski fest. Dabei gehe es beispielsweise um Trennungssituationen, auch späte oder keine Familienbildung, aber der Seniorenanteil sei mit am stärksten vertreten bei den Einpersonenhaushalten. „Es kommt hinzu, dass die wenigsten Senioren aus großen Häusern ausziehen wollen. Das stellen wir empirisch fest. Von 150 auf 50 Quadratmeter will keiner wirklich wechseln.“

Die Gemeinde müsse mit kleineren Wohneinheiten reagieren. „Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen sind nachgefragt. Wir haben uns darauf eingestellt“, betont Zychlinski. Das Neubaugebiet Diersrahe in Bissendorf mit Mehrfamilien- und Miethäusern führt er an. In Elze werde bald Senioren- und betreutes Wohnen auf der Festwiese an der Wasserwerkstraße seinen Anfang nehmen. An der Walsroder Straße in Elze seien in dem neuen Wohnkomplex 30 Wohnungen vermietet.

Zychlinski: Gemeinde braucht gesunden Mix an Wohnangeboten

Mietwohnungen seien knapp, räumt Zychlinski ein. „Wir haben aber auch Menschen in der Wedemark, die sich kleineres Wohneigentum schaffen wollen. Wir wollen auch Menschen ein Eigentum ermöglichen, die sich kein Haus leisten wollen oder können.“ Insofern sei es Aufgabe der Kommune, darauf zu achten, dass es einen gesunden Mix gebe an Wohnangeboten.

In allen 21 Städten und Gemeinden der Region Hannover ist eine steigende Zahl von Einpersonen­haus­halten der Regionsstatistik von 2017 zufolge zu beobach­ten gewesen. Ohne diesen Zuwachs hätte sich die Zahl der Haushalte nur unwesentlich verändert. So sind in der Landeshauptstadt Hannover mehr als die Hälfte aller Haushalte (54,3 Prozent) Single-Haushalte.

Im Umland liegt der Anteil mit 37,3 Prozent deutlich darunter. Lediglich die Städte Langenhagen, Laatzen und Burgdorf erreichen einen Anteil von mehr als 40 Prozent. Am stärksten in absoluter wie in relativer Größenordnung hat sich dabei die Zahl der Einpersonenhaushalte in der Gemeinde Wedemark erhöht. Die geringste Quote an Einpersonenhaushalten weist Pattensen auf, knapp vor Sehnde. In beiden Städten stellen Einpersonenhaushalte weniger als ein Drittel aller Haushalte.

In den Ortschaften gibt es wenige kleine Wohnungen

Was die Statistik in Zahlen zum Anstieg der Single-Haushalte aussagt, sieht Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann in Bissendorf bei einem Rundgang durch ihren Ort rundum mit eigenen Augen – aber vielleicht anders, als der neudeutsche Begriff Single nahelegt. „In allen Vierteln wohnen Witwen in eigenen Haushalten, wenn die Ehepartner früher verstorben sind – alleinstehende Damen in großen Häusern aus den 1960-er Jahren. Ich bin von Witwenhaushalten umgeben“, sagt die Bissendorferin. Überall blieben ältere Damen allein in den Häusern zurück. „Sie vermieten aber kaum, weil die Struktur der Gebäude es oft nicht hergibt“, beschreibt die Ortsbürgermeisterin.

Insgesamt ist sie sich aber nicht sicher über die Wohnungsnachfrage in Bissendorf. „Bei jüngeren Leuten weiß man es nicht. In der Generation Ende 20 und Anfang 30 sind sie in einer Phase, in der sie mehr stadtbezogen leben wollen oder ganz woanders. Wenn sie nach fünf Jahren dann selber Kinder haben, wollen sie oft zurückziehen auf das Land.“ Die Wedemark, so scheint es ihr aus eigenen Erfahrung und Gesprächen, sei zunächst einmal für junge Leute nach der Schulzeit nicht so attraktiv. „Sie ziehen aus. Kleineren Wohnraum suchen vielleicht eher Senioren, die sich umorientieren wollen“, vermutet Brakelmann. Das Angebot in Bissendorf weise nur wenige kleine Wohnungen auf. Das Neubaugebiet Diersrahe sehe nun auch Wohnungen zwischen 40 und 70 Quadratmetern vor.

In Wennebostel hat es aus Sicht von Ortsbürgermeister Hans-Joachim von Einem nur eine unwesentliche Bauentwicklung in den vergangenen Jahren gegeben. „Damit ist auch die Fluktuation nicht sehr groß“, stellt er fest. Dennoch mache er sich als Kommunalpolitker Gedanken über den Trend zu Einpersonenhaushalten. Aus der Bevölkerungsentwicklung kämen sicherlich mehrere Faktoren zusammen. „Junge Menschen heiraten später, aber sie möchten trotzdem bei den Eltern ausziehen“. Sie benötigen also begrenzten Wohnraum. „Ältere Menschen verlieren ihren Partner, haben aber eine hohe Lebenserwartung und finden keine neuen Partner“, führt von Einem an.

Hinzu komme sicherlich auch, dass anerkannte Asylbewerber in Deutschland Fuß fassen und eigenen Wohnraum suchen. Das Umland mit seiner Nähe zur Landeshauptstadt, guter Verkehrsanbindung und abwechslungsreicher Landschaft locke schließlich mit geringerer Miete als in der Stadt. Gleichwohl: Auch in der Wedemark sei Wohnraum kaum zu finden und wenn, dann gefühlt sehr teuer, schränkt der Ortsbürgermeister ein.

Auch Resses Ortsbürgermeister Jochen Pardey tut sich nach eigenen Worten schwer damit, eine schlüssige Analyse liefern zu können, und weist auf den bundesweit ausgprägten Anteil von Einpersonenhalten hin. In der Wedemark und insbesondere in Resse komme zu der generellen Tendenz ein hoher Altersdurchschnitt der Bevölkerung hinzu. „Wichtiger, als die Erforschung der Ursachen einer solchen Entwicklung scheint mir allerdings die Formulierung von Reaktionen darauf zu sein“, sagt Pardey. „Meines Erachtens sollten die Bemühungen verstärkt werden, in unseren Orten neben den bisher sehr stark dominierenden Wohnformen auch ein größeres Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen zu ermöglichen.“

Von Ursula Kallenbach

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