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Wedemark Gemeinde verabschiedet Umweltbeauftragte
Umland Wedemark Gemeinde verabschiedet Umweltbeauftragte
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17:26 12.09.2018
Im Kundenbüro der Gemeindewerke hat Ursula Schwertmann seit 2010 viele Wedemärker beraten. Quelle: Kallenbach
Wedemark

Pionierarbeit musste leisten, wer Anfang der 1990-er Jahre in einer Kommune für den Umweltschutz Verantwortung übernahm. In der Wedemark trat als Fachkraft für Umweltschutz Ursula Schwertmann 1991 in den Dienst ein – die erste Umweltbeauftragte der Kommune. Am Mittwoch nun verabschiedeten Bürgermeister Helge Zychlinski und viele Verwaltungskollegen sie nach 27 Jahren in den Ruhestand.

Die Wedemärker, auch wenn sie es nicht alle wissen, noch nicht erkundet oder genutzt haben, verdanken dieser von Beginn an beharrlichen Arbeit im Umwelt- und Naturschutz über fast drei Jahrzehnte eine Unmenge an Projekten –zum Beispiel den Geopfad am Brelinger Berg. Auch die noch fehlende letzte Station, eine Aussichtsplattform in Oegenbostel, hat Schwertmann im Detail geplant; im Frühjahr wird sie eröffnet.

Der ganze Geopfad gehe auf die Umweltbeauftragte zurück, die das Projekt bereits in den 1990-er Jahren als einen Expo-Beitrag entworfen hatte, sagte Bürgermeister Helge Zychlinski bei der Verabschiedung im Bürgerhaus in Bissendorf. „Da mussten wir harte Bretter bohren“, beschrieb Schwertmann selbst. Das Vorhaben, das als eine ihrer schönsten und lehrreichsten Hinterlassenschaften in der Wedemark vor Augen liegt, wurde damals mit der Gartenregion Hannover gefördert. Es verweist auch auf einen weiteren ihrer Aufgabenbereiche: die Naherholung.

Arbeit erstreckte sich auch auf private Haushalte

Große Aufgaben waren schon in den ersten Jahren anzugehen: Schwertmann hatte einen Landschaftsplan für die Gemeinde zu erstellen. „Da waren Sie Pionierin und mussten ganz viel erarbeiten“, bescheinigte Zychlinski, was er selbst als Bürgermeister (ab 2013) noch nicht miterlebt hatte. Das galt auch für das Jürsenbachprojekt, wofür die Umweltbeauftragte Geld vom Landeinwarb. Schwertmann war nicht nur zuständig für den Umweltschutz in der Natur. „Auch bei den privaten Haushalten sind Sie immer am Ball geblieben“, stellte der Bürgermeister fest. In Zusammenarbeit mit der Klimaschutzagentur der Region hat Schwertmann kontinuierlich die energetische Modernisierung von Häusern und Wohnungen über Fördergelder vorangetrieben.

Seit 2010 war sie in diesen Themen mit der Hälfte ihrer Stelle an die Gemeindewerke abgeordnet und hat dort im Rathaus das Kundenbüro wesentlich aufgebaut. Aber auch für die öffentlichen Gebäude – Schulen, Kindergärten, Sporthallen – erstellte Schwertmann schon in den 1990-er Jahren einen Energiebericht, lange, bevor das professionelle Gebäudemanagement einsetzte.

Gewässerschutzbeauftragte war Ursula Schwertmann auch noch, sie hatte sich um die Ausgleichsflächen der Gemeinde zu kümmern und brachte die Kandidatenvorschläge für die Umweltschutzpreise in den Gemeinderat ein. Diese hätten eine hohe Multiplikatorenwirkung gehabt, betonte Zychlinski.

Der Nachfolger kommt am 1. Dezember

Immer wieder habe sich Schwertmann im Hause auch kollegial zu Veränderungen bereitgefunden, wo Hilfe nötig war. So gab es 2013 und 2014 bis 2016 zwei Vakanzen als Gleichstellungsbeauftragte zu überbrücken. Insgesamt habe Schwertmann ein großes Paket an Aufgaben zu verantworten gehabt. Auch ihr Sprung aus einer Teamsituation in die Stabsstelle Umweltschutz im Rathaus sei ihr gut gelungen. Schwertmanns Vertrag endet am 30. September. Der Nachfolger wird seinen Dienst am 1. Dezember 2018 antreten und wird Anfang November offiziell vorgestellt.

Heftige Kritik hatte die Grünen-Ratsfraktion schon im Juli dieses Jahres am Nachbesetzungsverfahren geübt. Das Auswahlverfahren für die Nachfolge – es gab 41 Bewerber aus dem ganzen Bundesgebiet – sei nicht frühzeitig genug erfolgt, als dass die scheidende Umweltbeauftragte noch eine persönliche Einarbeitung hätte leisten können. Dabei war eine solche Regelung der zeitweisen Doppelbesetzung eigentlich im Haushalt abgesichert.

Anregungen für den „Nachdenkensprozess“

Zum ursprünglichen Abschluss Diplom-Agraringenieurin legte Ursula Schwertmann mehrere berufliche Fortbildungen nach für Lehramt und Umweltbildung. Und diese wurde in der Gemeinde nach innen und außen ein wichtiges Thema. Dass der Umweltschutz als absolutes Schutzgut gleichwohl mit anderen Interessen konkurriere und nicht zu 100 Prozent durchgesetzt werden könne, habe Schwertmann aber nicht resignieren lassen, sagte Bürgermeister Helge Zychlinski anerkennend. Die Umweltbeauftragte habe immer wieder Neues angeschoben und ihre kritischen Anmerkungen und Anregungen hätten „immer zu einem Nachdenkensprozess geführt“ auch in der Verwaltung. Für ihn selbst sei dies „eine riesengroße Bereicherung“ gewesen, dankte Zychlinski. Als Einzelperson hätte sie so viele Projekte nicht umsetzen können, entgegnete Schwertmann und verwies auf viel Unterstützung aus der Verwaltung, von der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover, der Klimaschutzagentur und vom Naturschutzbeauftragten der Region für die Wedemark, Heinz Linne.

Im Anschluss an die offizielle Verabschiedung benannte für die Ratsfraktion der Grünen Angela Klingrad weitere Projekte, mit denen Ursula Schwertmann die Stelle der Umweltbeauftragten prägte. Sie habe die Gemeindeentwicklungsplanung und die daraus hervorgegangenen Umweltprojekte aktiv vorangebracht, mit dem Runden Tisch Landwirtschaft und Naturschutz initiierte sie ein Gremium des Dialogs zwischen Landwirten und Naturschützern, das weiter wirken wird. Ein Biotopverbund in der Wedemark trägt zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. „Frau Schwertmann hat mit den von ihr organisierten öffentlichen Veranstaltungen die Grundlagen für die weitere Arbeit an dieser Aufgabe geschaffen“, betonte Klingrad. uc

Von Ursula Kallenbach

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