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Wennigsen Mühlbach: Nabu pflegt Biotop seit 22 Jahren
Umland Wennigsen Mühlbach: Nabu pflegt Biotop seit 22 Jahren
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00:18 08.07.2018
Lene (8, links) und Ella (7) beobachten die Fische und versuchen auch einige zu fangen. Quelle: Malecha
Wennigsen

Schon seit über zwei Jahrzehnten entfaltet sich die Natur im Nabu-eigenen Biotop am Wennigser Mühlbach. Dort, wo der Bach ungestört seinen Lauf nimmt, hat sich die Natur entfaltet und dabei die Entwicklung der Artenvielfalt gefördert. Nun hat der Nabu Wennigsen das Areal mit zwölf Jungen und Mädchen erkundet, um ihnen ein Gespür für die Natur zu vermitteln.

Gemeinsam mit dem Nabu haben 12 Jungen und Mädchen das Biotop Wennigser Mühlbach erkundet.

Der Wennigser Mühlbach ist einer der wenigen Bachläufe im Deistervorland ohne Begradigung oder Ausbau. Mit der Region als Naturschutzbehörde ist vertraglich geregelt, dass der Nabu dieses Areal pflegt. 3,5 Hektar Fläche am Ortsausgang Richtung Sorsum in Höhe der Knölkebrücke umfasst das Biotop. Teilweise sind Büsche und Laubbäume angepflanzt, um Insekten, Vögeln und Wild einen erweiterten ungestörten Lebensraum zu geben. In anderen Bereichen wachsen kleinere Pflanzen auf Wiesen. Mit den Flächen der Klosterkammer ist das Biotop neun Hektar groß.

„Wennigsen hat sehr viele versiegelte Flächen und auch viele Felder, auf denen nur eine Kultur wächst – deshalb sind Flächen wie diese hier sehr wichtig für den Artenschutz“, erläutert Krick. Tierschutz und Artenschutz – das ist auch der siebenjährigen Ella wichtig. „Ich mag Tiere gerne, es ist toll, dass ich hier so viele verschiedene sehe“, sagt das Mädchen, während sie mit einem Kescher im Mühlbach nach Lebewesen sucht. Sie und die anderen Kinder haben unter anderem schon Hummeln, Wespen, Schnecken und Schmetterlinge auf den Wiesen entdeckt, bevor sie durch das Wasser stapfen. Am heutigen Tag sollen sie aber vor allem ein Gespür für die Natur entwickeln und auch für den Artenschutz sensibilisiert werden. Dafür ist auch Michael Lucas vom Nabu Garbsen angereist – und hat unter anderem Bestimmungskarten, Lupen, Kescher und Mikroskope mitgebracht. Denn alles, was die Kinder in dem Biotop entdecken, wird gemeinsam mit dem Experten bestimmt. „Und dann auch wieder frei gelassen“, sagt Lucas.

Goldfische gehören nicht in den Mühlbach

Bachforellen, Gründlinge, Elritzen, Stichlinge, Flussbarsche und Mühlkoppen gehören in den Mühlbach. Doch seit einiger Zeit häufen sich die Sichtungen einer dort überhaupt nicht heimischen Fischart: Immer wieder sehen Spaziergänger Goldfische im Mühlbach. „Die muss jemand hier ausgesetzt haben“, sagt Nabu-Vorsitzender Gerhard Krick, der davon wenig begeistert ist. Immerhin soll die heimische Artenvielfalt gestärkt werden – und Goldfische gehören einfach nicht in den Bach. Denn Goldfische, eigentlich eine Karpfenart, sind äußerst gefräßig, anpassungsfähig und vermehren sich auch sehr schnell. Innerhalb kurzer Zeit können die Zierfische heimischen Amphibien verdrängen, wie es etwa vergangenes Jahr in München geschehen ist. Zudem können die Miniaturausgaben, die erst durch spezielle Züchtungen so klein geworden sind, auch schnell wieder sehr groß werden. In Australien wurde beispielsweise kürzlich ein 1,9 Kilogramm schweres Exemplar gefangen.

Dabei erfahren sie nicht nur wissenswertes über Tiere und Pflanzen sondern auch zu dem Gebiet, das der Nabu seit 1996 pflegt. Aufgrund einer Kompensationsmaßnahme für das Wennigser Baugebiet Klostergrund wird das Biotop nun um 5,5 Hektar naturnaher Fläche erweitert. Außerdem wurde ein Rückstaubecken angelegt, das zur Hochwasserregulierung der Regenwassermengen dienen soll. „Das Becken ist so gut wie fertig“, sagt Krick, der sich sehr darüber freut, dass das kleine „Naturschutzgebiet“ erweitert wurde, auch wenn diese zusätzliche Fläche nicht vom Nabu sondern von der Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere Leine gepflegt wird. „Das Rückhaltebecken ist wichtig, weil es als Entwässerungshilfe dient“, sagt Krick. So soll der Mühlbach auch bei Starkregen beruhigt werden. „Denn sonst werden viele kleine Lebewesen weggeschwemmt“, sagt Krick.

Durch den Abfluss eines Überlaufs in das Rückhaltebecken werde dem Gewässer der Stress genommen. Wie viele Tier- und Pflanzenarten aktuell in dem Biotop zu finden sind und in wie fern sich die Vielfalt erhöht hat, kann Krick derzeit allerdings nicht sagen. „Ich versuche aber jemanden von der Hochschule zu finden, der eine Kartierung macht“, sagt er. Bisher hat zumindest das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) eine Elektrobefischung des Wennigser Mühlbaches durchgeführt – und dabei festgestellt, welche Fische im Mühlbach leben. Gefunden wurden: Bachforellen, Gründlinge, Elritzen, Stichlinge, Flussbarsche und Mühlkoppen. „Mühlkoppen stehen unter Naturschutz – das heißt, dass unser Mühlbach besonders schützenswert ist“; sagt Krick. Dem stimmt auch Lucas zu. „Die Kinder haben im Wasser zahlreiche Insekten gefunden – wäre der Bach belastet, gäbe es die nicht“, sagt er.

Neue Tierarten beweiden Mühlbach

Seit April diesen Jahres sind auch Zwergzebus auf einem Teil der Fläche beheimatet. Diese sehr pflegeleichte Hausrind-Rasse ist äußerst geschickt und eignet sich hervorragend zur Pflege von über Jahre nicht mehr bewirtschafteten, verbuschten Flächen. „Außerdem müssen sie nicht entwurmt und geimpft werden, weshalb in ihrem Dung viele Insekten überleben, die in normalem – mit Antibiotika vollgepumpten – Rindern nicht überleben würden“, sagt Krick. Und mit der neuen Ausgleichsfläche soll noch eine weitere ganze neue Tierart an den Mühlbach kommen: Der Wasserbüffel. Denn im Bereich des Rückhaltebeckens wird es auch eine Art Sumpfgebiet geben, das man nicht mähen kann. Ob das tatsächlich passieren wird, da ist Krick skeptisch. „Immerhin ist es für den Landwirt, dem die Büffel gehören, mit großem Aufwand verbunden, die Tiere von Vörie hier her zu bringen und auch täglich zu besuchen“, sagt er. Er hofft aber, dass die Beweidung durch Wasserbüffel umgesetzt wird.

Von Lisa Malecha

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