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Nachrichten Erinnerung ans Polizeischwein
Umland Wennigsen Nachrichten Erinnerung ans Polizeischwein
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17:53 27.07.2016
Wenige Jahre vor der Schließung herrschte Hochbetrieb in der Polizeischule. Quelle: Norbert Paatsch
Wennigser Mark

Bis zur Schließung der Polizeiausbildungsstätte sind ständig Dienstfahrzeuge ein- und ausgefahren. Die Märker konnten an Tagen der offenen Tür Volksfeste besonderer Art erleben, die Sporthalle nutzen oder auf dem Freigelände Wettkämpfe austragen.

Polizisten, die aus ganz Niedersachsen und Nachbarländern zu den unterschiedlichsten Lehrgängen anreisten, bekamen damals von der Idylle am Deisterrand wenig mit. In der Polizei-Ausbildungsstelle für Technik und Verkehr Niedersachsen (PATVN), kurz Polizeischule genannt, wurde hart gearbeitet. Ständig wurden neue Techniken vermittelt, wachsende Verkehrs- und Umweltprobleme behandelt, mit EDV-Arbeit und Digitalfotografie vertraut gemacht sowie Waffen und Einsatzfahrzeuge getestet.

Die Bürger sind nicht immer begeistert gewesen. Als die Lärmschutz- und Sicherungsmaßnahmen sowie vor allem der Schutz gegen Terroristen für das 53 000  Quadratmeter große Grundstück ausgeweitet wurden und wegen der Bauarbeiten der Grundwasserspiegel sank, sorgte das für Ärger. Aber: Die Sicherheit musste gewährleistet werden. Wer konnte denn ahnen, dass trotz des Aufwandes 1983 Ganoven im Wald, ganz in der Nähe der Umzäunung, fünf Kilogramm Haschisch verstecken würden? Polizeihunde spürten die Verstecke auf.

Empörung oder Schadenfreude in der Bevölkerung waren vergessen und der Beifall groß, wenn die Polizei mit den Diensthunden für die Öffentlichkeit die Rauschgiftsuche demonstrierte, die Tiere Funde in Autoreifen, Fahrzeugtanks und Polstermöbeln aufspürten oder 1986 sogar mit dem Polizeischwein Luise, einer Wildsau, erfolgreich gesucht wurde.

Applaus gab es auch, als ein moderner Wasserwerfer zum Einsatz kam und der nächste Nachbar der Polizeischule darum bat, damit seinen Garten zu wässern. Er konnte blitzschnell zufrieden gestellt werden. Großen Anklang fand eine Dauerausstellung mit Schmuggelware und imprägnierten exotischen Tieren. Einige Exponate sind heute noch im Polizeimuseum in Nienburg zu sehen.

Für die Weiterbildung zogen die Polizisten häufig in die Umgebung. In den Achtzigerjahren wurde für Geschwindigkeitskontrollen die Drillingsschranke, die auf beiden Straßenseiten und in Kurven messen konnte, auf Landstraßen eingesetzt. Bei ihrem Anblick traten Autofahrer erschrocken auf die Bremsen. Zahlen mussten sie nicht, war ja nur Schulung.

Die Arbeit der Polizeiausbildungsstelle für Technik und Verkehr begann 1956 mit der Kraftfahrerausbildung. Im Laufe der Jahre kamen weitere Ausbildungsgänge dazu, das ausgediente Hotel Waldkater wurde mit einbezogen, bis 1978 ein Neubau mit diversen Schulungs- und Funktionsräumen, Restaurant, 30 Einzel- und 64 Zweibettzimmern, Garagen, Wartungsräumen und Lehrwerkstätten übergeben werden konnte. Die Hundearbeit der Polizeischule wurde zwischenzeitlich, besonders wegen Lärmbelästigungen, nach Algermissen verlegt.

Der Grundstein für die damals moderne Ausbildungsstätte ist im August 1974 gelegt worden. 20 Millionen Mark investierte das Land in den Neubau. Hinzu kamen Dienstwohnungen für Polizeibeamte in der Umgebung. Immer wieder sorgte die Polizeischule für Aufsehen. Neue kriminaltechnische Untersuchungen wurden dort getestet und unterrichtet. Zuletzt sind am Deister jährlich bis zu 5500 Polizisten in mehr als 400 Seminaren und Kursen von etwa 60 Fachlehrern und Mitarbeitern aus- und weitergebildet worden.

Die Geschichte des Geländes begann um 1906. Damals errichtete die Norddeutsche Zündschnurindustrie eine Fabrik in der Mark. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) der Nazis zog 1933 in die seit 1925 leer stehenden Gebäude ein. Nach 1940 wurden dort polnische Zwangsarbeiter untergebracht. Der Landkreis Hannover richtete auf demselben Gelände von 1946 bis 1955 ein Altenheim ein. 1956 folgte dann das Land mit seiner Polizeischule.

Fotostrecke Wennigsen: Erinnerung ans Polizeischwein

Von norbert paatsch

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