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Umland Wennigsen Nachrichten Sport verbindet: Präventionsrat startet Kampagne
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00:18 08.02.2018
Integration durch Sport: Auf dem Fußballplatz spielt die Herkunft keine Rolle. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Wennigsen

 Mach mit! Der Slogan sagt schon alles. In Zusammenarbeit mit dem Wennigser Präventionsrat hat die Flüchtlingsinitiative Welcome für alle, die interessiert sind, in einem Verein Sport zu treiben, einen Info-Prospekt entwickelt, in dem Sportvereine, Sportarten und Ansprechpartner aufgeführt sind. Auf Wunsch gibt es Unterstützung bei der Kontaktaufnahme. Der Präventionsrat wünscht sich mehr Integration durch Sport, und da dies natürlich auch für Deutsche gilt, wurde die Aktion bewusst offen konzipiert und ist von jedem nutzbar. Im Präventionsrat hat sich eine Sport-Arbeitsgruppe gegründet mit Integrationslotse Jürgen Welk, Sozialarbeiterin Andrea Schröter und den Ratsmitgliedern Ursula Veit und Jonas Farwig , die sich um das Projekt kümmert. 

Mach mit: Mit diesem Plakat werben der Präventionsrat und die Flüchtlingsinitiative Welcome. Quelle: privat

Die Idee dazu kam aus der Welcome-Gruppe, da Geflüchtete die Vereinslandschaft im Ort in der Regel nicht kennen und daher oft Schwierigkeiten haben, Kontakt zu Vereinen herzustellen. Seien sie jedoch erst einmal eingetreten, sei das Team oder die Mannschaft oft eine große Unterstützung – „und eine der besten Integrationshilfen für diese Menschen“, weiß Betreuer Welk aus Erfahrung. In der Ü60 des TSV Wennigsen kicken schon seit zwei Jahren auch Flüchtlinge einmal in der Woche mit. Im Winter wird in der Turnhalle der Grundschule im Lindenfeld trainiert immer dienstags von 18.30 bis 20 Uhr. „Und nicht nur Fußball verbindet“, sagt Welk.  

Schwimmen und Handball, Tanzen und Turnen,  Leichtathletik und Karate: Bei der neuen Kampagne machen der SV Degersen, die DLRG Wennigsen, der Schachclub Wennigsen, die SG Bredenbeck und der TSV Wennigsen mit insgesamt 16 Sparten und Sportarten mit. Einige Vereine und Sparten wie Tischtennis werden erst später einsteigen, da sie momentan keine neuen Mitglieder aufnehmen können, weil sie nicht genügend Trainer haben oder die Turnhallenkapazitäten im Winter nicht reichen.

„Mit unserer Bürokratie allein gelassen“

Fahrradwerkstatt, Hausaufgabenhilfe, Beratung: Die Helfer sind zwar weniger geworden, doch aus vielen spontanen Hilfsaktionen sind bei Welcome Wennigsen auch dauerhafte Einrichtungen geworden. In Wennigsen leben zurzeit etwa 325 Geflüchtete. Zuständig ist zunächst die Gemeinde und später das Jobcenter, wenn der Asylantrag bewilligt ist und die Flüchtlinge bleiben dürfen. Fast alle sprechen kein Deutsch, wenn sie hierherkommen, einige wenige etwas Englisch. „Trotzdem wird erwartet, dass sie sich in unserer Gesellschaft zurecht finden“, sagt Betreuer und Integrationslotse Jürgen Welk. 

Welk erzählt von zwei Großfamilien, die er betreut. Insgesamt 17 Personen. Sie gehören zu den Jesiden, die verfolgte religiöse Minderheit im Irak. Betreuer Welk unterstützt so gut es geht. Die Verständigung ist schwierig, weil die Familie nur kurdisch spricht. Es sind Analphabeten. Alle zwei Wochen schickt der hannoversche Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit (Kargah) einen Dolmetscher. Ein kleiner Lichtblick: Dem Syrer, um den sich Welk kümmert, konnte er vor kurzem einen Job in einer Bäckerei besorgen, damit es irgendwie mal weiter geht. 

Welk bedauert, dass „diese Menschen mit unserer Bürokratie allein gelassen werden“ und erzählt von Koffern und Tüten voll mit Briefen, die er bei Flüchtlingen schon gefunden hat. Unklare Zuständigkeiten, Formulare und Beamtendeutsch machen den Flüchtlingen zu schaffen. „Weil sie ohnehin niemand versteht und lesen kann, werden die Schreiben erst gar nicht geöffnet“, sagt Welk und zeigt sogar ein Stück weit Verständnis dafür.

Nach dem Boom kommen inzwischen zwar nur noch wenig neue Flüchtlinge nach Wennigsen. Im vergangenen Jahr waren ein keine 40 –  „aber auch die brauchen unsere Hilfe“, sagt Welk.  

„Vor drei, vier Monaten hatten wir die ersten Gespräche mit den Vorsitzenden und rannten bei allen sofort offene Türen ein“, erzählt Welk. Für die Integration von Flüchtlingen in Sportvereine bieten Regions- und Landessportbund zahlreiche Fördermöglichkeiten an. Angedacht ist, die Liste einmal im Halbjahr zu aktualisieren und den Erfolg der Aktion zusammen mit den Vereinsverantwortlichen zu verfolgen. Der aktuelle Stand findet sich immer im Internet auf Welcome Wennigsen

Von Jennifer Krebs

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