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Umland Wennigsen Nachrichten Ist die Wennigser Luft zu schmutzig?
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00:48 20.04.2018
Es gibt viel Durchgangsverkehr auf der Hauptstraße. Täglich fahren bis zu 6000 Autos vorbei. Quelle: Jennifer Krebs
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Wennigsen

Hans-Werner Spieß gibt nicht auf. Schon seit Jahren bemüht sich der Wennigser darum, dass etwas unternommen wird gegen den Lärm und die Abgase auf der Hauptstraße, damit „die Hauptstraße lebenswerter und menschengerechter wird“, sagt er. 6000 Autos und 200 schwere Lastwagen rollen täglich über die Wennigser Hauptverkehrsstraße. „Das sagt doch eigentlich schon alles“, findet Spieß, der seit 30 Jahren an der Hauptstraße wohnt. Der Verkehr gilt als größter Verursacher von Stickstoffdioxid. Es entsteht bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Gas, Kohle und Öl, und es ist daher auch Bestandteil des Abgases von Kraftfahrzeugen. 

Seit kurzem gibt es nun  Zahlen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einen Monat lang an 559 Standorten den NO2-Gehalt in der Luft gemessen. Es handelte sich hier nicht um eine offizielle, behördliche Messung, sondern um eine Messung mit freiwilligen Helfern. Die Messröhrchen erfüllen aber die EU-Richtlinien in Bezug auf die Genauigkeit. 

Ein Röhrchen misst, wie schlecht die Luft ist

Die Messmethode ist sehr einfach und erprobt: In den kleinen Röhrchen befindet sich eine chemische Substanz, die das Stickstoffdioxid bindet. Sobald die Röhrchen geöffnet werden, wird dieser Prozess in Gang gesetzt. Um die Messung zu starten, wird eine rote Verschlusskappe am Passivsammler entfernt und durch einen grünen Wetterschutz-Aufsatz ersetzt. Und ab diesem Zeitpunkt wird “gesammelt“. 

Hauptstraßen-Anlieger Hans-Werner Spieß wohnt an der Ecke zur Hirtenstraße und hatte ein Messröhrchen an seinem Haus angebracht – in zweieinhalb Metern Höhe mit Kabelbindern an einem Pfosten vom Vordach befestigt. Einen Monat lang, den ganzen Februar über hing das Röhrchen dort, um die Schadstoffbelastung auf der Hauptstraße zu messen. 

Ohne Spieß’ Eigeninitiative wäre Wennigsen nicht bei dieser ersten großen Messaktion der Deutschen Umwelthilfe dabei gewesen, bei der bundesweit an 559 Messorten die Belastung der Atemluft mit Stickstoffdioxid gemessen wurde. Er hatte sich direkt an die Umwelthilfe gewandt und als freiwilliger Helfer zur Verfügung gestellt. 

Für die Hauptstraße in Wennigsen kam ein Wert von 23,3 Mikrogramm je Kubikmeter für Stickstoffdioxid heraus. Die Immissionen liegen damit deutlich unterhalb des EU-weiten gesetzlichen Grenzwerts, der bei 40 Mikrogramm liegt. Die DUH sieht aber schon einen Wert von 20 Mikorgramm je Kubikmeter als gesundheitschädlich an und verweist auf aktuelle Studien verschiedener Behörden und Institute, wonach Gesundheitsschäden insbesondere von Kindern, Schwangeren und älteren Menschen ab einer Luftbelastung von 20 Mikrogramm NO2 auftreten könnten. 

ZEile

Spieß sieht sich vollauf bestätigt. „Auf der Hauptstraße muss etwas passieren“, sagt er und schlägt unter anderem eine Geschwindigkeitsreduzierung auf höchstens Tempo 20 mit dem Hinweis auf Straßenschäden, Lkw-Kontrollen und kleinere Busse vor. Die Hauptstraße sollte durchgehend eine vorfahrsberechtigte Straße werden ohne Rechts-vor-Links-Situation, wie es sie etwa an der Kreuzung zur Hirtenstraße derzeit gibt. Das alles seien Maßnahmen, die noch vor der Grundsanierung ergriffen werden könnten, meint Spieß, der seine Vorschläge an die Gemeindeverwaltung geschickt hat. 

Ein Stück weit gibt Bürgermeister Christoph Meineke Spieß durchaus Recht, wenn es darum geht, dass die Hauptstraße entlastet werden muss. Sorgen um zu viel Stickoxid macht sich der Verwaltungschef aber nicht. „Wir haben kein Schadstoffproblem“, betont er und hat ausgerechnet: Selbst wenn 70 Prozent höhere Stickoxid-Werte gemessen worden wären, läge die Wennigser Hauptstraße immer noch unter dem gesetzlichen Grenzwert. 

Hirtenstraße bald verkehrsberuhigt?

Erste Planungskonzepte für die Hauptstraße hat der beauftragte Generalplaner BPR den Sitzungen der AG-Hauptstraße schon vorgestellt. An der Heitmüller-Kreuzung am Rathaus ist ein Kreisel im Gespräch. Ziel der Gemeindeverwaltung ist es, die Planungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit durchzuführen und schnellstmöglich mit der Umsetzung zu beginnen. Mit Beginn der Baumaßnahmen rechnet Bürgermeister Christoph Meineke aber erst 2019. 

Meineke spricht über die Verkehrssicherheit und zu vielen abgefahrenen Autospiegeln, weil sich der Verkehr auf der Hauptstraße zu eng an den parkenden Autos vorbeischieben muss. Das soll sich mit der Sanierung ändern. Auch mit der zuständigen Unteren Verkehrsbehörde der Region hat die Gemeinde schon einige Optionen durchgesprochen. Eine Idee ist es zum Beispiel, den vorderen Teil der Hirtenstraße bis zum Spritzenhaus verkehrsberuhigt als Spielstraße zu gestalten – wie gegenüber die Hagemannstraße. 

Die AG-Hauptstraße begleitet die Planungen im Sanierungsgebiet. Die Arbeitsgruppe tagt das nächste Mal am 28. Mai, die Sitzungen sind öffentlich. 

Von Jennifer Krebs

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