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00:16 22.07.2017
Von Jennifer Krebs
Im Gelände: Studenten der Universität Hannover vermessen den südlichen Wall der Bennigser Burg. Quelle: Jennifer Krebs
Bredenbeck

In Steinkrug geht es am Sportheim vorbei etwa einen Kilometer weit in den Wald. Die Studenten dürfen mit dem Auto so weit es geht vorfahren - das sei genehmigt, sagt Frank Thiemann vom Institut für Kartografie und Geoinformatik. Immerhin müssten sie auch allerhand Geräte mitschleppen, betont der wissenschaftliche Mitarbeiter. "Und der Tachymeter wiegt ganz schön."

Dieser schwere graue Kasten zum Durchgucken ist das wichtigste Instrument bei der Vermessung. Winkel und Distanzen können mit ihm gleichzeitig gemessen werden. Überall, wo die Lage oder Höhe von Punkten bestimmt oder abgesteckt werden muss, wird ein Tachymeter eingesetzt. Schätzungsweise 4000 solcher Punkte werden die Studenten für das Geländeprofil der Bennigser Burg mit dem Tachymeter einmessen. Diese Punkte werden am Ende zu einer Oberfläche miteinander verbunden. Auf wenige Zentimeter genau entsteht so der sogenannte Höhenlinienplan.

Mit einem Tachymeter zu arbeiten sei deutlich einfacher, als alles per Hand aufzuschreiben und zu rechnen, sagt Thiemann. Das Gerät speichert die Daten und überträgt sie in den Computer. Dennoch sei diese klassische Methode der topografischen Geländeaufnahme aufwendig und brauche Zeit. Für zwei Wochen haben die Studenten im Bredenbecker Landschulheim ihr Feldbüro eingerichtet. Eigentlich sei ganz Niedersachsen inzwischen flächendeckend einmal mit dem 3-D-Laserscanner erfasst worden, sagt Thiemann. Bei dieser modernen Vermessungsmethode geht es mit dem Helikopter in die Luft. Das Schöne beim Tachymeter aber sei, "dass wir im Gelände sind".

Die Bennigser Burg ist die erste große Messübung für die Uni-Studenten. Sie sind im zweiten Semester. Bei dem Projekt gehe es nicht um eine typische Gebäudeaufnahme, sagt Thiemann. Sondern in erster Linie um den Boden. Das Gelände der Burg soll in einer topografischen Aufnahme erfasst werden. Am Ende wird von der ehemaligen Burganlage dann ein digitales Geländemodell und ein Höhenlinienplan im Maßstab 1:1000 herauskommen. Seine Ergebnisse wird das Uni-Institut dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege zur Verfügung stellen.

"Denken Sie sich die Bäume weg", sagt Thiemann, während er über weich federnden Waldboden einem schmalen Pfad durch den Wald folgt, vorbei an unterschiedlichen Farnpflanzen und allerlei Buschwerk. Einige Studenten warten auf ihn am südlichen Wall, der noch vermessen werden muss. Die frühmittelalterliche Bennigser Burg wurde in der Art einer Höhenburg strategisch günstig auf einem Geländerücken angelegt. Ihre Wälle fielen mit der Hauptburg von oben beginnend nach unten ab. Die Hauptburg samt Vorburg und östlichem Wall ist etwa fünf Hektar groß gewesen – das kann Thiemann anhand der Aufzeichnungen rekonstruieren.

Historische Relikte schützen

Nur für die Schublade? Beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege landet das Geländemodell der Bennigser Burg wohl erst einmal im Archiv. "Fürs Erste", sagt Thiemann. Später, in einigen Jahren, werde der Höhenlinienplan der Studenten für die Denkmalpfleger höchst interessant und aufschlussreich sein, "um über die Jahre hinweg Veränderungen feststellen zu können", sagt Thiemann.

Die Überreste der Bennigser Burg, die mehr als 1000 Jahre alt ist, sollen geschützt werden. Das Landesamt für Denkmalpflege ist bemüht, die Anlagen so zu lassen, wie sie sind, um den Ort als historische Stätte zu bewahren. Deswegen müsse man sorgsam mit dem Bereich umgehen und ihn schützen, sagt Thiemann. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität verweist dabei auch auf die Forstwirtschaften, die manchmal schweres Gerät einsetzen müssen. Dann sei es durchaus gut zu wissen, wo sich im Wald überall die Reste der Burg befänden.

Die Kooperation zwischen dem Institut für Kartografie und Geoinformatik und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege besteht schon ziemlich lange - "schon seit über 50 Jahren", weiß Thiemann. Ein Praxisprojekt in Topografie, bei dem die Studierenden am Beispiel einer historischen Burg ein Geländemodell erstellen, gibt es jedes Jahr für die angehenden Geoinformatiker.

Die Bennigser Burg wurde schon einmal topografisch vermessen, aber das ist schon ziemlich lange her. Es gebe einen Höhenlinienplan von 1956, den wohl auch "unser Institut angefertigt hat", sagt Thiemann. Genau ließe sich das anhand der Karte aber nicht mehr sagen. Dann existiert noch ein Plan aus dem Jahr 1991, der aber auf Katasterdaten basiert. Und es gibt zudem noch eine ältere Handskizze aus den Dreißigerjahren.

Bennigser Burg ist 
über 1000 Jahre alt

Die Bennigser Burg liegt gut geschützt auf einem langgestreckten Höhenzug zwischen zwei tiefen, schluchtartigen Bachläufen. Wahrscheinlich wurde die Anlage im frühen Mittelalter errichtet, vielleicht als Fluchtburg. 1937 fand eine Grabung statt. Sie beschränkte sich auf die Reste eines Tores zwischen der Haupt- und der Vorburg. Die vorgefundenen Mauerreste waren so gut erhalten, dass die Ringwallanlage zeichnerisch rekonstruiert werden konnte. Scherbenfunde gehören in das 10. Jahrhundert.

Von der Befestigungsanlage sind heute noch drei bis fünf Meter hohe Erdwälle vorhanden. Mit Ausnahme der Tordurchlässe verläuft vor den Erdwällen ein Graben. Etwa 200 Meter südlich der Burg gibt es eine weitere Wall- und Grabenanlage, die wohl zur Burg gehörte. Es ist davon auszugehen, dass den Wällen früher eine mehrere Meter hohe Mauer aus Steinen oder Holzstämmen vorgesetzt war. Obwohl es bisher keine genauere archäologische Untersuchung gibt, ist dies aufgrund der Bauweise ähnlicher Anlagen wie der Heisterburg in der Nähe des Lauenauer Ortsteils Feggendorf anzunehmen. 

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