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00:17 03.03.2018
Mit ihrer Lampe aus Stanzresten der Verpackungsindustrie hat Marie Schwalenberg den Glocksee Waste Award gewonnen. Quelle: Malecha
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Wennigsen

 Tausende kleine Druckresten, alte Lockenwickler, ein ausgedientes Trampolin oder aber kaputte Fahrradbremsen? Was die meisten Menschen ohne weiter drüber nachzudenken entsorgen würden, ist für Marie Schwalenberg alles andere als nutzlos.  Aus etwa 1000 Druckresten hat die Zwölftklässlerin der Freien Waldorfschule aus Sorsum eine Dämmerlicht-Stehlampe gefertigt, mit der sie den Glocksee Waste Award gewonnen hat. Das ist der Preis für Nutzungsinnovationen, den die Upcyclingbörse Hannover zum zweiten Mal vergeben hat. 

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Mit ihrer Lampe aus Stanzresten der Verpackungsindustrie hat Marie Schwalenberg den Glocksee Waste Award gewonnen.

Durch ihre Eltern sei sie ohnehin kreativ vorgeprägt gewesen, sagt die 18-Jährige. Ihre Mutter ist Textildesignerin, ihr Vater Ingenieur.  Und Schrott habe sie schon immer fasziniert. „Ich bin früher schon auf den Schrottplatz gegangen,m und habe Dinge aus dem Mpüll gesammelt“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Damals habe ich aus dem Schrott aber nichts gemacht –ich habe ihn einfach nur mitgenommen.“ Erst mit 14 sei sie dann auf das Wort „Upcycling gestoßen. „Ich hatte damals schon viele Ideen, habe mich aber nicht getraut, sie umzusetzen.“ In der Schule habe sie sich jetzt  ein Jahr lang mit einem Projekt ihrer Wahl befassen sollen - und habe Upcyvcling gewählt. „Sonst wäre ich wohl nie in die Puschen gekommen“, sagt sie. 

An Upcycling fasziniert sie die Tatsache, dass man aus alten Dingen etwas ganz neues macht. „Man gibt den Dingen wieder einen Sinn und einen Zweck“, sagt sie. Daher sei es einfach Interessanter aus Schrott etwas zu kreieren als aus normalen Materialien. Auf die Idee zu der Lampe ist sie während ihres Praktikums bei der Upcyclingbörse gekommen. „Die haben die Stanzreste dort Kistenweise“, sagt Schwalenberg. Als sie die kleinen orangefarbenen Verpackungsreste gesehen hat, sei ihr einfach sofort eine Lampe in den Sinn gekommen. „Ich habe am ersten Tag schon angefangen, mit den Resten loszuwerkeln“, sagt die 18-Jährige. 

Dass die Druckreste ideal zu Lampen verarbeitet werden können, das habe sie einfach sofort gesehen. „Nur wie ich die Lampe abschließe, das was mir unklar.“ Nach und nach formte sich in ihrem Kopf aber ein erstes Modell – aus Streben, Holzsockel und Druckresten. „So kann man das Grundprinzip variieren, indem man die Abstände verkleinert oder vergrößert und dadurch mehr oder weniger Licht durchdringt“, erläutert sie während sie in ihrer Werkstatt sitzt. „Die habe ich bekommen, nachdem ich den Award gewonnen habe“, sagt Marie. Denn auf der kleinen Werkbank, die sie vorher bereits hatte, habe sie nicht vernünftig arbeiten können –und die Lampen sollen ja jetzt noch überarbeitet und auch vermarktet werden. „Ich würde daraus ggerne eine ganze Serie machen“, sagt sie. Dazu habe sie sich auch schon mit einem Lichtkünstler zusammengesetzt, der ihr hilfreiche Tipps gegeben hat. „Wir müssen mit Massenproduktion gegen den Massenabfall vorgehen“, sagt die Schülerin, die bereits einige weitere Ideen für die Stanzreste hat. „Wenn man sie presst, könnten schöne Möbel entstehen“, sagt sie. 

Schwalenberg will nicht jedem Trend hinterherlaufen sondern etwas machen, was Sinn und Zukunft hat. „Die Leute kaufen Dinge leider oft nur, weil sie cool aussehen, und nicht weil sie überlegen, dass wir Ressourcen schonen sollten.“ Das sei schwer zu vermitteln. Daher seien die meisten Upcycling-Ideen auch so einseitig. „Jeder macht was aus Paletten und Schallplatten – das ist halt modern.“ Andererseits sei das auch gut für sie, sagt Schwalenberg. So habe sie weniger Konkurrenz bei den zahlreichen Preisen, für die sie sich bewerben will.  „Ideen habe ich genug – aber die Zeit fehlt mir“, sagt die Zwölftklässlerin, die gerne Produktdesign studieren will. „Das ist für mich viel mehr als ein Hobby“, sagt sie. Und das sieht man auch an den zahlreichen Prototypen, die in der Wohnung verteilt sind: Die Türklinke ist ein Bremshebel, die bunten Turnbeutel sind aus Sonnenschirmen und auch eine Lampe aus Lockenwicklern steht in ihrer Werkstatt. An einer Liege aus einem Alten Trampolin arbeitet sie derzeit nocht. „Da sind die ersten paar Prototypen misslungen“, sagt sie.  

Das ist der Waste-Award

Über 40 Schülerinnen und Schüler aus sieben Schulen in der Region Hannover  haben sich mit ihren Ideen in diesem Jahr für den Glocksee Waste Award beworben. Aus 27 Prototypen hat die Jury dann je einen Sieger in zwei Alterskategorien ausgezeichnet. „In den Ideen zeigte sich der kreative Erfindergeist der Jugend“, sagte Gert Schmidt, Leiter der Upcyclingbörse Hannover. Marie Schwalenberg gewann in der Kategorie der Acht- bis  13-Klässler und konnte sich über ein  Preisgeld von 160 Euro freuen.  In der Kategorie 5. bis 7. Klasse haben Henrike Baumann und Megann Hunter vom Gymnasium Limmer den ersten Platz belegt. Die beiden Sechstklässlerinnen hatten aus ihren alten T-Shirts Mützen genäht. 

Verliehen wird der Preis von der Upcyclingbörse Hannover. Gefördert wird der Award durch die Landeshauptstadt Hannover und Spenden. „Wir geben unser Bestes, um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Upcycling ist eine große Sache, aber von alleine nehmen nicht ganz so viele Leute teil, wie wir uns das wünschen. Der Glock­see-Waste-Award ist eine gute Möglichkeit, das prominent zu machen“, sagt Schmidt. Den Preis für Nutzungsinnovationen hat die Upcyclingbörse Hannover zum zweiten Mal vergeben. 

 

Von Lisa Malecha

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