Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wennigsen Ein Einblick in die Geschichte des Klosters
Umland Wennigsen Ein Einblick in die Geschichte des Klosters
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:22 11.07.2018
Dort, wo heute die Pfeiler stehen, waren früher die Außenmauern der Kirche. Quelle: Malecha
Wennigsen

Warum war Wennigsen ein Wallfahrtsort und wieso hat das evangelische Gotteshaus so viele Schmuckstücke? Die bewegte Geschichte des Wennigser Klosters bringt Constanze Kanz interessierten Besuchern seit Jahren näher.

Heute betreten die Besucher die Kirche über den romanische Wehrturm, der um 1150 gebaut wurde und der älteste Teil des Klosters ist. Doch das war nicht immer der Eingang. „Wo genau der ursprüngliche Eingang war, ist unklar“, sagt Kanz. Denn die Klostergebäude sind so, wie man sie heute vorfindet, erst zwischen 1707 und 1725 entstanden. „Wir sind also ein recht junges Kloster“, sagt Kanz.

Constanze Kanz führt Besucher durch die Klostergebäude und berichtet von der bewegten Geschichte des Klosters.

Allerdings reicht die Geschichte des Klosters viel weiter zurück. Schon um 1200 wurde es als Stift für Augustiner-Chorfrauen gegründet. Das Hauptschiff war zu dieser Zeit nur so breit wie der Turm und endete von der Länge ungefähr dort, wo heute der zweite Achteckpfeiler steht. Sie wurde Schrittweise erweitert – weshalb sowohl romanische als auch gotische Elemente sich in dem Gebäude wiederfinden. Das älteste Stück des Klosters bekommen die Besucher direkt am Anfang der Tour zu sehen: Beim Eingang an der Wand des Turms hängt ein romanisches Tympanon der vorklösterlichen Pfarrkirche, das im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts entstanden ist. Es ist das älteste Baudenkmal Norddeutschlands. Der Türsturz zeigt die biblische Geschichte von Kain und Abel. In ihrer Mitte sitzt Christus auf einem Thronsessel. Links von ihm kniet Abel, bringt ihm ein Opfer dar. Rechts lehnt sich Kain in Richtung des Throns, schaut dabei aber in nicht zu Christus sondern blickt die Betrachter an. Die sind neben Kanz an diesem Nachmittag Vertreter der CDU-Regionsfraktion, die sich bei ihrer Sommerreise verschiedene Orte mit kultureller Bedeutung anschauen.

Schmuckstücke waren eingemauert

Kanz berichtet in ihrer 90 minütigen Führung von den Besonderheiten des Klosters und seiner Geschichte – und dazu gehören bei der Kirche die Vielfalt an Umbauten, Relikte aus verschiedenen Epochen und diverse Überbleibsel aus der Zeit vor der Reformation. All diese Veränderungen haben dazu geführt, dass der Besucher heute meinen könnte, es passt nicht alles zusammen, was man in der Klosterkirche sieht. Denn fast in jedem Jahrhundert hat sich das Gotteshaus verändert, diente untere anderem um das Jahr 1920 herum als Waffenlager und nach dem Zweiten Weltkrieg als Zufluchtsort für mehr als 100 Flüchtlinge.

Während der Führung weist Kanz auch auf die vielen Heiligenfiguren, aufwändige Schnitzereien und Deckengemälde hin. Doch nach der Reformation sei schmückendes Beiwerk verpönt gewesen, sagt Kanz. Die Gläubigen sollten sich allein auf das Wort Gottes konzentrieren. Und auch in Wennigsen waren sie lange Zeit verschwunden. „Die Figuren wurden damals eingemauert“, sagt Kanz. Heiligenfiguren und das Kreuz Jesu wurden im Kirchenkeller eingemauert, als das Calenberger Land 1542 lutherisch wurde. Erst als unter der Nonnenempore im Jahr 1908 ein Heizungskeller entstehen sollte, entdeckte ein Handwerker die Figuren – und war schockiert, weil er zunächst dachte, er habe einen Raum voller Leichen entdeckt.

Wennigsen war Wallfahrtsort

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass das Kloster so schmuckvoll ausgestaltet war? „1261 hat der Bischof von Minden Wennigsen zum Wallfahrtsort erklärt“, sagt Kanz „Wer den Weg zu ihr ging, erhielt einen Sündenerlass von 40 Tagen weniger im Fegefeuer.“ Das lockte zahlreiche Gläubige nach Wennigsen und wirkte sich auch positiv auf die finanzielle Lage von Kloster und Gemeinde aus. Heute werden im Kloster neben Meditationskursen, offenen Meditationstagen, auch die Rückzugsmöglichkeit "Kloster auf Zeit" und Klostertage angeboten. Im Klostersaal finden seit vielen Jahren die Konzerte des Kulturkreises statt.

Weitere Führungstermine sind jeweils sonnabends am 11. August, 6. Oktober. Die Teilnahme kostet 4 Euro. Anmeldungen nimmt Constanze Kanz unter Telefon (01 76) 61 20 17 38 entgegen.

Von Lisa Malecha

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Ursache für den Brand eines Mehrfamilienhauses an der Gartenstraße kann nicht abschließend festgestellt werden. Hinweise auf Fremdverschulden gibt es allerdings nicht.

11.07.2018

Der Bridge-Club 99 Bredenbeck besteht inzwischen seit genau 30 Jahren. Aber auch drei Jahrzehnte nach der Gründung ist das Interesse der Mitglieder an dem anspruchsvollen Kartenspiel ungebrochen.

10.07.2018

Die Wennigser Wasserräder machen Schule: Die Attraktion im Deister wird in einem neuen Lehrfilm zum Thema Rad gezeigt.

10.07.2018