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Wennigsen Quartiersmanagerin zieht Bilanz
Umland Wennigsen Quartiersmanagerin zieht Bilanz
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13:21 09.07.2018
Quartiersmanagerin Catharina Weißenborn verlässt die Wennigser Mark. Quelle: Malecha
Wennigser Mark

Durch zusätzliche Angebote junge und ältere Märker noch stärker zusammenbringen – das war das Ziel, mit dem Catharina Weißenborn im September 2015 als Quartiersmanagerin angefangen hat. Nun neigt sich ihre Zeit in der Wennigser Mark dem Ende zu: Das Projekt läuft aus. Nur noch bis Ende August ist die gelernte Veranstaltungskauffrau als Ansprechpartnerin vor Ort. Doch das macht ihr keine Sorgen: „Wir haben das Rüstzeug gegeben und ganz viele Weichen gestellt, damit das Zusammenleben in der Wennigser Mark weiterhin so aktiv und vernetzt bleibt“, sagt Weißborn und ergänzt: „Drei Jahre waren genug.“

Doch wie kam es überhaupt zu dem Pilotprojekt? In einer Zukunftswerkstatt hatten die Märker vor mehr als drei Jahren den Wunsch nach einer stärkeren Vernetzung von Jung und Alt geäußert. Daraus ist die Idee für ein Quartiersmanagement entstanden. Weißenborn war daraufhin wöchentlich mit 26 Stunden im Einsatz. Die Kosten ihrer Stelle in Höhe von rund 100.000 Euro für drei Jahre wurden zu 80 Prozent von der gemeinnützigen deutschen Fernsehlotterie und zu 20 Prozent von der Johanniter-Unfall-Hilfe getragen.

Unterstützung für die Märker

Ihr Arbeitsplatz: Das Corvinus-Zentrum. Das wurde rund neun Monat vor ihrem Dienstantritt eröffnet und wird vom Johanniter-Ortsverband Deister betrieben. Ganz ohne Schwierigkeiten lief ihr Start in der Wennigser Mark nicht ab. „Immerhin kannte ich als Empelderin das Dorfleben nicht“, sagt sie. Zudem war es auch für die Märker ungewohnt, eine Nicht-Märkerin zu involvieren. Zudem sei bei einigen das Gefühl aufgekommen, man traue ihnen nicht zu, ihren Ort alleine lebendig zu halten. „Aber ich konnte schnell klar stellen, dass ich als Unterstützung da bin und meine Anwesenheit nicht als Vorwurf gegen die Märker zu werten ist“, sagt sie.

Doch schon bald habe die Zusammenarbeit mit den Märkern wunderbar geklappt. „Manchmal kann man als Externer einen ganz anderen Blick auf die Dinge werfen und das hat hier viel bewirkt“, zieht Weißborn Bilanz. Und mittlerweile stoße ihr Weggang im Ort sogar auf Unverständnis. „Aber wenn ich dann erkläre, dass die Mark einfach keinen Bedarf mehr hat, verstehen es die meisten.“ Denn was hier in den vergangenen Jahren realisiert wurde, dafür könne man sich schon auf die Schulter klopfen, findet Weißborn. Und auch Ortsbürgermeister Holger Dorl lobt das Engagement der 25-Jährigen: „Wir hatten natürlich schon viele Projekte, das hat es ihr schwer gemacht, etwas neues einzubringen, aber letztendlich ist es ihr gelungen, neue Strukturen zu schaffen“, sagt er. So seien Projekte entstanden, die helfen, die Ortschaft noch weiter zusammenzubringen.

Neue Ansatzpunkte finden

Die Wennigser Mark habe mit einer ganz besonderen Situation zu kämpfen gehabt: Zum einen wurde eine Gruppe der Bevölkerung immer älter. „Die Männer starben weg, die Frauen waren alleine“, sagt Weißborn. Andererseits seien sehr viele junge Familien in das Dorf gezogen, es gab einen „Babyboom“. „Doch Zugezogene brauchen häufig lange, um sich wirklich ins Dorfleben zu integrieren“, sagt Weißborn. Zumal sie für viele Angebote auch nach Wennigsen oder nach Barsinghausen ausweichen. „Fußball zum Beispiel kann man hier ja nicht spielen“, sagt sie. Doch wer sich in einem Verein in einem anderen Ort engagiert, für den ist dieser Ort häufig auch der soziale Lebensmittelpunkt. „Es ist schwer für einen kleinen Ort wie die Wennigser Mark, die Menschen zu halten“, sagt Weißborn. Und das obwohl die Wennigser Mark schon eh und je sehr viel bieten würde. „Es gibt und gab schon immer viele Menschen, die hier sehr viele Angebote initiieren“, sagt sie. Das sei es auch, was die Mark ausmacht. „Außerdem ist das Gemeinschaftsgefühl hier sehr stark, Nachbarschaftshilfe wird gelebt.“

Daher habe sie sich immer eher als jemanden empfunden, der von außen auf die Situation blickt, ein offenes Ohr hat und auch mal einen neuen Ansatzpunkt findet. „Das Märker Café beispielsweise war der Wunsch der Märker“, sagt sie. Irgendwann seien einige Frauen aus dem Ort zu ihr gekommen und hätten gefragt, ob sie das Projekt nicht gemeinsam realisieren wollen. „Seither bieten wir dieses offene Treffen monatlich an und es läuft sehr gut“, sagt Weißborn. Zudem habe sie als Quartiersmanagerin mit Hilfe der Johanniter auch zahlreiche Informationsveranstaltungen organisiert, bei denen Experten zu Themen wie Patientenverfügung oder Erste Hilfe referieren. Zudem gab es Tanzangebote, Bastelaktionen, den Kinderspaß und vieles mehr. Die meisten Aktionen werden künftig von Ehrenamtlichen weitergeführt. „Doch noch immer müssen die jüngeren den Weg zu den älteren finden“, sagt sie. Doch die ersten Schritte sind gemacht. „Die Mark hat so viel Potential und ich denke ich war für alle Engagierten nochmals eine Erinnerung, dass es dennoch harte Arbeit ist, den Ort lebendig zu halten“, sagt sie.

Von Lisa Malecha

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