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Wunstorf Luftbrücke bleibt in Erinnerung
Umland Wunstorf Luftbrücke bleibt in Erinnerung
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00:20 02.09.2018
Abschiedsparade am 27. August 1949 in Wunstorf. Quelle: Royal Air Force
Wunstorf

Der Fliegerhorst Wunstorf war vor 70 Jahren ein wichtiger Pfeiler der Berliner Luftbrücke. Die Stadt und das Lufttransportgeschwader 62 haben vereinbart, das Jubiläum mit einer Ausstellung, einem Vortrag und einem großen Konzert zum Abschluss zu feiern.

Die Blockade der Verkehrswege nach Westberlin war die sowjetische Reaktion, als die westlichen Alliierten im Juni 1948 in ihren Zonen die Währung auf die D-Mark umstellten. Die Führung der Sowjetunion wollte erreichen, dass die schwächere ostdeutsche Mark auch im Westen Berlins gelten sollte. Mit der Blockade war die Versorgung mit Lebensmitteln und Energie für die rund zwei Millionen Westberliner unterbrochen.

Damit sie überleben konnten, entschlossen sich die Westmächte dazu, mit der Luftbrücke die Versorgung mit Flugzeugen aufrecht zu erhalten. Die Lebensmittelvorräte in West-Berlin hätten nur für 36 Tage gereicht. Bis September 1949 musste diese Brücke aufrecht erhalten werden, und dabei hat die britische Royal Air Force von ihrer Station in Wunstorf aus bei fast 40.000 Flügen ein Sechstel aller Güter auf den Weg gebracht, die Berlin auf diesem Weg erreichten. Außerdem waren in Westdeutschland Wiesbaden, Frankfurt am Main, Faßberg, Celle-Wietzenbruch, Lübeck und Schleswig-Land beteiligt.

An die Versorgung des eingeschlossenen West-Berlin aus der Luft wird auch nach 70 Jahren noch als eine herausragende logistische Leistung erinnert – auch in Wunstorf.

Bis heute wird die Luftbrücke als eine große Leistung bewundert, seit Ende 2015 erinnert auch die Anschrift des Fliegerhorstes an diese Zeit. Zum 50-jährigen Jubiläum waren beteiligte Soldaten zu einer Dankveranstaltung in das mittlerweile wiedervereinigte Berlin eingeladen worden. Einer von ihnen war auch Graeme Bushell, der von Wunstorf aus York-Flugzeuge in die eingeschlossene Stadt geflogen hatte und anlässlich der Reise auch den Fliegerhorst erstmals wieder besucht hatte. Mit seinem früheren Navigator Arthur Wallace an der Seite erinnerte er sich dabei unter anderem an die anfangs oft matschigen Pisten und einen Auftritt von Bob Hope und Irving Berlin im Kino. Gewohnt hatten die beiden Flieger seinerzeit im Offizierheim. Insgesamt waren 84 britische Veteranen an dem Tag noch einmal an ihre Wirkungsstätte zurückgekehrt.

Bushell hatte berichtet, dass die Flüge in den ersten Tagen noch schlecht koordiniert waren, später gab es dann feste Flugpläne. Wegen der dichten Abfolge wurde irgendwann auch verfügt, dass jedes Flugzeug in Berlin nur einen Landeversuch hat, weil sich sonst schnell ein Stau aufbaute. „Am Ende hätte ich mein Flugzeug wohl mit verbundenen Augen im Schnee landen könne“, sagte Bushell, für den die Luftbrücke die Routine beim Fliegen sehr gut schulte – er selbst war 261-mal in die Luft gegangen.

Der Soldat war für die Luftbrücke von Singapur nach Wunstorf kommandiert worden und hatte mit Deutschen hier vor allem in der Kantine zu tun. Von deutschen Bratkartoffeln schwärmte er auch 50 Jahre später noch. Deutsche waren aber auch bei Bautätigkeiten und Beladung involviert, vor allem über die Deutsche Zivile Arbeitsorganisation, die hauptsächlich aus ehemaligen Kriegsgefangenen bestand. Allein in Wunstorf stellte sie 1500 Arbeiter, darunter auch Siegfried Klatt. Er bezeichnet 1999 gegenüber der Zeitung als einmalig, welchen Einsatz alle Beteiligten seinerzeit gezeigt haben – weil sie das historische Unternehmen gemeinsam zu einen Erfolg führen wollten.

Wittrock hält Vortrag, Band gibt Konzert

Eine Ausstellung über die Luftbrücke ist vom Freitag, 31. August, bis Freitag, 7. September, während der Öffnungszeiten im Foyer des Rathauses zu sehen. Das Militär-Historische Museum Flugplatz Berlin-Gatow hatte die sieben Elemente für das LTG 62 bereits für den Tag der Bundeswehr im Juni gefertigt.

Die Geschichte der Luftbrücke mit Wunstorf als Schwerpunkt wird Chronist Heiner Wittrock dann bei einem Vortrag am Dienstag, 4. September, ab 19.30 Uhr im Sozialzentrum des Klinikums darstellen. Eine Wiederholung ist für Donnerstag, 4. Oktober, zur gleichen Zeit in der Ju-52-Halle am Fliegerhorst geplant. Mit mehr als 100 Fotos, Grafiken und Videoausschnitten will er schildern, warum die Luftbrücke erfolgreich war, obwohl die „Operation Plainfare“ mit vielen Widrigkeiten und tödlichen Unfällen zurechtkommen musste.

Zum Abschluss der kleinen Reihe wird dann am Sonnabend, 8. September, die „U.S. Air Forces in Europe Band“ von 13 bis 17 Uhr vor der Stadtkirche spielen. Die Gruppe vom amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein ist seit dem Zweiten Weltkrieg vor Millionen von Zuschauern aufgetreten, darunter auch viele Staatenlenker, und will sich damit für ein besseres Miteinander der Kulturen einsetzen. Im Programm haben sie Swing- und Jazz-Klassiker von Größen wie Glenn Miller und Benny Goodman und wollen auch in Wunstorf bei ihrem Konzert mit „lässigem Big-Band-Sound der vierziger Jahre“ die Menschen gut unterhalten.

Landessuperintendentin Petra Bahr (Mitte) steht mit Militärpfarrerin Alexandra Dierks und den Superintendenten des Sprengels Hannover vor einer A400M. Quelle: Simon Otte/Bundeswehr

Superintendenten besuchen Fliegerhorst

Besuch aus der evangelischen Kirche hat das Lufttransportgeschwader 62 in der vergangenen Woche bekommen. Die Superintendenten aus dem Sprengel Hannover haben sich auf dem Fliegerhorst über die Arbeit informiert. „Wir wollten die Welt vor unserer Haustür ein wenig besser kennenlernen. Bestenfalls entdecken wir Schnittmengen, wo wir uns ähnlich sind“, sagte Landessuperintendentin Petra Bahr. Am Ende stellte sie zumindest fest, dass in jedem Beruf eine Berufung liegen kann.

Im Gespräch mit der Militärpfarrerin Alexandra Dierks hörten sie, dass viele Soldaten sich stark mit ihrer Aufgabe identifizieren und hohe Belastungen haben, aber wie jeder andere auch mit privaten Problemen oder dienstlichen Konflikten zurechtkommen müssen. „Bei mir darf jeder erstmal erzählen und dann wird gemeinsam überlegt, ob und wie man tätig wird“, sagte sie. Ein Privileg ist, dass sie nicht an den militärischen Dienstweg gebunden ist. Sie organisiert aber auch Gottesdienste und Rüstzeiten und wird dabei von Pfarrhelferin Ute Ebner unterstützt.

Beim Treffen mit Kommodore Ludger Bette plädierte der Oberst dafür, Sicherheits- und Verteidigungspolitik nur noch mit den europäischen Partnern zu betreiben. Im Lufttransport wird das mit einem gemeinsamen Kommando oder der multinationalen Ausbildung gewährleistet. Von den Gästen darauf befragt, wie sehr bei den Einsätzen die Gefahr im Kopf sei, antwortete er: „Wenn Sie eine A400M in einem Bedrohungsgebiet bei völliger Dunkelheit landen, sind Sie allein darauf konzentriert.“ Wichtig sei aber, die Soldaten anschließend zu betreuen, wobei die Militärseelsorge nur ein Teil eine ganzen Netzwerks sei.

Von Sven Sokoll

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