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Wunstorf Nabu legt flache Tümpel für Schildkröten an
Umland Wunstorf Nabu legt flache Tümpel für Schildkröten an
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16:08 06.12.2018
Die europäische Sumpfschildkröte ist auf dem besten Wege, in den Meerbruchswiesen wieder heimisch zu werden Quelle: Bernd Breitfeld M.Sc. Biol.
Mardorf

Momentan ist der Boden zu weich, doch voraussichtlich im Frühjahr werden wieder Baufahrzeuge in den Meerbruchswiesen zwischen Mardorf und Winzlar unterwegs sein. Der Naturschutzbund Nabu Niedersachsen will Brutplätze für die europäische Sumpfschildkröte gestalten, um den Tieren Überleben und Fortpflanzung zu sichern. Es geht darum, Tümpel mit möglichst flachen Uferzonen anzulegen, in denen die kleinen Schildkröten aufwachsen können.

Seit 2013 arbeitet der Nabu mit wechselnden Kooperationspartnern daran, die Tiere in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet am Steinhuder Meer wieder heimisch zu machen. Insgesamt 262 Schildkröten wurden in zwei größeren Aktionen dort ausgewildert.

Art war schon fast ausgestorben

Einst war die europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) weit verbreitet: Ihre Vorkommen erstreckten sich vom nordwestlichen Afrika bis zum Aralsee und dem Kaspischen Meer in Westasien. Doch ihre Lebensräume wurden immer mehr zerstört.

Überdies waren die Wassertiere bereits im Mittelalter eine beliebte Fastenspeise – beim Fasten war zwar Fleisch verboten, Fisch aber erlaubt, was teils großzügig ausgelegt wurde –auch der Biber hatte schwer darunter zu leiden. Zwischenzeitlich galt die Art zumindest in Niedersachsen und mehreren weiteren deutschen Bundesländern als ausgestorben.

Seit den Neunziger Jahren gibt es europaweit Projekte, um sie wieder anzusiedeln, etwa in Frankreich, der Schweiz, Polen, Litauen und Lettland, und auch mehrere in Deutschland – das Projekt in den Meerbruchswiesen läuft seit 2013.

„Inzwischen haben sich die Sumpfschildkröten in ihrem neuen Lebensraum sehr gut eingelebt. Sie suchen im Gebiet neue Wohngewässer auf und haben ihre Reviere eingenommen“, berichtet Bernd Breitfeld, zuständiger Projektleiter beim Nabu. Seit einigen Jahren beobachteten die Biologen auch die ersten Paarungen der Sumpfschildkröten. „Einige der wieder angesiedelten Tiere sind acht Jahre und älter und somit geschlechtsreif“, sagt Breitfeld. Die trächtigen Sumpfschildkrötenweibchen begäben sich dann auf oftmals lange Wanderungen, um geeignete Brutplätze aufzusuchen und ihre Eier dort abzulegen

„Jetzt geht es darum, die Verluste der wandernden Weibchen, ihre Gelege und ihre Schlüpflinge im Naturschutzgebiet so gering wie möglich zu halten“, sagt Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Nabu. Auf dem Weg zum Brutgewässer sind die Weibchen schutzlos, werden auch öfter von Beutegreifern wie etwa Füchsen erwischt. Auch die geschlüpften Tiere sind gefährdet, wenn sie lange Wege zurücklegen müssen. Sie brauchen aber flachere Gewässer, weil sie noch nicht so gute Schwimmer sind, im schlimmsten Fall sogar ertrinken können.

Wenn die flachen Tümpel ausgehoben werden, bleibt der Aushub liegen, um damit Brutplätze zu gestalten – diese suchen sich die Weibchen sehr genau aus, neben der Bodentemperatur müssen auch Erdreich und Vegetation stimmen. Die Plätze werden nach Süden ausgerichtet und aus Erd-Sand-Gemisch gebaut, in dem die Tiere gut ihre Bruthöhlen graben können.

Ohne Sponsoren geht es nicht: Für das neue Projekt unterstützt die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung den Nabu finanziell. Aktuell ist Breitfeld dabei, die Arbeiten vorzubereiten, er zählt Schildkröten und fängt Beutegreifer in Fallen, um ihr Vorkommen im Naturschutzgebiet zu dokumentieren.

Von Kathrin Götze

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